Schweinfurt

Faschingsgottesdienst: Kirchenkritik unter der Narrenkappe

Pfarrer Roland Breitenbach lebt nicht mehr, doch die Tradition der Faschingspredigt in St. Michael lebt weiter. Wie man nicht nur der Pandemie mit Humor begegnen kann.
Mit viel Humor und einer gehörigen Prise Kritik hatte Kirchenpfleger Dieter Rückert (links) seine Faschingsansprache beim Faschingsgottesdienst gewürzt. Pfarrvikar Uwe Schüller sang am Ende des Gottesdienstes den von ihm auf die aktuelle Zeit umgedichteten Faschingsschlager 'Heile Heile Gänsle, wird alles wieder gut' und sorgte damit für Gänsehautmomente.
Foto: Helmut Glauch | Mit viel Humor und einer gehörigen Prise Kritik hatte Kirchenpfleger Dieter Rückert (links) seine Faschingsansprache beim Faschingsgottesdienst gewürzt.

"Wer glaubt, ist nie allein, wer glaubt, darf fröhlich sein." Mit diesem Lied, das freilich in Corona-Zeiten nur von der Organistin allein gesungen werden durfte, wurden die Besucher des Faschingsgottesdienstes in St. Michael trefflich eingestimmt auf diesen besonderen Gottesdienst. Am Faschingssonntag, dass wissen die Gläubigen, hat in St. Michael auch der Frohsinn Platz. Frohsinn, der ruhig mit einer Portion Scharfsinn unter der Narrenkappe einhergehen darf. Der im vergangenen Juli gestorbene Pfarrer Roland Breitenbach hat die Tradition einer Faschingsansprache mit seinem Amtsantritt in St. Michael 1974 begründet.         

"Rolands Büttenpredigt gibt es nie wieder", so Kirchenpfleger Dieter Rückert, der diese Tradition aufrecht erhält und eine Faschingsansprache geschrieben hat. "Mit dem Roland hab ich oft geackert, und hab mit ihm die Predigt festgetackert", erinnerte er an die gemeinsamen Stunden der Vorbereitung der Faschingsansprachen vergangener Jahre. Es darf vermutet werden, dass Pfarrer Roland Breitenbach am Sonntag hin und wieder von "oben" Beifall geklatscht hat, denn auch Dieter Rückert sparte nicht an Kritik – auch an den Kirchenoberen in Rom. "Maskenpflicht und Abstand halten, das ist gut für all die Alten, besonders die dort im Vatikan, so sieht man dem Gesicht nicht an, was sie über den Zölibat wirklich denken – und uns vielleicht nur ein Grinsen schenken. Mit dem Abstand haben sie dort kein Problem, den halten sie zu uns schon immer." Klare Worte unter der Narrenkappe für Neuerungen und Annäherungen, wie sie von der Kirchenbasis mit immer mehr Nachdruck gefordert werden. 

In Verse gefasst, was sich die Kirchenbasis wünscht

In Verse gefasst, forderte Rückert, Amtsmissbrauch in der Kirche aufzudecken und nicht zu vertuschen. Namentlich sprach er Kardinal Woelki an, bei dem man sich frage, was er zu verheimlichen habe. "Ein Bericht von ihm bestellt, passt halt nicht in seine Welt", kritisierte Rückert die durch alle Medien gegangene Zurückhaltung eines vom Kardinal selbst in Auftrag gegebenen Gutachtens. Auch Woelkis ablehnende Haltung gegenüber Frauen in verantwortlichen Positionen in der katholischen Kirche, stellte er an den närrischen Pranger. "Gott schuf den Menschen als Frau und Mann, doch das kam bei ihm nur bruchstückhaft an".

Dem im vergangenen Juli verstorbenen Pfarrer Roland Breitenbach, der die Faschingsansprache in St. Michael einst auf den Weg gebracht hatte, dürfte es gefallen, dass  die Tradition weiter gepflegt wird. Im Eingangsbereich des Gotteshauses lag am Valentinstag das Kondolenzbuch für den beliebten Pfarrer aus.
Foto: Helmut Glauch | Dem im vergangenen Juli verstorbenen Pfarrer Roland Breitenbach, der die Faschingsansprache in St. Michael einst auf den Weg gebracht hatte, dürfte es gefallen, dass  die Tradition weiter gepflegt wird.

Im Visier der Faschingsansprache auch die Sparpolitik der katholischen Kirche in der Region. "Kein Geld mehr da, der Bischof blank", so seine Einschätzung. Dennoch flößen Millionen in teils sinnlose Großprojekte. "Pfarrhäuser werden groß saniert, doch Kleinigkeiten nicht repariert", so sein Fazit als Kirchenpfleger.      

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Natürlich hatte auch die Pandemie ihren Platz in der Faschingsrede. So bekamen die sogenannten "Querdenker" ihr Fett weg, Denkvermögen sei eben nicht gerecht verteilt. Donald Trump, Impfstoff, Corona-Politik, Landesgartenschau in Schweinfurt und Home-Office – Dieter Rückert hatte seine etwa zehnminütige Rede mit vielen Themen angereichert. "Vieles gibt es auf der Welt, das uns heute nicht gefällt, doch solange Geld und Macht regieren, brauchen wir uns als Christen nicht genieren, und machen unsere Meinung kund, denn Gottes Schöpfung ist und bleibt nun einmal bunt". 

"Heile heile, Gänsle – eine Melodie voller Zuversicht

Nach einem Segen für alle Liebenden und jene, die die Liebe suchen – schließlich fiel der Faschingssonntag auf den Valtentinstag – überraschte Pfarrvikar Uwe Schüller die Gemeinde mit seiner Corona-Version des Faschingsschlagers "Heile, heile Gänsle, es wird alles wieder gut". "Für alle Leute weit und breit ist heut' ein schlimmer Tag, landauf, landab, was bitter ist, ist Fasching abgesagt. Doch nimmt uns dieser Virus nie, die Zuversicht ihr Leut', trotz Pandemie verlieren wir nicht, den Frohsinn und die Freud." In guten Zeiten gemeinsam feiern, in schlechten Zeiten zusammenhalten, so der Pfarrvikar in der dritten Strophe, sei etwas, was die Pfarrei St. Michael ausmache. So wie eben jetzt in schwieriger Zeit, aber "es wird alles wieder gut".      

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