Schweinfurt

Gesprächsladen: Menschen brauchen in der Krise Rat und Hilfe

Andere Probleme verschwinden nicht, nur weil gerade Pandemie ist.  Das Angebot des Gesprächsladens war 2020 sehr gefragt.
Der Gesprächsladen ist im vergangenen Jahr direkt an den Marktplatz umgezogen.
Foto: Helmut Glauch | Der Gesprächsladen ist im vergangenen Jahr direkt an den Marktplatz umgezogen.

Gesprächsladen und Corona. Wie geht das zusammen in Zeiten, in denen man Abstand halten soll und viele Menschen doch Nähe und das Gespräch suchen? Lorenz Hummel, Leiter des Gesprächsladens am Marktplatz, hat die Erfahrung gemacht, dass die Menschen Ansprechpartner brauchen, dass deren Probleme nicht einfach verschwinden, nur weil gerade ein Virus die Welt in Atem hält.

"In der Krise war der Gesprächsladen Schweinfurt durchaus sehr gefragt als ein Ort, zu dem Menschen gehen, sich aussprechen  und sich beraten lassen konnten. So sind wir auch für viele ein Hoffnungsträger geworden", so Hummel. Trotz Lockdown im Frühjahr 2020, den Umzug an den Marktplatz und dann noch dem Wechsel des Leiters sei das Angebot stark nachgefragt worden. Im Frühherbst hatte Lorenz Hummel die Leitung des Gesprächsladens von Robert Bundschuh übernommen, der diesen nicht nur mit aus der Taufe gehoben, sondern auch mehr als 20 Jahre lang geleitet hat. "Mehr als 1200 Menschen fanden den Weg zum Gesprächsladen und über 800 suchten ein intensives Beratungsgespräch", ergänzt Lorenz Hummel. 60 Prozent davon sind übrigens Frauen, die Männer warten offensichtlich etwas länger, bis sie sich Hilfe suchen. 

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412 Personen, und damit knapp mehr als die Hälfte aller Rat- und Hilfesuchenden, besuchten den Gesprächsladen zum ersten Mal. Weit vorne bei allen Gesprächen rangierten allgemeine Lebensprobleme (Krankheit, Trauer, Alter, Überforderung mit neuer Lebenssituation oder einfach Erzählbedürfnis). Erziehungsprobleme, Generationenkonflikte, Probleme mit Verwandten oder Freunden sind weitere Schwerpunkte.

Oft Vermittler hin zu weiterführenden Hilfsangeboten

Oft sind die Menschen auch auf der Suche nach professioneller Hilfe und werden dann an psychosoziale Einrichtungen oder weiterführende Hilfsangebote, aber auch Selbsthilfegruppen weitergeleitet. Auch für schwere persönliche Krisen wie zum Beispiel Suizidgedanken, war der Gesprächsladen 44-mal erste Anlaufstelle. Bezogen auf alle Gespräche sind es vor allem die älteren Menschen, die Hilfe brauchen. Dreiviertel aller Ratsuchenden waren 50 Jahre und älter. 

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Nach wie vor hat der Gesprächsladen offen, die Gespräche finden unter strengen Hygienemaßnahmen statt, so Lorenz Hummel. Viele Gespräche werden inzwischen aber auch telefonisch geführt. Der Gesprächsbedarf und die Problemvielfalt sei groß, so Hummel.
"Nur Gruppenangebote können leider im Moment nicht stattfinden, aber das wird sich hoffentlich auch bald wieder ändern, denn vor allem die offene Trauergruppe jeden zweiten Montag im Monat ist ein wichtiges Angebot", bedauert Lorenz Hummel. Einzelgespräche und Trauerbegleitung seien dagegen kein Problem. "Die Menschen können sich vorher telefonisch anmelden oder auch einfach spontan zu uns kommen. Das ist ein besonderer  Service, den wir unseren Klienten bieten können", so Lorenz Hummel.  

Kontakt zum Gesprächsladen: Tel. 09721 207  955  Mail: info@gespraechsladen-schweinfurt.de  Homepage:  http://www.gespraechsladen-schweinfurt.de

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