Gerolzhofen

Gutachter: Die Abwasserkanäle funktionieren

Ein Ingenieur-Büro hat die Leistungsfähigkeit des städtischen Kanalnetzes unter die Lupe genommen. Hier gibt es nur einen geringen Verbesserungsbedarf.
Von außen sieht es unscheinbar aus: Unter diesem Metalldeckel neben der Viehwaage am Ende der Entengasse verbirgt sich eines der großen Regenrückhaltebecken der Stadt Gerolzhofen.
Foto: Klaus Vogt | Von außen sieht es unscheinbar aus: Unter diesem Metalldeckel neben der Viehwaage am Ende der Entengasse verbirgt sich eines der großen Regenrückhaltebecken der Stadt Gerolzhofen.

Die wasserrechtliche Genehmigung zum Einleiten von überschüssigen Schmutz- und Regenwasser aus den Regenüberlaufbecken der Stadt in den Vorfluter läuft zum 31. Dezember 2021 aus. Bei der bereits im Jahr 2019 beantragten Verlängerung dieser Genehmigung machte das Landratsamt Schweinfurt die Auflage, dass zuvor erst noch die Leistungsfähigkeit des städtischen Kanalnetzes gutachterlich überprüft werden muss. Jetzt liegt das Ergebnis der Untersuchung vor, die vom Ingenieurbüro Arz (Würzburg) durchgeführt wurde. Das Ergebnis, in einem Satz zusammengefasst: Der Kanal funktioniert und die Kosten für etwaige Nachbesserungen sind überschaubar.

Keine bauliche Untersuchung

Allerdings drehte sich die Untersuchung nur um die Frage, ob der Kanal hydraulisch in der Lage ist, von seinem Volumen her das anfallende Wasser aufzunehmen. Nicht untersucht wurde der bauliche Zustand der Rohre, also ob es Einbrüche oder undichte Stellen gibt. Dies erfolgt erst später in einer gesonderten Aktion mit einer Kamera-Befahrung. Doch schon heute fürchtet man, dass es in vielen Kanalsträngen nicht gut aussieht und dass deshalb ein erheblicher Sanierungsbedarf in Millionenhöhe auf die Stadt zukommen wird. 

Das Würzburger Büro hat eine so genannte hydrodynamischen Überrechnung des insgesamt 42 Kilometer langen Kanalnetzes in Gerolzhofen und Rügshofen durchgeführt. Dazu hat der Computer einen "Modellregen" über die Stadt niedergehen lassen. Die Experten stellten fest, dass zahlreiche Kanäle - die Fachleute sprechen von Haltungen - relativ geringe Weiten haben. Über 17 Kilometer Kanäle haben nur einen Innen-Durchmesser von 30 Zentimetern (DN 300). Dies reiche aber zumeist aus. "Rund 90 Prozent des Kanalnetzes ist ausreichend dimensioniert", sagt Daniel Dappert vom Büro Arz. 

Einige Stau-Bereiche

Allerdings gibt es Bereiche, wo das Wasser bei starken Niederschlägen wegen dann zu geringer Durchflussweite sich in den Schächten nach oben staut. Dies ist beispielweise in der westlichen Berliner Straße zwischen Wohnstift und Hochhaus der Fall, aber auch in der Nikolaus-Fey-Straße, in der Wiebelsberger Straße, in der Bleichstraße, in Teilen der Nördlichen Allee und in der Dr.-Georg-Schäfer-Straße. Auch wenn das Kanalnetz im Vergleich zu anderen Kommunen durch wenig Gefälle recht flach sei, so Dappert, leiste es einen zuverlässigen Schmutzfrachtaustrag.

Gleichwohl gibt es am Kanalnetz notwendige Verbesserungen, die in Angriff genommen werden müssten - insbesondere an den "Rückhaltesystemen". Damit sind die unterirdischen Überlaufbecken gemeint, die sich immer dann mit Wasser füllen, wenn die Kanäle zu überlasten drohen. Dazu gibt es bei dem Kanal, der durch den unterirdische Pufferspeicher verläuft, eine seitliche Öffnung, die dann quasi anspringt und aktiv wird, wenn das Wasser im Kanal eine bestimmte Höhe erreicht hat. Der  Kanal läuft über und ergießt sich teilweise in das Auffangbecken.

Schmutzwasser-Welle vermeiden

Diese großen Speicher sollen im Grundsatz dafür sorgen, dass es weiter unten am Kanal zu keinen Überlastungen und Überschwemmungen kommt und dass bei der Kläranlage keine riesige Schmutzwasser-Welle ankommt, die dort kurzfristig nicht zu verarbeiten wäre. Wenn sich der Wasserstand im Kanal wieder normalisiert hat, springen Pumpen in den Überlaufbecken an, die das Schmutzwasser dann dosiert zurück in den Kanal und somit zur Kläranlage befördern.  

