Heidenfeld

Glyphosatverbot auf allen gemeindlichen Flächen in Röthlein

Gemeinderat Andreas Hetterich hatte den Antrag laut eigener Aussage wohl schon länger erwartet: ein Glyphosatverbot im Einflussbereich der Kommune. Antragsteller Detlev Reusch präzisierte vor Gemeinderat und Gästen seine Beweggründe: das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist umstritten, die WHO stuft das Pestizid als "wahrscheinlich krebserregend" ein, Umweltschutzverbände kritisieren die Gefährdung der biologischen Vielfalt in unserer Agrarlandschaft, wie Detlev Reusch die verschiedenen Stellungnahmen von Fachbehörden zusammenfasste.

Erst kürzlich wurde nach zähem Ringen ein Gesetzpaket zum Insektenschutz im Bundeskabinett beschlossen, das Landwirten ab 2024 die Verwendung von Glyphosat verbietet. Ein Beschluss mit Schlupflöchern, wie Reusch monierte und umso dringlicher für ein sofortiges Anwendungsverbot von glyphosathaltigen Mitteln auf allen von der Gemeinde neu verpachteten Liegenschaften und Pachtverlängerungen plädierte. Er sah sich als Gemeinderat in der Pflicht, "die Bevölkerung zu schützen" und warb dafür, mit einer solchen kommunalen Entscheidung ein Zeichen zu setzen.  

Diskussion im Gemeinderat

Die Diskussionen waren vorprogrammiert: Während Gemeinderätin Martina Braum den Antrag als "wegweisend" unterstützte, waren andere Ratsmitglieder unentschlossen: Armin Götz fragte nach Alternativen und sah das Thema eher im Umweltausschuss, der aber, so Reusch, wurde ja kurzfristig abgesagt. Bernd Wehner wollte wissen, ob und wieviel Glyphosat im gemeindlichen Einzugsbereich verwendet wird und wie ein Verbot zu kontrollieren wäre. Bürgermeister Peter Gehring schließlich versicherte sich, dass das Nutzungsverbot nur für Produkte gelte, die auf Gemeindegebiet angebaut werden.

Andreas Hetterich, beruflich in die Thematik eingebunden, wollte "einige Punkte klarstellen", über die der Rat diskutierte, da sich die wenigsten mit Ackerbau auskennen. Er plädierte für die Annahme des Antrags ab 2024, falls die Gesetzeslage sich doch noch einmal ändere. Wie er ausführte, würden die meisten Landwirte Glyphosat aktuell nur gezielt auf kleinen Flächen einsetzen. Als Alternative, wie auch Martina Schneider-Gleitsmann nachfragte, wird in der Bio-Landwirtschaft statt Unkrautvernichter "gestriegelt", der Ackerboden also mechanisch mit Gerätschaft bearbeitet und dabei, so Hetterich, sind wohl auch Kleintiere gefährdet.

Gemeinderat stimmt für Anwendungsverbot

Laut Hetterich gibt es unterschiedliche Studien über eine Gefährdung durch Glyphosat und es werde immer gefordert, aber nicht über die Konsequenzen diskutiert. Abschließend zog er einen Quervergleich zum Rauchen und brachte damit Ratskollegin Petra Jakob in Rage, die da keinen Zusammenhang fand und sich dazu über die abgesprochenen Kenntnisse im Ackerbau ärgerte, schließlich, so ihre Feststellung, "sei sie auch kein Mauer und entscheide trotzdem über Bauvorhaben".

Florian Kress sah im Antrag die "Zugehörigkeit der Landwirte" zur Gemeinde in Frage gestellt. Kritik, die der Antragsteller so nicht stehen lassen wollte. Er wies erneut darauf hin, dass es ihm um "Gesundheitsschutz" für alle ginge, er wehre sich dagegen, "Glyphosat  die Gefährlichkeit absprechen". Bürgermeister Peter Gehring betonte vor dem abschließenden Votum, dass das Ergebnis keinesfalls als "Verteufelung der Landwirte" zu interpretieren sei.

Anschließend entschied das Gremium mit zehn zu fünf Stimmen das Anwendungsverbot auf gemeindlichen Flächen, sowie – eine zweite Abstimmung mit zwölf zu drei Stimmen – ein sofortiges Anwendungsverbot von glyphosathaltigen Mitteln für alle gemeindlichen Institutionen und Betriebe, die im Auftrag der Gemeinde handeln. Bei laufenden Verträgen wird auf eine freiwillige Selbstverpflichtung gehofft, Ausnahmegenehmigungen für Nichtkulturflächen werden ab sofort nicht mehr beantragt.

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