Grettstadt

Dr. Karl Dorda – Arzt und Freund der Natur

Der Grettstädter Medicus Karl Dorda ist vielen noch in Erinnerung. Nicht nur als Arzt mit Ausstrahlung, sondern auch als  Fotograf und Bewahrer der Orchideen.
Dr. Karl Dorda in seiner Arztpraxis in der Schwebheimer Straße in Grettstadt
Foto: Archiv Dorda  | Dr. Karl Dorda in seiner Arztpraxis in der Schwebheimer Straße in Grettstadt

Am 12. Juni 1965 starb Medicus Dr. med. Karl Dorda in der Uniklinik Würzburg. Bis zu seinem Tod praktizierte er 15 Jahre als niedergelassener Arzt und betreute Grettstadt, Dürrfeld und Dampfach. Daneben nahm er sich der damals landesweit beachteten Naturflächen Grettstadts an. Verheiratet war Dorda mit Dr. phil. Maria Dorda. Neben ihrer fünfköpfigen Familie führte sie einen Verlag, schrieb Bücher und hielt zahlreiche Vorträge.

Am 4. Februar 1917 wurde Karl Dorda als 4. Kind eines Apothekers und Magisters der Pharmazie und seiner Frau Irene im österreichischen Graz geboren. Der Vater war dort im 1. Weltkrieg als Apotheker des Garnisonsspitals und Adjutant des Kommandeurs in der österreich-ungarischen Armee eingesetzt. Nach dem 1. Weltkrieg zog er mit seiner Familie nach Jägerndorf, einer sudetendeutschen Stadt in der damaligen Tschechoslowakischen Republik, wo er im eigenen Haus eine florierende Apotheke betrieb.

Dr. med. Karl Dorda – Berufung ist mehr als Beruf

Karl verbrachte Kindheit und Jugend in Jägerndorf. Nach der Matura (Abitur) nahm er das Studium der Medizin an der Deutschen Karls-Universität in Prag auf und machte seinen Doktor. In seiner Prager Zeit lernte der Medicus seine spätere Ehefrau Maria Ebert kennen und lieben, die dort Slavistik und Geschichte studierte und ebenfalls mit Doktortitel ihr Studium abschloss. Sie war 1917 in Marienbad geboren worden.

1944 ehelichte Dr. Karl Dorda in Marienbad Dr. Maria Ebert, die er nach seiner Kriegsgefangenschaft im Schloss Bayerhof bei Waldsachsen wiederfand. 1952 zogen beide nach Grettstadt und prägten einen beachtlichen Teil der Ortsgeschichte.
Foto: Archiv Dorda | 1944 ehelichte Dr. Karl Dorda in Marienbad Dr. Maria Ebert, die er nach seiner Kriegsgefangenschaft im Schloss Bayerhof bei Waldsachsen wiederfand.

Wie seine gesamte Generation wurde Karl Dorda als Sudetendeutscher schon Anfang des 2. Weltkrieges zur Wehrmacht eingezogen. Dort war er vier Jahre Arzt an der Ostfront, wurde mehrmals verwundet und erhielt für Tapferkeit bei der ärztlichen Versorgung verwundeter Soldaten das Eiserne Kreuz am Bande.

Im Mai 1945 kam der Oberleutnant mit dem Zerstörer 39 von Königsberg über die Ostsee nach Kiel, wo er in englische Kriegsgefangenschaft geriet. Dorda wurde dem Hilfslazarett Reinbek bei Hamburg zugeteilt. Als Extern-Arzt mit Freigang konnte er die Hamburg-Eppendorfer Universität besuchen, an der dermatologischen Klinik hospitieren, die Prüfungen zum Facharzt für Hautkrankheiten ablegen und den Kurs als Geburtshelfer bestehen. Damit wollte er Wunden des Krieges heilen und Müttern bei der Geburt ihrer Kinder beistehen.

Wiedersehen nach der Vertreibung

Mit Hilfe des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes fand er seine Familie auf Schloss Bayerhof bei Waldsachsen wieder. Seine Frau Maria, die er während eines Heimaturlaubs in Marienbad geheiratet hatte, war dort mit ihrem Baby, ihrer Mutter, Großmutter und Schwiegermutter nach der Vertreibung aus der Heimat zwangseinquartiert worden.

Im April 1948 eröffnete Dr. Karl Dorda im Bauernhaus der Familie Weber in der Bahnhofstraße gegenüber der Weeth seine Praxis. 1952 bezog die Familie ein eigenes Wohnhaus mit Praxis in der Schwebheimer Straße.
Foto: Archiv Dorda  | Im April 1948 eröffnete Dr. Karl Dorda im Bauernhaus der Familie Weber in der Bahnhofstraße gegenüber der Weeth seine Praxis. 1952 bezog die Familie ein eigenes Wohnhaus mit Praxis in der Schwebheimer Straße.

Mit dem heimkehrenden Karl war die Familie wieder zusammen, und bis 1948 kamen noch zwei Kinder hinzu. Am Bayerhof wurde der Burgberg Verlag gegründet, der heute noch besteht. Der junge Arzt suchte nach einem geeigneten Arztsitz, den er in Grettstadt fand. Dort waren es vor allem die Wiesen, deren Orchideen es dem Naturfreund angetan hatte. 1952 wurde ein Haus gebaut, 1960 die Praxis erweitert. Zusammen mit Hebamme Lore Lenhard verhalf er bei Hausgeburten so manchem Kind ans Licht der Welt. Bis auf zwei Wochen Fortbildung im Jahr gab es für ihn keinen Urlaub. Tag und Nacht war er bereit für seine Patienten in Grettstadt, Dürrfeld und Dampfach. In der Freizeit fotografierte er pflanzliche Raritäten der Grettstadter Wiesen und machte seinen Einfluss geltend, wenn es darum ging diese Naturschätze zu erhalten.

Maria Dorda, eine vielseitige Humanistin

Gattin Maria Dorda sammelte in dieser Zeit viel über die Ortsgeschichte und verfasste Schriften, auf die heute noch zurückgegriffen wird. Sie übernahm ab 1949 viele Aufgaben im kulturellen, kommunalen und kirchlichen Bereich. Von 1952-56 war sie die erste Frau im Gemeinderat von Grettstadt. Für ihre Verdienste wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen. Den Burgberg Verlag, in dem der Jägerndorfer Heimatbrief erscheint, führte sie bis zu ihrem Tod 2004. Dafür erhielt sie das große Ehrenzeichen der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Seit 2004 liegt die Führung des Verlags in den Händen ihres Sohnes Wolfgang, der heute als ehrenamtliche Gemeindearchivar in Grettstadt tätig ist. Erst 16 Jahre später fand sich 1981 mit Dr. med. Hermann Kraus ein Nachfolger für Dr. Dorda.

Dr. med. Karl Dorda 1954 im Gespräch mit dem damaligen Bundespräsident Theodor Heuss auf der Buchmesse in Frankfurt am Main.
Foto: Archiv Dorda Repro Ruth Volz | Dr. med. Karl Dorda 1954 im Gespräch mit dem damaligen Bundespräsident Theodor Heuss auf der Buchmesse in Frankfurt am Main.
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