Schweinfurt

Häftling soll in der Schweinfurter JVA vergewaltigt worden sein

Ein Mann soll seinen Mithäftling nachts in der Toilette vergewaltigt haben. Das Opfer wäre ein wichtiger Zeuge, sitzt aber in seiner Heimat in Haft.
Ein Häftling soll einen Mithäftling vergewaltigt und auch Zigaretten auf dem Körper seines Opfer ausgedrückt haben.
Foto: Wavebreak Media | Ein Häftling soll einen Mithäftling vergewaltigt und auch Zigaretten auf dem Körper seines Opfer ausgedrückt haben.

Gewalt, Demütigungen, sexuelle Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung. Einem 28-Jährigen werden alle diese Straftaten vorgeworfen, wofür er sich seit Montag vor der 1. Großen Strafkammer am Landgericht Schweinfurt zu verantworten hat.

Der junge Mann befand sich seit 8. August 2019 in Untersuchungshaft, wegen eines Haftbefehls des Amtsgerichts Memmingen. Auf dem "Schubweg" , also im Zuge seiner Überstellung nach Memmingen, machte er vom 9. bis 13. August 2019 sozusagen Zwischenstation in der JVA Schweinfurt in der Hadergasse. In einer Gemeinschaftszelle war er für diese Tage mit drei weiteren Häftlingen untergebracht.

Mit glimmenden Zigaretten traktiert

Einen der jungen Männer hatte sich der Angeklagte offensichtlich als Opfer ausgesucht. Er habe ihn zunächst wiederholt drangsaliert und ihm vorgeworfen, ein Pädaophiler zu sein, was der nicht widerlegen konnte, weil er seine Haftunterlagen nicht zeigte. Den verbalen Attacken folgten laut Anklageschrift Gewalttaten. Wiederholt soll der Angeklagte sein Opfer mit glimmenden Zigaretten traktiert haben.

Besonders obszön und widerwärtig soll die Gewaltspirale in der Nacht auf den 12. August 2019 in der JVA Schweinfurt eskaliert sein. Auf der Toilette der Gemeinschaftszelle soll der Angeklagte irgendwann nach Mitternacht den jungen Mann bedroht und attackiert haben. Seiner körperlichen Unterlegenheit bewusst, habe der Angegriffene voller Angst regungslos verharrt und alles weitere über sich ergehen lassen. Und das war der Anklage zufolge richtig schlimm, hat viel mit Demütigung und sexueller Erniedrigung zu tun. Die beiden anderen Mithäftlinge schliefen zu der Zeit, bekamen nicht mit, was sich da in ihrer unmittelbaren Nähe auf der etwa einen Quadratmeter großen Toilette ereignete. Angeklagt ist der mutmaßliche Täter wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung.

Tatverdächtiger selbst schweigt zur Tat

Der Tatverdächtige selbst machte vor Gericht keine Angaben zur Tat. Justizvollzugsbeamte im Zeugenstand und der ausführende Arzt schilderten die Vorgänge rund um die später erfolgte ärztliche Untersuchung. Einer Krankenschwester, die die Muttersprache des nicht deutsch sprechenden Opfers spricht, hatte sich der Mann anvertraut. Er könnte als geladener Zeuge Licht in das Dunkel bringen, ist aber noch nicht für das Gericht greifbar. Bereits vor Monaten hatte sein Heimatland seine Auslieferung beantragt. Dort verbüßt er nun eine Haftstrafe.  Es bleibt abzuwarten, ob das Opfer als wichtiger Zeuge für das Verfahren zur Verfügung stehen wird.

Die Erkenntnisse aus der unmittelbar nach der Tat erfolgten amtsärztlichen Untersuchung lauten so: Die Brandwunden könnten durchaus älter gewesen sein, als vom Opfer angegeben oder durch Schläge oder Stöße herbeigeführt worden sein. Die Kratzer am Hals könnten auch beim Rasieren passiert sein. Die Zeugenaussage des Opfers wäre also von erheblicher Relevanz. Der Prozess wird fortgeführt. Er ist mit vier Verhandlungstagen angesetzt.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version waren einige angeklagte Tathandlungen detailliert beschrieben worden. Das haben wir geändert, da die Kenntnis dieser Einzelheiten zum Verständnis der Vorgänge vor Gericht nicht notwendig ist. Wir bitten, die unnötige Darstellung der Einzelheiten zu entschuldigen.

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