Schweinfurt

Fahrräder für Schüler, Bauern und Krankenpfleger

Im ländlichen Afrika ist der Weg zur Schule oft sehr weit. Zu Fuß kommen die Schüler schon völlig erschöpft in der Schule an. Mit dem Fahrrad brauchen sie nur ein Viertel der Zeit.
Foto: World Bicycle Relief | Im ländlichen Afrika ist der Weg zur Schule oft sehr weit. Zu Fuß kommen die Schüler schon völlig erschöpft in der Schule an. Mit dem Fahrrad brauchen sie nur ein Viertel der Zeit.

In der Schweinfurter Romstraße wurde die Entscheidung, heuer erstmals einen Welttag des Fahrrads (3. Juni) auszurufen, freudig aufgenommen. Die Vereinten Nationen würdigen damit auch das Engagement der Hilfsorganisation World Bicycle Relief, deren Europa-Büro im Industrie- und Gewerbepark Maintal zu finden ist.

Globales Ziel: Nachhaltigkeit

Im April hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen per Resolution den 3. Juni zum offiziellen Welttag des Fahrrads (World Bicycle Day) ernannt. Damit erkennen 193 Staaten das Fahrrad als einfaches, erschwingliches, zuverlässiges und umweltfreundliches Transportmittel an, das die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) voranbringt. Ganz offiziell ist damit erkannt, dass das Fahrrad die Bildung fördert, gut für die Gesundheit ist und Krankheiten vorbeugt, Toleranz, Verständnis und Respekt weckt, das Zusammenleben fördert und eine Kultur des Friedens unterstützt.

Geschichte der Hilfsorganisation

Der Beschluss der Vereinten Nationen ist eine Bestätigung der Arbeit von World Bicycle Relief (WBR). Die Weltfahrradhilfe wurde im Jahr 2005 von Frederic K. Day (einer der zwei Eigentümer des Fahrradkomponentenherstellers SRAM im Schweinfurter Maintal) und Leah Missbach Day nach dem Tsunami im Indischen Ozean gegründet. In Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen konnten 24 000 Fahrräder nach Sri Lanka geschickt werden.

Schon im Folgejahr – 2006 – wurde ein Gesundheitsprogramm in Sambia unterstützt. Für die Krankenpfleger der Aidshilfe man 23 000 Fahrräder zur Verfügung. Es folgten weitere Programme, die Krankenhelfer in Afrika mobil machen, die Schülern das Erreichen des Unterrichts erleichtern und die Kleinstunternehmer – darunter viele Milchbauern – einen größeren Warentransport ermöglichen.

Stützpunkte in Afrika

WBR unterhält heute Programm-Büros und Montagestätten in Kenia, Sambia, Simbabwe und Malawi. Dort ausgebildete Mechaniker fertigen die Fahrräder, von denen schon über 400 000 ausgeliefert wurden. Untersuchungen zeigen, dass Kleinstunternehmer mit den Rädern ihre Transportaktivitäten um das Fünffache steigern können. Der regelmäßige Schulbesuch ließ sich um fast ein Drittel erhöhen.

Im Rahmen eigener Programme werden die Räder (Fertigungskosten bei 134 Euro) kostenfrei zur Verfügung gestellt. Die Non-Profit-Organisation verkauft über eine eigene Tochter die Räder aber auch an andere Hilfsorganisationen.

Bei SRAM in Untermiete

Das Europa-Büro in Schweinfurt ist im Gebäude von SRAM angesiedelt. Ansonsten sind der zweitgrößte Fahrradkomponentenhersteller der Welt und die Weltfahrradhilfe streng getrennt. Im Buffalo-Fahrrad ist ein einziges SRAM-Teil zu finden.

Dave Neiswander, globaler Geschäftsführer der internationalen Hilfsorganisation World Bicycle Relief mit Sitz in Chicago meint in einer Presseinformation zum Weltfahrradtag: „Mobilität ist ein wichtiger Baustein für Entwicklung. Vor allem im ländlichen Afrika haben die meisten Menschen oft nur die eigenen Füße, um die Entfernungen zu überwinden, die zwischen ihnen und Bildungsmöglichkeiten, Gesundheitsversorgung und besserem Einkommen liegen. Ein einfaches Fahrrad kann hier viel bewirken.“

Bewusstsein schärfen

Dass die Vereinten Nationen ihre Mitgliedstaaten aufgefordert haben, dem Fahrrad besondere Aufmerksamkeit zu widmen und es in politische Entscheidungen und Programme einzubeziehen, begrüßt auch Kristina Jasiunaite, Europa-Direktorin von World Bicycle Relief: „Fahrräder sind im besten Sinne ein Vehikel für die globalen Nachhaltigkeitsziele – werden aber bei Planung von Entwicklungsprojekten häufig nicht bedacht. Der Weltfahrradtag wird helfen, das Bewusstsein für die gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung von Mobilität in Entwicklungsländern zu schärfen und dazu beitragen, dass niemand zurückgelassen wird, nur weil sie oder er weit entfernt von Schule, Krankenstation oder dem Arbeitsmarkt lebt.”

Hinweis: Weitere Informationen und das Spendenkonto sind www.worldbicyclerelief.org im Netz abzurufen.

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