Schweinfurt

GKS bei der Müllverbrennung an der Kapazitätsgrenze

Bei der anhaltenden Wärme bildet sich über dem Schornstein am GKS kein Kondenswasser und damit auch kein Dampf..
Foto: Gerd Landgraf | Bei der anhaltenden Wärme bildet sich über dem Schornstein am GKS kein Kondenswasser und damit auch kein Dampf..

Der Platz an den Bürowänden des Gemeinschaftskraftwerks wird knapp. Das GKS am Hafenbecken sammelt jede Menge Umweltzertifikate, die der Müllverbrennung wie auch dem Kohleteil und insbesondere der Wärmekraftkoppelung einen vorbildlichen Betrieb bescheinigen.

Der Umweltbetrieb

Als Flaggschiff unter den Audits und als das weltweit anspruchsvollstes System für nachhaltiges Umweltmanagement gilt das Europäische Umweltmanagement EMAS. Nach 2015 hat das GKS heuer zum zweiten Mal die begehrte Bescheinigung erhalten. Auch bei den jährlichen Zwischenberichten gab es 2016 und 2017 keinerlei Beanstandungen, teilten der Redaktion im Pressegespräch Geschäftsführer Ragnar Warnecke und Dominik Reinig (Müllentsorgung und Strommanagement) mit.

Neu war heuer im rahmen von EMAS die Prüfung der Energieeffizienz. Auch in diesem Bereich habe man die „höchste Würde“ erreicht, so Warnecke. Damit gehöre das GKS zu einem noch recht überschaubaren Kreis an, „denn noch sind nicht so richtig viele dabei“.

Freiwillige Überprüfungen

Erneut zertifiziert wurde der Müllteil (Inbetriebnahme 1994) als Entsorgungsfachbetrieb – von gleich zwei Gutachtern, darunter das Institut für Nachhaltigkeit in Münster. Dem GKS ist diese für größere Anlagen obligatorische Untersuchung nicht vorgeschrieben. Freiwillig war auch die Teilnahme an Quecksilbermessungen in der Abluft durch das Landesamt für Umweltschutz. Ermittelt wurde auch hier ein „extrem geringer Wert“, sagt Dominik Reinig.

In Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sieht sich das GKS als Vorreiter unter den deutschen Müllverbrennungen. Dazu passt das Engagement für vier Schulen aus der Region, denen man beim Erarbeiten eigener Nachhaltigkeitskonzepte unter die Arme griff.

Umweltengagement

„Wir leben auf keiner Insel“, sagt Warnecke. Zu den Aufgaben eines Umweltunternehmens gehöre es, zum Nachdenken über die Nachhaltigkeit anzuregen, was insbesondere in Schulen auf fruchtbaren Boden falle. Schulen gehören deshalb auch zu den Besuchern vor Ort. Rund 1000 Gäste besichtigen jedes Jahr den Müll- und den im Jahr 1990 in Betrieb genommenen Kohleteil.

2017 war der Müllteil einmal mehr voll ausgelastet. Verbrannt wurden 183 000 Tonnen Restmüll und 35 000 Tonnen Kohle aus Polen, Rußland und Kolumbien. Kohle kommt vor allem im Winter zu Einsatz, wenn für die Fernwärmeversorgung der Schweinfurter Großbetriebe und für die 'Fernwärmeleitungen der Stadtwerke die durch den Müllteil abgedeckte Grundversorgung nicht ausreicht. Für die Fernwärme lieferte das GKS im vergangenen Jahr 342 000 Megawattstunden. Bei der Einspeisung von Strom in das öffentliche Netz summierten sich 99 000 Megawattstunden.

Brand im Müllbunker

Gegen 8 Uhr war es am 4. April im Müllbunker zu einem Schwelbrand gekommen, den drei Trupps der Feuerwehr zwei Stunden später gelöscht haben. Zu weiteren Betriebsstörungen kam es im vergangenen Jahr und heuer nicht. In der Statistik ist ansonsten ein Autounfall auf dem Weg zur Arbeit und ein Verletzter bei der Revision vermerkt.

Stabil sind die Zahlen für die Anlieferung von Restmüll. Wie auch bundesweit ist ein sehr leichter Rückgang bei diesem zu verzeichnen, der durch das angewachsene Sperrmüllaufkommen mehr als ausgeglichen wird. Von den ebenfalls zunehmenden Mengen beim Gewerbemüll ist das GKS nicht betroffen. Dieser wird am Hafenbecken nicht angenommen.

Verunreinigter Bioabfall

Auf die Roste wandert allerdings öfters als früher durch Fehleinwürfe verunreinigter Bioabfall, der nicht für die Kompostierung taucht. Darin sind oft Plastikteile zu finden. Plastik gehört zwar nicht in die Müllverbrennung, „doch es wandert dann zumindest nicht in die Meere“, merkt dazu Ragnar Warnecke an.

Mehr Müll als 2017 kann das GKS nicht annehmen. Schon jetzt müssen Zwischenlager wie das auf dem Entsorgungszentrum Rothmühle im Landkreis Schweinfurt genutzt werden. Auch nehmen andere Müllverbrennungen kaum noch Mengen ab. Alle bayerischen Betriebe sind ausgelastet.

Erfolglos war bislang die Suche nach einer Alternative zur Kohle. Biokohle gibt es zwar auf dem Markt, doch noch ist kein Lieferant gefunden, der 5000 Tonnen für den Großtechnischen Versuch liefert.

Das Verwaltungsgebäude des Gemeinschaftskraftwerks.
Foto: Gerd Landgraf | Das Verwaltungsgebäude des Gemeinschaftskraftwerks.
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