Schweinfurt

Gelungene Johannisfest-Premiere der Buchdrucker

Viele Besucher nutzten beim Johannisfest der Buchdrucker die Möglichkeit, sich selbst Bierdeckel zu drucken. Hier hilft WerkDruck-Leiter Werner Enke (rechts).
Foto: Hannes Helferich | Viele Besucher nutzten beim Johannisfest der Buchdrucker die Möglichkeit, sich selbst Bierdeckel zu drucken. Hier hilft WerkDruck-Leiter Werner Enke (rechts).

Bei der Premiere wird es nicht bleiben. Zu abwechslungsreich war das Programm beim Johannisfest der Buchdrucker und Schriftsetzer am Geburtstag ihres Ahnherrn Johannes Gutenberg vor und im WerkDruck der Disharmonie am Freitagabend.

Es gab vor allem auch ein großes Wiedersehen sehr vieler Handwerker der schwarzen Zunft, die in den Druckereien Weppert, Hitz, Tanneberger oder beim Schweinfurter Tagblatt gelernt haben, ihren Beruf aber wegen der Digitalisierung nicht mehr ausüben konnten und können. Einige brachten ihren Gautschbrief mit, der ihnen die erfolgreich absolvierte Lehrzeit bestätigt. Andere präsentierten wahre Buchdruck-Juwele.

Buchdrucker Charly Werner schenkte dem WerkDruck-Gründer Werner Enke sogar eine uralte Buchdruckerurkunde („so bald mein Diener den Beugel zuckt/so ist ein bogn papyrs gedruckt“). In der Werkstatt konnte man in einem Schriftmusterbuch blättern, erhielt Auskunft über die Funktionsweise eines Tiegels oder einer Lynotype-Setzmaschine.

Und das Beste: Im Laboratorium für Handsatz und Versuchsanstalt zur Bewahrung des Buchdrucks, wie die kleine, aber feine Druckwerkstatt in der Langfassung heißt, nutzten viele der am Ende rund 200 Besucher das Angebot und fertigten einen „zu Ehren des hochwohllöblichen Erfinders der Buchdruckkunst“ erlassenen Ablassbrief mit dem eigenen Namen oder druckten einen Bierdeckel. Neben Enke griffen dabei einige Drucker und Setzer unterstützend unter die Arme, vorneweg Altmeister Willy Denzer aus Gochsheim. Manch Anekdote aus der Branche ging dabei über den Setzkasten. Viele wissen jetzt, was es mit der Bleilaus auf sich hat.

Aber auch das Rahmenprogramm hatte es in sich und sehr viel mit der Druckkunst zu tun. Erstmals trat der Chor der Disharmoniker öffentlich auf und zu hören war neben einem Geburtstagslied für Gutenberg als Welturaufführung (Enke) das Druckerlied, eine Eigenkomposition des jungen Chorleiters Theodor Spannagel. Das Werk besteht aus dem Satz von Georg Christoph Lichtenberg, nach dem das Blei die Welt mehr verändert hat als das Gold.

Auch Enke hatte seinen erwarteten Kulturbeitrag und präsentierte ein selbst Branchenkennern unbekanntes Drucker-Gedicht. Allein die Strophe „Wie Gutenberg von Hand gesetzt,/macht man‘s im Grunde auch noch jetzt“ stimmt heute halt nicht mehr, wie Enke bedauernd feststellte. Roth fertigte seine Verse im Jahr 1959 als noch galt: „Ein jeder preist gar hoch das Werk/Des Johann Gensfleich Gutenberg“. Die Ausstellung mit Druckwerken aus WerkDruck im Veranstaltungssaal hatte regelmäßig Besuch. In einem Grußwort bezeichnete Disharmonie-Vorsitzender Gerhard Feigl WerkDruck neben den bekannten Standbeinen Kabarett, Folkmusik, Theater, Jazz und Ausstellungen eine weitere Facette der kulturellen Arbeit in der Disharmonie. Für viel Stimmung sorgten schließlich noch die „Trichter Gsichter“ aus Ebertshausen mit ihrem bekannt deftigen Liedgut. Dass hier Meister der Druckbranche mitspielen, sollte klar sein.

Der frühere Druckereibesitzer und Altmeister Willy Denzer aus Gochsheim zeigt wie es geht.
Foto: Hannes Helferich | Der frühere Druckereibesitzer und Altmeister Willy Denzer aus Gochsheim zeigt wie es geht.
Jeder Besucher konnte beim Johannisfest im WerkDruck in einen Ablassbrief selbst seinen Namen (ein)setzen und selbst drucken.
Foto: Hannes Helferich | Jeder Besucher konnte beim Johannisfest im WerkDruck in einen Ablassbrief selbst seinen Namen (ein)setzen und selbst drucken.
Beim ersten Johannisfest im WerkDruck hatte auch der Chor der Disharmonie seine Premiere.
Foto: Hannes Helferich | Beim ersten Johannisfest im WerkDruck hatte auch der Chor der Disharmonie seine Premiere.
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