Garstadt

Grünen-Abgeordneter Paul Knoblach: Ich sehe das als Ehre

Wie geht man mit der AfD um? Paul Knoblach, seit kurzem im Landtag, hat sich für einen Weg entschieden.
Paul Knoblach sitzt für die Grünen im Landtag.
Foto: Susanne Günther | Paul Knoblach sitzt für die Grünen im Landtag.

Paul Knoblach, Biobauer aus Garstadt, ist für die Grünen neu im Landtag. Sein Wahlergebnis war die Überraschung bei der Landtagswahl. Von Platz zwölf der unterfränkischen Liste rückte der 64-Jährige  auf den dritten Rang vor und zog ins Maximilianeum ein. Ein Gespräch über Heimat, Schülerproteste und die Landwirtschaft daheim.  

Wie geht's Ihnen? Gut eingelebt in München? 

Paul Knoblach: Ich bin einer von 205 Abgeordneten in Bayern. Ich sehe das als Ehre, in den Landtag gewählt worden zu sein. Im Maximilianeum kenne ich mich jetzt gut aus. Das war am Anfang gar nicht so einfach. Aber ich finde jetzt rein und raus (lacht).  Unsere Grünen-Fraktion ist von 17 auf 38 Mitglieder gewachsen. Wir mussten uns auch erstmal kennenlernen. Der Fraktionsflur ist ein bisschen Heimat geworden. Und wenn ich Lust auf Fränkisch habe, unterhalte ich mich gerne mit Fraktions-Pressesprecher Holger Laschka, der ja aus Schweinfurt kommt.

Paul Knoblach wird von den Grünen am Wahlabend gefeiert
Foto: Susanne Wiedemann | Paul Knoblach wird von den Grünen am Wahlabend gefeiert
Wie leben Sie in München?  

Ich habe ein kleines Einzimmer-Apartment in München, ums Eck vom  Maximilianeum. Von Dienstag bis Donnerstag bin ich in München während der Sitzungswochen. Und dann freue ich mich auch, zu Hause in meinem Bett zu sein.

Und wie läuft's daheim in der Landwirtschaft in Garstadt? Sie haben ja damals auf dem Traktor gesessen, als sie erfahren haben, dass sie im Landtag sind. Haben Sie noch Zeit für den Betrieb?  

Knoblach: Die Landwirtschaft muss weitergehen. Der Betrieb liegt mir sehr am Herzen. Auf den Traktor steige ich klar noch. Wenn das Wetter passt, bringe ich  demnächst das Saatgut aus. So wie es aussieht, wollen unsere Söhne den Betrieb weiterführen. Der Hof wäre dann in der 13. Generation. Und natürlich packt meine Frau Christine mit an. 

Ist es schwer, sich in neue Themen einzuarbeiten? Zu überlegen, was man aufgreift, wo man hingeht? 

Knoblach: Was lasse ich weg, was mache ich? Ziehe ich mir zu viele Schuhe an? Keine einfache Frage. Man muss  das rechte Maß finden. Man kann aber alles an mich rantragen, auch Probleme außerhalb des Wahlkreises. Zum Beispiel beschäftige ich mich mit einer geplanten  Bullenmast in Kleinostheim. Wer ist involviert? Wie sieht der Genehmigungsprozess aus? Was gibt es für Vorschriften? Ich kann hier auf die Infrastruktur der Fraktion zurückgreifen, wir haben  erfahrene Mitarbeiter. Das ist ein enormes Pfund, mit dem wir wuchern können. 

Die Landwirtschaft ist wichtig für Paul Knoblach. 2017 nahm Anton Hofreiter, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, in seinem Traktor Platz. 
Foto: Uwe Eichler | Die Landwirtschaft ist wichtig für Paul Knoblach. 2017 nahm Anton Hofreiter, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, in seinem Traktor Platz. 
Man lernt also nie aus...

Knoblach: Ja, man wird mit Themen und Fragen konfrontiert, bei denen man dazulernen, sich Wissen aneignen kann. Das ist sehr,  sehr  reizvoll. Mit dem Mandat kann ich außerdem auch Türen öffnen. Es ist schön, dass man mit Fragen und Anregungen ernst genommen wird.  

Als ein Großteil der AfD -Abgeordneten bei der Rede von Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, den Plenarsaal im Rahmen einer Gedenkfeier verließ, fragt man sich:  Wie geht man als Demokrat, der sich gegen rechts stellen will, mit den Vertretern dieser  Partei um? 

Knoblach: Das Plenum war voll. Nachdem die Mehrheit der AfD-Fraktion unter Geschrei und Gejohle  den Saal verlassen hatte, applaudierten wir alle Charlotte Knobloch. Das war ein starker Moment für mich. Das war ein sehr erwachsenes Verhalten, das hat mich sehr beeindruckt.  

Und wie gehen Sie mit den Abgeordneten der AfD um? 

Knoblach: Ernste Miene und Händedruck, dabei will ich es belassen. Einen kumpelhaften Ton kann ich mir nicht vorstellen. Die AfD will ein anderes Bayern, ein anderes Deutschland, ein anderes Europa.  Mit solchen Leuten will ich nicht mehr als Höflichkeiten austauschen. Ich glaube auch nicht, dass ich sie mit meinen Argumenten oder Fakten überzeugen könnte. Sicher könnte man mit den Leuten reden, aber ich spüre dazu kein Verlangen. 

Die erste Rede im Plenum steht noch aus, oder? 

Knoblach: Ja, da steht noch kein Termin fest. Es kommt sicher auch auf das passende Thema an. Aber daheim in Garstadt werde ich das schon öfter gefragt (lacht). 

Sie sitzen im Kreistag. Wie geht das mit dem Landtagsmandat zusammen? 

Knoblach: Während der Sitzungswochen schaffe ich es nicht immer, bei der Sitzung im Landratsamt dabei zu sein. Das bedaure ich immer. Walter Rachle vertritt mich und informiert mich über die Sitzung. Im Rückblick  finde ich es ganz gut, dass ich das grüne Rädchen im Kreistag war. Es hat mir auch  nichts ausgemacht, ein bisschen Pulverdampf vor mir zu haben.  

Wollen Sie wieder kandidieren für den Kreistag? 

Knoblach: Ja. Ich hoffe, ich werde erfolgreich sein.  

Auch in Schweinfurt haben Schüler protestiert, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Was halten Sie davon?   

Knoblach: Ich finde das toll. Die Schüler stehen da, weil wir nichts zustande bringen. Es ist armselig, was wir da abliefern oder nicht abliefern. Die Demonstrationen zeigen, dass wir versagt haben. Da helfen alle Aufzählungen von Politikern nicht, was alles gemacht wurde.     

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