Schweinfurt

Getrübte Aussicht in der Bellevue

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Im Vordergrund – auf drei mal drei Meter abgegrenzt – symbolisch eine im Bebauungsplan Askren Manor im Bereich der ehemaligen Offiziershäuser erlaubte Hütte zum Unterstellen. Nicht mal ansatzweise bekommt man dort alles unter, was nötig ist. Nicht nur deswegen wollen die Anwohner mit der Stadt einen Dialog und ihre bisher abgelehnten Wünsche bezüglich des Bebauungsplanes noch einmal artikulieren.
Foto: Oliver Schikora | Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Im Vordergrund – auf drei mal drei Meter abgegrenzt – symbolisch eine im Bebauungsplan Askren Manor im Bereich der ehemaligen Offiziershäuser erlaubte Hütte zum ...

Hämmern, Bohren, Sägen, überall wuseln Handwerker durch die Häuser in der ehemaligen Jackson Street im neuen Baugebiet Bellevue, früher bekannt als amerikanische Wohnsiedlung Askren Manor. Vorne am Tor zum Kennedy-Ring werden die großen Wohnblocks abgerissen, bald neue gebaut, im Süd-Westen Richtung Schulen träumen 26 junge Familien vom Eigenheim in idyllischer Lage. Doch eines trübt die Vorfreude: die städtischen Festsetzungen im Bebauungsplan Askren Manor.

Im Bauausschuss wurden jüngst die Einwände der Anwohner unter anderem bezüglich der Carports und des Baumbestandes einstimmig abgelehnt, der Bebauungsplan Nummer W 19 auf den Weg gebracht. Am späten Dienstagnachmittag beschäftigte sich auch der Stadtrat damit. Doch bei den Anwohnern herrscht Unverständnis über die Haltung der Stadt bezüglich ihrer Einwände. Deswegen baten sie zum Pressetermin und wurden dabei kreativ. Auf dem Boden vor der Einfahrt eines Grundstückes hatten sie mit U-Profilen drei mal drei Meter abgesteckt – die erlaubte Größe einer kleinen Gartenhütte, in denen man Sachen unterstellen könnte. Vollgestellt war es mit Mountainbikes, Besen, einem Lasten-Rad, Schubkarren und einer Biertischgarnitur. Ganz normale Dinge halt, die jeder andere Hausbesitzer auch hat. Doch man konnte sich gut vorstellen, was alles fehlt: die Kinderräder, das Kettcar, das Bobby-Car, Winterreifen, Rasenmäher und und und.

Bitte um Dialog

„Wir wollen nicht auf den Putz hauen, sondern in Dialog mit der Stadt treten“, betont Sven Schmelzing und erntet Kopfnicken bei den Nachbarn. Sie alle haben bei den durchdacht formulierten Einwänden zu den Themen Carport und Baumbestand mit unterschrieben. Gleichwohl ist bisher niemand aus der Stadtverwaltung zu den Bürgern gegangen und hat sich erkundigt, was ihnen auf dem Herzen liegt; genausowenig wie die Stadtratsfraktionen.

Ein Thema sind die durchaus optisch schicken, offen gestalteten Carports jeweils links und rechts einer Doppelhaushälfte. Doch aus Anwohnersicht sind sie unpraktisch, weil man kaum etwas sicher unterstellen kann. Sie forderten Garagen oder zumindest das Aufmauern der Carports. Aus Sicht von Stadtbaumeister Markus Sauer, der Bebauungsplan und Einwände im Ausschuss vorstellte, ist die Offizierssiedlung mit Doppelhaushälfte und Carports und dahinter liegender Parklandschaft mit altem Baumbestand „stadtbildprägend.“ Außerdem gewähre man die Möglichkeit, hinter dem Haus bis zu neun Quadratmeter große Nebenanlagen zum Unterstellen zu bauen. Eben jene drei mal drei Meter, wie sie die Anwohner mit U-Profilen ausgelegt hatten.

