Schweinfurt

Einmannbunker: Ein Mahnmal des Weltkrieg-Wahnsinns

Am Einmannbunker in den Wehranlagen hat die Stadt nun eine Hinweistafel aufgestellt. Der Bunker diente einst dem Schutz des Wasserwarts.
"Archäologe" des Schweinfurter Luftkriegs: Museums-Leiter Nils Brennecke ist zufrieden mit der Aufstellung einer Hinweistafel am Einmannbunker.
Foto: Uwe Eichler | "Archäologe" des Schweinfurter Luftkriegs: Museums-Leiter Nils Brennecke ist zufrieden mit der Aufstellung einer Hinweistafel am Einmannbunker.

Der Wald in den Wehranlagen ist noch immer eisenhaltig, fast 80 Jahre nach dem Luftkrieg um Schweinfurt. "Es ist schon vorgekommen, dass an der Kettensäge die Funken gesprüht haben. Oder uns die Kette von der Säge gesprungen ist", berichtet ein Stadtmitarbeiter, der an diesem kalten Januartag als Baumkontrolleur unterwegs ist. Es stecken offenbar noch einige Geschossreste oder Bombensplitter in den Stämmen.

Nils Brennecke, Leiter des Bunkermuseums Oberndorf, ist auf vereisten Pfaden unterwegs zum "Einmannbunker", einer Schweinfurter Rarität am 2. Wehr. Im Zweiten Weltkrieg fand in der Betonröhre der Wasserwart der nahe gelegenen Brunnenanlagen (zweifelhaften) Schutz, wenn die alliierten Bomber oder Tiefflieger nahten. "Wasserwerke waren natürlich ein wichtiges Ziel, wegen der Löschwasserversorgung", sagt Brennecke, der die "Betonlitfaßsäule" gerne vor seinem Museum, dem Fichtel & Sachs-Hochbunker in Oberndorf, aufgestellt hätte.

Den Standort des fest verankerten Viereinhalb-Tonnen-Zylinders wollte die Stadt aber nicht ändern. Damit, dass das Mahnmal des Bombenkriegs auf Brenneckes Initiative hin von Schmierereien gereinigt und nun mit einer Hinweistafel versehen worden ist, kann er sehr gut leben. Ein Denkanstoß soll der braungraue Klotz sein, der aus Sicherheitsgründen zugeschweißt ist. "Als Mahnmal gegen das Vergessen und Anlass zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus wurde er in die Denkmalliste aufgenommen", heißt es auf der Tafel.

Das alte Wasserwerk war 1898 gebaut worden und befand sich an der Stelle des heutigen Parkplatzes, neben dem Neubau von 1966. Per Vakuumtechnik, Heber- und Sammelbrunnen wurde schon im Kaiserreich das kostbare Nass aus der Tiefe geholt und aus den Mainauen Richtung Wasserwerk gepumpt. Die Bäume der Wehranlagen: Im Krieg werden sie willkommene Tarnung für den Bunkerzwerg gewesen sein, auch für das benachbarte Brunnenhaus. Heute freuen sich Rehe und Jogger über das naturnahe Areal.

Viele Bunker-  und Befestigungsanlagen, einschließlich der "Minis", wurden nach 1945 gesprengt, auf Geheiß der "Disarmament Branch (DB)", der Abteilung für Entmilitarisierung und Abrüstung der US-Militärregierung. Den Schweinfurter Schutzraum hochzujagen wäre wohl nicht ratsam gewesen, ob der Nähe zum Sammelbrunnen. Drei Sehschlitze sorgten in der "Splitterschutzzelle" der Marke DYWIDAG für eine 360-Grad-Rundumsicht. Vor dem Krieg hatte die Karlsruher Zementwarenfirma ("Dyckerhoff & Widmann AG") unter anderem Kanalrohre gebaut. Als die Waffen schwiegen, wurde ein Bunker-Fensterchen zuzementiert, offenbar 1948, und mit einer DB-Nummer versehen.

Diente als Zuflucht für den Wasserwart der Schweinfurter Trinkwasserbrunnen: Der Einmannbunker in den Wehranlagen.
Foto: Uwe Eichler | Diente als Zuflucht für den Wasserwart der Schweinfurter Trinkwasserbrunnen: Der Einmannbunker in den Wehranlagen.

Nils Brennecke will die Erinnerung an das grausame Stahl- und Betonzeitalter der deutschen Geschichte wachhalten: das im Oberndorfer Schutzbau noch eine "atomare" Fortsetzung gefunden hat, im Kalten Krieg. In Corona-Zeiten ist das nicht immer einfach. Drei Führungen habe es im Jahr 2020 gegeben, so der Hobbyhistoriker: "Gerade als privates Museum, das ehrenamtlich als Non-Profit-Museum geführt wird, haben wir echt langsam ein Problem". Steuer, Versicherung und andere Fixkosten liefen ja weiter, auch die Erweiterung des Museums-Konzepts oder die Hygienemaßnahmen seien nicht billig. Den Antrag auf staatliche Hilfe habe es schon im Mai gegeben, über den Bayerischen Archäologenverband, seitdem habe sich wenig getan. Das Plakat aus der Luftkriegszeit, wonach es bei Verdacht auf Infektionskrankheiten keinen Zutritt in den Großbunker geben sollte, wirkt da wie eine Ironie der Geschichte. Solche Probleme hatte ein "Einzelkämpfer" nicht, auf Außenposten in den Wehranlagen.  

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