Schweinfurt

Direktvermarkter Karin und Werner Bandorf hören nach Jahrzehnten auf

Jahrelang ein gewohnter Anblick auf dem Schweinfurter Markt, doch damit ist jetzt Schluss: Karin und Werner Bandorf sowie Ruth Stoll (vorne).
Foto: K. Eden | Jahrelang ein gewohnter Anblick auf dem Schweinfurter Markt, doch damit ist jetzt Schluss: Karin und Werner Bandorf sowie Ruth Stoll (vorne).

„Ein großes Danke an unsere Kunden und ans Team!“

Eine Ära geht zu Ende: Die Sennfelder Gemüsebauern und Direktvermarkter Karin und Werner Bandorf hören nach Jahrzehnten mit dem Verkauf auf dem Markt in Schweinfurt auf. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie das Ehepaar im Gespräch verrät. Denn über die lange Zeit auf dem Schweinfurter Markt haben sich viele Bekanntschaften und sogar auch einige Freundschaften entwickelt. Der Entschluss ist lange gereift; bereits vor vier Jahren wurde ein Nachfolger für den Betrieb und den Marktstand gesucht und mit Holger Deppert gefunden.

„Wir wollten den Betrieb erhalten, aber wir wussten, lange können wir das nicht mehr machen, denn die Arbeit ist körperlich einfach sehr, sehr anstrengend“, betonen die beiden. Eine 80-Stunden-Woche ist normal, frühmorgens aus dem Bett, raus aufs Feld, die Ware wie Salate frisch ernten, den Marktwagen beladen und auf den Markt. „Oft sind wir ohne Frühstück aufgebrochen, allerdings konnten wir das dann auch mal auf dem Markt nachholen“, erzählt Karin Bandorf, die als Quereinsteigerin seit 2010 ihren Mann im Betrieb unterstützte.

Klare Arbeitsteilung

Dabei war die Arbeitsaufteilung schnell klar: Karin mit ihrer offenen, überaus freundlichen Art kümmerte sich um die Vermarktung, der gelernte Landwirt Werner war verantwortlich für den Anbau und die Ernte. Hervorragende Qualität und absolute Frische – das war und ist den Kunden wichtig und ein Gütezeichen der Bandorfs. Deshalb wurde beispielsweise mittags stets frisch geerntete Ware von Werner Bandorf nachgeliefert. „Meine Mädels haben mich mit ihren Bestellungen ganz schön auf Trab gehalten“, lacht der 63-jährige, der erzählt, dass man ungefähr 20 Minuten benötigt, um einen Eimer Feldsalat zu ernten.

Handverlesenen Mitarbeiterinnen

"Meine Mädels" – das sind neben Ehefrau Karin vor allem auch die handverlesenen Mitarbeiterinnen. Eine sticht dabei besonders heraus: Ruth Stoll, die, wie Karin Bandorf im Brustton der Überzeugung sagt, „ein ganz toller Mensch und eine super Stütze für uns ist. Immer da und sie hatte stets ein besonderes Händchen für die Kunden! Zusammen mit uns hört sie jetzt auch auf.“ Überhaupt, da sind sich die beiden Bandorfs einig: „Wir hatten ein tolles Team, alle waren immer bereit, sich zu engagieren, sonst hätte es auch nicht so lange und so gut funktioniert. Daher ein ganz großer Dank an alle unsere Mitarbeiter! Und natürlich an unsere Kunden, die uns so lange die Treue gehalten haben. Wir hatten mit vielen ein tolles Verhältnis, es wurde viel gelacht, Rezepte wurden ausgetauscht, für uns gebacken, Kaffee vorbeigebracht, im Sommer kühlende Tücher. Diese Herzlichkeit von allen Seiten wird uns fehlen!“

Keine Wegwerfer

An marktfreien Tagen war natürlich nicht Ausruhen angesagt, sondern aussäen, pflanzen, Unkraut jäten, Blumen binden. Die Sonntage waren zumeist der Buchführung, Organisation für den Betrieb und „dem bisschen Haushalt“ vorbehalten. Besonders freut die beiden, dass sie in all den Jahren gut kalkuliert haben und fast nie etwas wegwerfen mussten. „Wenn tatsächlich verderbliche Ware übriggeblieben ist, dann ging sie an die Tafel, an die Mitarbeiter oder an Familien, die wir unterstützt haben. Wir sind keine Wegwerfer, sondern versuchen alles irgendwie zu verarbeiten! Denn, wenn man sieht, wie viel Arbeit, Zeit, Liebe wir Gemüsebauern in unsere Produkte stecken, dann kann man diese nicht einfach entsorgen.“

Entscheidung für Direktvermarktung

Werner Bandorf, der 1990 den elterlichen Betrieb noch mit Tieren und Gemüsebau übernommen hatte, entschied sich sehr schnell für den Gemüsebau und die Direktvermarktung. Im Gespräch lässt er die 30 Jahre Revue passieren und sagt: „Es hat sich sehr vieles verändert. Anfangs gab es beispielsweise den grünen Kopfsalat, inzwischen bieten wir elf verschiedene Sorten an.“ Oder: In seiner Jugend war ein Marktstand gerade mal zwölf Quadratmeter groß gewesen, heute sind es 45. Auch die Einkaufszeiten sind andere geworden: Während früher der Markt um 11 Uhr gelaufen war, weil die Hausfrauen Mittagessen kochen mussten, verzeichnen die Marktleute inzwischen den Hauptumsatz zwischen 10 und 14 Uhr.

Der Blick in die Zukunft: „Natürlich werden wir die vielen schönen Begegnungen mit Kunden vermissen, aber wir freuen uns auch sehr auf die gemeinsame freie Zeit, die wir richtig aktiv genießen werden“, sind sich die beiden einig. Und wünschen Holger Deppert, den Werner Bandorf im Hintergrund noch etwas unterstützen wird, für die Zukunft alles erdenklich Gute und viel Erfolg!

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