Aber: Die Aufnahmekapazität dieser Auffangbecken unter der Erde ist natürlich auch begrenzt. Sie haben deswegen einen Überlauf. Wenn sie nach längerem Regen randvoll gefüllt sind, wird das überschüssige Wasser direkt in den Vorfluter, also in den Volkachbach, abgegeben. Dann kommt es zu der ökologisch unbefriedigenden Situation, dass ungeklärtes Kloaken-Wasser samt mitschwimmender fester Stoffe einfach in die Natur geleitet wird. Und genau für diesen Fall braucht es die wasserrechtliche Genehmigung seitens des Landratsamts.

Schmutz im Bachbett

Dass der Überlauf der Regenüberlaufbecken anspringt, passiert rund 20-mal im Jahr, manchmal schon nach einem mäßigen Niederschlag von zehn, zwölf Litern. Dies hat zur Folge, dass sich der Bach kurzzeitig "verfärbt", wie es Stadtrat Burkhard Wächter schon mehrmals beobachtet hat. Und am Gebüsch entlang des Gewässers hängen dann Damenbinden und andere Toiletten- und Körperpflegeartikel, die von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs eingesammelt werden müssen. "Es gibt schönere Arbeiten", betont Bauhofleiter Michael Finster.

Das Regenüberlaufbecken unterhalb des Hochhauses entwässert, wenn es komplett gefüllt ist, direkt in den Volkachbach. Am Gitter und am Gebüsch bachabwärts bleiben dann Hygiene-Artikel hängen.
Foto: Klaus Vogt | Das Regenüberlaufbecken unterhalb des Hochhauses entwässert, wenn es komplett gefüllt ist, direkt in den Volkachbach. Am Gitter und am Gebüsch bachabwärts bleiben dann Hygiene-Artikel hängen.

Gegen das gelegentliche Überlaufen der Auffangbecken ist allerdings kein Kraut gewachsen, es sei denn, man würde die unterirdischen Behälter vergrößern, was aber zumeist am fehlenden Platz und an den hohen Kosten scheitert. Eine Lösung gegen die Verschmutzung des Bachs mit Feststoffen könnte sein, dass man an den Auslassrohren der Überlaufbecken Sieb-Gitter anbringt. Diese würden aber auch nicht alles zurückhalten und seien zudem recht teuer, sagt Daniel Dappert. Ein solches Gitter befindet sich bereits vor dem Auslassrohr des Regenüberlaufbeckens, das sich beim Garagenhof neben den Bahnschienen in der Nähe des Hochhauses befindet. Ein Blick auf das sehr versteckt gelegene Gitter zeigt, dass es doch einiges an Feststoffen zurückhält...

Verbesserungen geplant

Als Ergebnis der aktuellen Untersuchung empfiehlt das Büro Arz einige Verbesserungen bei der Abwasserentsorgung. Baustelle Nummer eins ist das Regenüberlaufbecken neben der Stadtwaage am Zugang zur Entengasse. Hier ist die automatische Steuerungstechnik ausgefallen und die Pumpen müssen dort zur Entleerung des Beckens nach einem Starkregen per Hand eingeschaltet werden. Rund 50 000 Euro wird es kosten, damit die Steuerungstechnik, aber auch die Pumpen erneuert werden. Zudem werden der Einbau einer Durchfluss-Messung und das direkte Aufschalten auf das Prozess-Leitsystem der Kläranlage empfohlen. Die Stadt hat diese Anregung bereits aufgegriffen und mit der Ausschreibung der Gewerke begonnen.

Bach fließt in den Kanal

Baustelle Nummer zwei ist das unterirdische Auffangbecken am Schießwasen, das recht versteckt bei der Holzbrücke über die Volkach in Richtung Saarstraße liegt. Der Überlauf dieses Beckens entwässert dort über ein großes Rohr in den Bach. Hier gibt es allerdings die ungute, um nicht zu sagen skurrile bauliche Situation, dass die Entwässerung praktisch "rückwärts" läuft: Der Wasserstand des Bachs ist meist so hoch, dass er das Überlaufbecken teilweise flutet und Bachwasser im Innern der unterirdischen Kammer sogar in den Kanal läuft, der zur Kläranlage führt.

Um dies zu verhindern, sollte dringend eine Rückschlagklappe am Rohrausgang angebracht werden, meinen die Experten von Arz Ingenieure. Zusammen mit dem nötigen Befestigen der Böschung am Bachbett und dem ebenfalls empfohlenen Aufschalten der Pumpen auf das Kläranlagen-Leitsystem wird von Kosten in Höhe von 36 000 Euro ausgegangen.

Baustelle Nummer drei ist die Etablierung einer modernen Höhenstandmessung in allen Rückhaltebecken samt zentraler Steuerung von der Kläranlage aus. Dies dürfte weitere 100 000 Euro kosten.

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