SCHWEINFURT

Geschossdecken sind stark genug

(hh) Die Generalsanierung der 100 Jahre alten Friedenschule ist im zweiten Bauabschnitt angekommen. Der Ostflügel soll bis zu den Herbstferien im Oktober beziehbar sein. Dass das klappen wird, ist einem in Schweinfurt bisher einmaligen Tragsicherheitstest der Geschossdecken zu verdanken.
Die erfreulichen Messergebnisse der Belastungstests begutachten und besprechen (von links) Günter Tempel (Hochbauamt), Baureferent Jochen Müller, Professor Klaus Steffens, Gerd Kapphahn und Dr. Lutz-Detlef Fiedler. Im Hintergrund ist ein Teil des Belastungsgerüsts zu sehen.
Foto: FOTOs Laszlo Ruppert | Die erfreulichen Messergebnisse der Belastungstests begutachten und besprechen (von links) Günter Tempel (Hochbauamt), Baureferent Jochen Müller, Professor Klaus Steffens, Gerd Kapphahn und Dr. Lutz-Detlef Fiedler.

Die Befürchtung, dass einige der Stahlbetonrippendecken den Belastungen nicht mehr standhalten und für teures Geld ersetzt oder verstärkt werden müssen, hat sich nicht bestätigt.

Ausgangspunkt waren die statischen Berechnungen der Landesgewerbeanstalt (LGA) und des Prüfingenieurs, die die gesetzlich vorgeschriebenen Tragfähigkeitswerte nicht erreichten. Deshalb sah sich das städtische Hochbauamt zu tiefergehenden Kontrollen der Decken in der Friedenschule veranlasst.

Hochbauamts-Mitarbeiter Günter Tempel stieß bei Recherchen auf die in einem Forschungsbündnis unter anderem der Hochschulen Bremen und Leipzig entwickelte Methode der experimentellen Tragsicherheitsbewertung. Durchgeführt haben sie jüngst die Ingenieurgesellschaften für experimentelle Mechanik (ifem, Markkleeberg) und PSI (Bremen), die aus dem Forschungsbündnis hervorgegangen sind. PSI-Geschäftsführer Klaus Steffens bestätigte den zunächst angenommenen schlechten Zustand der Decken mit den Tragfähigkeitsproblemen. Die an den Hochschulen entwickelte Methode der experimentellen Tragsicherheitsbewertung ist eine Weiterentwicklung der im Bauwesen schon seit langem durchgeführten Belastungsversuche.

Der Test läuft vom Prinzip her einfach ab: In einem Kellerraum sind zur späteren Verteilung der Last flächig Stahlträger verankert. In jedem der Stockwerke darüber ebenso. Diese Belastungsrahmen sind mit durch die Decken gebohrten Stangen verbunden, die mit Hydraulikpumpen die Simulation der maximal durchführbaren Belastungen ermöglichen.

Durch diese Konstruktion können in Kombination mit Online-Messtechnik und der entsprechenden Sensorik alle Belastungen auf die jeweilige Decke oberhalb des Gebrauchslast-Niveaus realisiert werden und das ohne Schädigung des Bauwerks. „Damit kann auch im Versuch ein der Berechnung vergleichbares Sicherheitsniveau gewährleistet werden“, sagte ifem-Geschäftsführer Gerd Kapphahn. Die Belastungsvorrichtung hat aber vor allem den großen Vorteil, dass man die Tragreserven der Decke, die der rechnerische Nachweis nicht liefert, ermitteln kann. Bei der Friedenschule waren solche Reserven nachweisbar.

Das heißt: Die Decken müssen nicht verstärkt werden, was der Stadt mindestens 500 000 Euro erspart. Die dreitägigen Belastungsversuche sind zwar nicht gerade billig, haben sich aber auf jeden Fall wegen der gewonnenen Sicherheit gelohnt, erklärte Baureferent Jochen Müller.

Der Test läuft so ab: In einem Kellerraum sind zur Verteilung der Last Stahlträger verankert. In jedem der darüber liegenden Stockwerke der Friedenschule (Foto) ebenso. Diese Belastungsrahmen sind mit durch die Decken gebohrten Stangen verbunden, die mit Hydraulikpumpen die Simulation der Belastungen ermöglichen.
| Der Test läuft so ab: In einem Kellerraum sind zur Verteilung der Last Stahlträger verankert. In jedem der darüber liegenden Stockwerke der Friedenschule (Foto) ebenso.
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