Gerolzhofen

Ein Klick – ein Risiko?

Eine Realschülerin bei der Internetnutzung zu Hause.
Foto: Guido Plener | Eine Realschülerin bei der Internetnutzung zu Hause.

Das Internet bietet 10 bis 14-Jährigen zahlreiche faszinierende Angebote. Oft fehlt ihnen aber noch die Kompetenz, die Chancen und Risiken ihrer Online-Aktivitäten richtig einzuschätzen. Deshalb lud, organisiert von Studienrätin Sabine Belz, die Ludwig-Derleth-Realschule am Dienstag die Eltern dieser Schülergruppe zum Online-Elternabend mit dem Thema: „Medien in der Familie – Info-Veranstaltung mit dem Schwerpunkt Internet“ ein.

Am Dienstag fand ebenfalls der weltweite Aktionstag „Saferinternetday“ mit zahlreichen Veranstaltungen in allen Kontinenten statt. (www.saferinternet.de),  Dessen Ziel ist, die Jugendlichen und ihre Eltern für dieses Thema zu interessieren und für die damit verbundene Problematik zu sensibilisieren.

Referent Christof Thönelt, pädagogischer Berater im Staatlichen Schulamt Nürnberg, befasst sich mit der Medienpädagogik seit 16 Jahren. Er erläuterte anhand einer Statistik, dass sich die Nutzung der verschiedenen Medien durch die 10 bis 14-Jährigen seit 2011 stark verändert habe. Denn seitdem hätten sich die Smartphones etabliert und stünden an erster Stelle. Das Fernsehen, das früher die Freizeitgestaltung dominierte, sei nach dem Streamen von Musik und Videos heute nur von untergeordneter Bedeutung.

Internet bietet auch beachtliche Gefahren

Die Zeit, die Jugendliche dieser Altersgruppe täglich im Internet verbringen, steigert sich von zwei auf drei Stunden. Dabei sind Streaming-Plattformen wie youtube, spotify oder myvideo angesagt. Entscheidend ist dabei, dass Smartphones die sofortige Verfügbarkeit des Angebotes garantieren.

Neben dem Unterhaltungsfaktor nützen die Heranwachsenden das Internet in den sozialen Medien wie Facebook und Whatsapp zur Selbstdarstellung, die ohne das Internet schwierig ist, da zu wenig Leute erreicht werden. Denn in den Plattformen kann man Fotos und Videos von sich schnell und weit verbreiten.

Natürlich habe dies auch seine Kehrseite, ergänzte Christof Thönelt. Denn neben den Möglichkeiten birgt das Medium Internet auch beachtliche Gefahren. Oft können die Jugendlichen an problematische Inhalte der Gewaltverherrlichung und Pornografie gelangen, oder gegen Urheberrechte verstoßen, indem sie sich Musik oder Videos herunterladen und diese weiter verbreiten. An dieser Stelle sind die Erziehungsberechtigten gefordert, sich ihrer Verantwortung im Bereich der Mediennutzung ihrer Kinder bewusst zu sein und ihre Kinder dabei zu begleiten.

Jugendliche dürfen nicht alleine gelassen werden

Problematische Inhalte können auch in harmlose Angebote eingebunden werden und Kinder zufällig auf diese Seiten gelangen. An dieser Stelle dürften sie auf keinen Fall mit ihren Eindrücken allein gelassen werden. Sie könnten die problematischen Seiten zudem weiter verbreiten, so der Experte. Beliebt unter den Jugendlichen seien auch zunächst harmlos wirkende „Challenges“, also Wettbewerbe zum Beispiel in Form von Mutproben, die ein schlimmes, sogar tödliches Ende nehmen können.

Hier sei eine Reflexion gefragt, etwa in einem Gespräch. Problematisch sei auch das Sexting, bei dem sich Jugendliche leicht bekleidet fotografieren und die Bilder einem Freund zuschicken. Dabei bedenken sie oft nicht, so Christof Thönelt, dass diese es ebenfalls im Bekanntenkreis weiterleiten und damit oft unbewusst die Urheberrechte verletzen, was leicht zu einer Anzeige führen kann. Viel schlimmer ist natürlich noch die Zurschaustellung in der Öffentlichkeit, was vom Betroffenen als Mobbing empfunden wird.

Genaue Prüfung bei Eingabe sensibler Daten

Auch der gesetzliche Medienschutz (FSK,USK) bietet nur unzureichenden Schutz, so der pädagogische Berater. So seien „Harry-Potter“-Filme ab 6 Jahren freigegeben. Dies sei aber je nach Entwicklungsgrad eines Kindes kaum gerechtfertigt und nachvollziehbar, sagt Christof Thönelt. Deshalb sollten die Eltern diese Einschätzung selbst treffen sowie Sendezeitgrenzen pro Tag festlegen und auch technische Maßnahmen zur Einschränkung des Medienkonsums treffen. Sie sollten mit ihren Kindern darüber sprechen, wie Inhalte ins Netz kommen und was ihrem Kind alles begegnen kann.

Ein weiter wichtiger Punkt ist die Weitergabe sensibler Daten wie Name, Adresse, Geburtsdatum. Leicht kann es so zu Mobbing, aber auch zum Identitätsklau kommen. Immer dann, wenn Jugendliche ihre persönlichen Daten im Netz eingeben, sollten die Eltern das genau prüfen und vorher ihr Einverständnis dazu geben, rät Christof Thönelt. Denn manche Unternehmen geben diese Daten wieder weiter und man erhält unerwünschte Werbung und die gefährlichen Phishing-Mails. Diese können mit einem Klick auf den Link dann Viren und Betrugsseiten in den Computer einschleusen.

Eltern sollen Kinder für Gefahren sensibilisieren

So ist es empfehlenswert, bei Unterhaltungsseiten sogenannte Nicknames einzugeben. Es gibt sogenannte „Datenkraken“, die das Handy des Benutzers über GPS- Daten und Telemetrie ausforschen, betonte der Referent. Deshalb gelte es für die Eltern, die Heranwachsenden für solche Gefahren zu sensibilisieren. Sollte es dennoch passieren, sollte man sofort reagieren.

Wird beispielsweise ein Urheberrecht verletzt und man erhält eine Inkasso-Rechnung, oft im mittleren dreistelligen Bereich, sollte man sofort Kontakt mit dem Verbraucherschutz aufnehmen und nicht sofort bezahlen. Auch Abo-Fallen seien häufige Betrugsmaschen, so der pädagogische Berater. Mit Phishing-Mails gelangen unseriöse Firmen dann an persönliche Daten. Die regelmäßige Kontrolle von Abbuchungen sowie der Telefonrechnung ist deshalb ratsam. Es gibt auch die Möglichkeit der Drittanbietersperre beim Provider. Es werden also keine Rechnungen von Dritten mehr angenommen, was durch bestimmte Sicherheitseinstellungen bewirkt werden kann.

Medienkompetenz ist zuerst Familiensache

Als Fazit lässt sich sagen, dass die Erziehungsberechtigten in einer begleitenden kritische Reflexion der Internetnutzung die Heranwachsenden zu einer selbstbestimmten Medienkompetenz führen sollen. Dies sei zuallererst Familiensache, auch wenn in der 5. Jahrgangsstufe der Realschule durch einen „Medienführerschein“ die Kompetenz erweitert werde. Wenn sich Eltern weiter informieren möchten, empfiehlt Projektassistentin Verena Radmanic die Adresse www.stiftung-medienpaedagogik-bayern.de

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