Schweinfurt

Hausmusikabend im Theater: Highway to Well

Multitalente: Die Geschwister Well auf der Bühne der Kammerspiele. Im Theater Schweinfurt war die Mutter (links) nicht dabei. Sie war nämlich auf einer Ü-90-Party.
Foto: Andrea Huber | Multitalente: Die Geschwister Well auf der Bühne der Kammerspiele. Im Theater Schweinfurt war die Mutter (links) nicht dabei. Sie war nämlich auf einer Ü-90-Party.

Es wird nicht ganz klar, ob die Sache mit dem Schürhaken jetzt endgültig geklärt ist. Der Vorfall, eine jener Legenden, wie jede Familie sie kennt, kommt offenbar unweigerlich aufs Tapet, wenn die Well-Geschwister beisammen sind. Zumindest die musizierenden Well-Geschwister, also sechs aus 15 – Bärbi, Karli, Burgi, Michael, Moni und Christoph. Die Buben waren viele Jahre als „Biermösl Blosn“ beziehungsweise „Guglhupfa“ Gesicht und Gewissen des anderen, des linken, frechen, nicht bigotten Bayern, die Mädels sind noch als Wellküren in ähnlicher Mission unterwegs.

Beim Hausmusikabend „Fein sein, beinander bleibn“, den Franz Wittenbrink 2012 für die Münchner Kammerspiele inszeniert hat, treten die sechs erstmals gemeinsam auf. Am Sonntag und Montag taten sie das zum Abschluss der Spielzeit im zweimal annähernd ausverkauften Theater der Stadt Schweinfurt.

Es ist tatsächlich ein Hausmusikabend: Die immer wieder verblüffende Musikalität der Geschwister Well, ihre selbstverständliche Meisterschaft auf allerhand Blas-, Zupf-, Streich- und Schlaginstrumenten wäre allein schon ein Programm wert. Souverän lassen sie ihre Stücke zwischen Klassik, authentischer Volksmusik, volkstümlicher Musik, Jazz und Rock changieren, da fängt bei „Highway to Hell“ (oder „to Well“, wie auf Karlis T-Shirt steht) dann schon mal das Hackbrett an zu rauchen.

Hinzu kommt der ansteckende Spaß an der Blödelei, der rotzfreche, gerne auch anzügliche Witz, mit dem sie die Eitelkeiten, Ungereimtheiten und Verblendungen der sogenannten modernen Zeiten im Allgemeinen und der christlich-bürgerlichen – oder auch linken – saturierten Meinungsführer im Besonderen aufs Korn nehmen. So üben die Wells derzeit für den Auftritt zur Hochzeit zweier absoluter A-Promis: Oskar Lafontaine heiratet eine Sahra Wagenrad – oder Wagenheber? – in Kloster Ettal. Die Messe hält – na klar– Kardinal Reinhard Marx.

Vor allem aber nehmen sie sich selbst auf den Arm – die Eigenheiten, die eben niemand besser kennt als die Geschwister. Stofferls ewigen Hang zur ausufernden Kadenz (den der Zuhörer allerdings nicht missen möchte, schließlich war Christoph Well auch mal Solotrompeter der Münchner Philharmoniker). Monis offenbar bereits als Nesthäkchen entwickelte Herrschsucht. Karlis hauptsächliche Fokussierung aufs Finanzielle. Michaels Harmoniebedürfnis. Anlass genug jedenfalls für immer neue Kabbeleien, die sich erst in eine Richtung nach außen bündeln, als auch noch Monis sächselnder Ex (Jochen Noch) hereinschneit.

Ansonsten bleiben Seehofer und die geschlossen zum Arschkriechen angetretene CSU verlässliche Pointengeber, die Schweiz taucht als „Schurkenstaat fernab Europas“ auf, und das Röhrchen, in das einst der betrunkene Otto Wiesheu blies, kommt ins Haus der Bayerischen Geschichte.

Und dann sind da plötzlich die Momente unmittelbarer Ruhe – der Andachtsjodler oder das Madrigal als letzte Zugabe. Wunderbare Musik von wunderbaren Musikern. Ach ja, und die Sache mit dem Schürhaken ist vielleicht doch nicht so wichtig. Mathias Wiedemann

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