Verkauf durch P&P-Gruppe

Über den Begriff „stadtbildprägend“ wundert sich Bettina Tillemann. „Wie kann das sein in einem Gebiet, das keiner kannte?“ Schließlich war es die amerikanische Wohnsiedlung, in die nur Angehörige der US-Armee durften. Erst nach dem Abzug der US-Truppen aus den Schweinfurter Kasernen 2014 wurden die Areale frei. Die Häuser in der Jackson Street (jetzt Margarete-Geiger-Straße) hatten sich die jungen Familien beim Tag der offenen Tür angeschaut, sich beworben. Sie alle sind aus Schweinfurt oder der näheren Umgebung und suchten teilweise länger nach Baugrund fürs eigene Häuslein.

Gekauft haben sie vom Bauträger P&P aus Fürth, der die Vermarktung der 26 Offiziershäuser mit gut 600 Quadratmeter großem Grundstück übernahm. Die Arbeit von P&P – unter anderem gestaltet die Firma auch sechs Wohnblocks entlang dem Kennedy-Ring um – wird auch im Stadtrat kritisch gesehen und sorgte sogar für eine Art Untersuchungsausschuss, der sich die Verträge zwischen Stadt und Firma vornahm. Die politische Bewertung reichte von „enttäuschtem Vertrauen in die Verwaltung“ bei Linken-Fraktionschef Frank Firsching bis zur Rückendeckung für das Verwaltungs-Handeln hinsichtlich der Zusammenarbeit mit P&P durch die CSU-Fraktion.

Ein eigenes Thema, doch die Kommunikation zwischen P&P und den Anliegern und der Stadt und den Anliegern über ein und dasselbe war laut Anwohnern teils diametral. Sven Schmelzing weiß, dass die nun kritisierten Festsetzungen im Bebauungsplan im Winter 2017, als man unterschrieb, drin standen. „Aber damals war es ein vorläufiger Bebauungsplan, es war nicht verbindlich und von P&P wurde kommuniziert, dass es noch geändert würde“, erinnert er sich.

Fernwärmeleitung und Baumbestand

Weitere Themen, die die Anwohner irritierten, sind die Fernwärmeleitungen und der alte Baumbestand. Die Leitungen wurden nicht in der Straße verlegt, sondern in 1,6 Meter Tiefe im hinter den Häusern liegenden Park. Vier Meter von jedem Haus entfernt gehen die Hausanschlüsse von den Hauptleitungen weg – doch die mittlerweile erlaubten Anbauten an die Häuser können bis zu sechs mal sieben Meter groß sein. Es ist aber untersagt, über die Fernwärmleitung zu bauen, deswegen können die Anbauten nur vier mal sieben Meter groß sein und müssen, um Raum zu haben, unterkellert werden – Mehrkosten im niedrigen fünfstelligen Bereich. „Wir sind glücklich hier“, betont Andreas Kölsch, „aber in manchen Dingen fragt man sich, ob das Konzept zu Ende gedacht wurde.“

Das zeigt sich auch beim Thema Bäume. Steffen Weisenseel zeigt zwei alte Bäume auf seinem Grundstück. Sie stehen nicht meterweit weg vom Carport, sondern direkt daneben. Bei einem reichen die Äste so hoch, dass sie übers Dach des Hauses gehen. Im Bebauungsplan hatte die Stadt genau festgelegt, welche alten Bäume gefällt werden dürfen und welche nicht, und auch schon zur Motorsäge greifen lassen. Warum aber solche wie bei Steffen Weisenseel nicht gefällt werden dürfen, erschließt sich nicht. „Wir sind um Gottes Willen keine militanten Baumgegner, das Flair hier ist toll“, sagt Weisenseel. „Aber man muss doch, wenn man so was wie bei mir sieht, einen Mittelweg finden können.“

Ein Beispiel von mehreren, bei denen in der ehemaligen Jackson-Street bei den früheren Offiziershäusern in Askren Manor alter Baumbestand direkt am Haus oder Carport steht. Die Anwohner sind grundsätzlich ganz und gar nicht gegen Bäume, möchten aber diese, die potenziell das Haus gefährden, fällen dürfen. Der Bebauungsplan untersagt das.
Foto: Oliver Schikora | Ein Beispiel von mehreren, bei denen in der ehemaligen Jackson-Street bei den früheren Offiziershäusern in Askren Manor alter Baumbestand direkt am Haus oder Carport steht.
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