Gernach

Dorfgeschichte in vielen Facetten

Hugo Hetterich verfasste ein informatives, unterhaltsames Buch über die Geschichte Gernachs, gut zu lesen und versehen mit einer Fülle von Bildern.
Foto: Erhard Scholl | Hugo Hetterich verfasste ein informatives, unterhaltsames Buch über die Geschichte Gernachs, gut zu lesen und versehen mit einer Fülle von Bildern.

Hugo Hetterich interessierte sich schon immer für die Geschichte seines Heimatortes.

Seit 1966 ehrenamtlich bei der damals noch selbstständigen Gemeinde beschäftigt, wurde er 1978 mit der Gründung der Großgemeinde Kolitzheim, zu der auch Gernach gehört, Kassenverwalter. Er war also in der ganzen Gemeinde bekannt. So wurde er auch immer wieder angesprochen, wenn es um historische Fragen ging, die Gernach betrafen. Bis er sich entschloss, die jüngere Geschichte Gernachs in einem Buch aufzubereiten.

„Die ganze Gemarkung von Gernach wurde am 19. Juli 1926 spät am Nachmittag durch ein schlimmes Hagelwetter verwüstet. … Die auf dem Feld arbeitenden Leute kamen, obwohl sie Schutz suchten, blutend nach Hause. Die gesamte Ernte ist vernichtet ... auf der Wetterseite blieb kaum ein Fenster ganz.“ Über dieses Ereignis wird in Hetterichs Buch „Gernacher Geschichte und Geschichten“ neben vielem anderen berichtet. Das Buch liegt seit kurzem gedruckt vor.

Wer weiß heute noch, dass die Wasserversorgung des Klosters Heidenfeld aus dem Feldbrunnen in der Flurabteilung „Ried“ mittels durchgebohrter Holzstämme sichergestellt wurde? Oder wer erinnert sich daran, dass 154 Gernacher als Soldaten im Zweiten Weltkrieg eingezogen waren, von denen 33 getötet wurden, vermisst waren, oder an den Kriegsfolgen starben, aus manchen Familien sogar zwei Söhne?

Ursprünglich, so Hugo Hetterich, wollte er an den Aufzeichnungen von Lehrer Georg Haderdauer anknüpfen, die mit dem Jahr 1950 endeten. Die Auseinandersetzung von Hugo Hetterich mit diesen Aufzeichnungen führte ihn jedoch zu einer Vielzahl von Dokumenten aus früheren Jahren, so dass er sich entschloss, einen neuen Gesamtüberblick über die Geschichte des Dorfes zu verfassen.

Ein Motiv, dieses Buch zu schreiben, sei auch gewesen, dass die guten und auch die schweren Zeiten des Dorfes in Erinnerung bleiben, und dass man aus ihnen lernen könne. Hugo Hetterich hat viele Facetten des dörflichen Lebens in Gernach in seinem – wie er betont – „nicht allumfassenden“ Werk dargestellt.

So ist zu lesen, wie die Umgebung von Gernach in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war; eine kurze Geschichte der örtlichen Vereine ist dort ebenso zu finden, wie eine Schilderung von Sitten und Gebräuchen in alten Zeiten, oder eine Darstellung der Landwirtschaft in Gernach und ihres Wandels im Verlauf der Zeit.

Auch über die Kirche, die kirchlichen Gebräuche und ihren Wandel ist viel zu erfahren. Die geschichtlichen Informationen, die durch viele Bilder illustriert sind, werden garniert mit einer Fülle von „Geschichten“ aus Gernach, teils ernsten, teils heiteren Charakters.

Als Quellen für sein „Heimatbuch“ wie es der Autor im Untertitel benennt, nutzte er das Gemeindearchiv von Gernach, das nach der Gründung der Großgemeinde im Kolitzheimer Rathaus aufbewahrt wird. Dort sind Sitzungsprotokolle des Gemeinderates und andere Informationen aus dem Gemeindeleben von Gernach seit 1802 aufbewahrt.

Zuverlässige Informationen habe er auch aus der Heidenfelder Chronik entnehmen können. Johannes Zimmermann, der Verfasser dieser Chronik, sei leider zu früh verstorben; er hätte sicher noch manche Auskunft geben können. Unterstützung erfuhr Hugo Hetterich auch durch Kreisarchivpfleger Hilmar Spiegel.

Fünf Jahre lang hat sich Hugo Hetterich mit der Erstellung des Geschichten- und Geschichtsbuchs über Gernach befasst – zwar mit Pausen, aber während dieser Zeit habe ihn das Vorhaben immer begleitet. Motiviert habe es ihn immer wieder, wenn er etwas Neues gefunden habe, berichtet der Verfasser aus dieser Zeit. Interessant und aufschlussreich seien auch die Gespräche mit vielen Zeitzeugen, den älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern gewesen.

Sie trugen manches Erhellende aus ihrem eigenen Erleben bei, oder konnten über Ereignisse und Bräuche berichten, die sie ihrerseits von ihren Vorfahren erzählt bekamen.

Für 20 Euro im Rathaus erhältlich

Bürgermeister Horst Herbert stand dem Vorhaben von Hugo Hetterich stets positiv gegenüber; nach Einblick in das Manuskript sagte er die Finanzierung des Drucks durch die Gemeinde zu. Sein Dank gilt seiner Familie: seinem Sohn Matthias, der durch viele Fotos und deren Bearbeitung entscheidend zur ansprechenden Gestalt und zur Veranschaulichung der Texte beitrug, aber auch seiner Frau Lotte, die ihn jederzeit bei seinem Vorhaben unterstützte.

Hugo Hetterich ist froh, dass das Werk jetzt vollendet ist: „erst mal habe ich genug von dieser Arbeit“, so sein Kommentar. Es sind jedoch Zweifel an dieser Feststellung angebracht: wenn er wieder etwas Neues entdeckt, wird er wohl nicht widerstehen können, weiterzuforschen.

Das Buch gibt es in der Gemeindeverwaltung Kolitzheim zum Preis von 20 Euro. Es ist zu erwarten, dass die 150 gedruckten Exemplare bald ihre Liebhaber gefunden haben. Davon ist Bürgermeister Horst Herbert überzeugt.

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