Gochsheim

Helga Fleischer: Ruhestand mit Verspätung

Nach fast 30 Jahren in Gemeinderat und Bürgermeisteramt beginnt für Helga Fleischer nun der Ruhestand.
Selbst in den letzten Tagen ihrer Amtszeit war der Schreibtisch der scheidenden Bürgermeisterin Helga Fleischer nicht leer. Ihr Credo „Erst die Gemeinde, dann der Amtsinhaber“ verfolgte sie bis zum letzten Tag mit Akribie. Da durfte ein Farbtupfer nicht fehlen. Neben den Akten stand immer etwas Blühendes neben Tastatur und PC.
Foto: Herbert Markert | Selbst in den letzten Tagen ihrer Amtszeit war der Schreibtisch der scheidenden Bürgermeisterin Helga Fleischer nicht leer.

Erste Bürgermeisterin Helga Fleischer rückte am 2. April 1991 für Walter Bernhardt auf der SPD-Liste in den Gemeinderat nach. Als sie die Amtskette an ihren Nachfolger Manuel Kneuer übergab, blickte sie auf "29-jährige und einen Monat" Arbeit im Gemeinderat zurück. 23 Jahre war sie Gemeinderätin, davon von 2008 bis 2014 hinter Wolfgang Widmaier Zweite Bürgermeisterin, bevor sie 2014 zur Bürgermeisterin gewählt wurde.

Mit ihrem Nachfolger verbringt sie in diesen Tagen viel Zeit in ihrem Büro. Unter Wahrung der durch das Coronavirus vorgegebenen Distanz gehen sie Akte um Akte durch. "Ich wurde vor sechs Jahren durch den Tod von Wolfgang Widmaier ins kalte Wasser geworfen. Eine Übergabe konnte nicht stattfinden", erinnert sie sich. Den "Kaltstart" habe sie nur aufgrund ihrer Erfahrung als langjährige Gemeinderätin und Zweite Bürgermeisterin bewältigen können. Auch ihre Kenntnisse und Erfahrungen in ihrem Hauptberuf als Amtsinspektorin im Finanzamt hätten ihr geholfen.

"Es liegt mir sehr am Herzen, dass Manuel Kneuer gut vorbereitet sein Amt angehen kann", betont sie. Fleischer kann auf eine lange Liste von Projekten zurück schauen, die während ihrer Amtszeit verwirklicht oder über mehrere Legislaturperioden hinweg fertiggestellt werden konnten. "Das Miteinander war mir wichtig", sagt sie. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die für sie wichtigsten Fortschritte dem Sozialbereich zuzuordnen sind. So kann sie darauf verweisen, dass rund 140 Geflüchtete in Gochsheim gut aufgenommen und betreut wurden und werden.

Die katholische Kita wurde erweitert und die Sozialstation St. Matthias neu errichtet. Die AWO-Kita wurde gar neu gebaut und die bisherige Kita als Hort weiterbenutzt. Auch im Wohnungsbau hat sich unter der Ägide von Bürgermeisterin Helga Fleischer viel getan. Die Fabrikbrache in bester Altortrandlage in der Frühlingstraße wurde abgerissen und mit Wohnungen und Reihenhäusern bebaut. "Ein großes Wunschprojekt der Gemeinde seit vielen Jahren", kann Fleischer damit auf der Habenseite des auslaufenden Gemeinderats verbuchen.

Und in der Uhlandstraße sind zwei von drei Gemeindehäusern mit insgesamt 18 veralteten und energetisch dringend sanierungsbedürftigen Sozialwohnungen dem Baggerzahn zum Opfer gefallen. Nun stehen auf dem Grundstück ein moderner Neubau und ein generalsanierter Altbau mit insgesamt 19 Sozialwohnungen. Natürlich musste sie auch wahrhaben, dass nicht jedes Vorhaben gelingen kann. Einen Lebensmittelmarkt wird es in absehbarer Zeit am Rande des Neubaugebiets "Südost II" nicht geben.

Plan mit kirchlichen Büchereien ging nicht auf

Fleischer trauert auch dem vergebenen Versuch nach, die beiden kirchlichen Büchereien in Gochsheim zu einer starken Einrichtung, getragen von den Kirchen und der Gemeinde zusammen, zu fassen. Letztendlich sei es an der fehlenden Räumlichkeit gescheitert. Optionen habe es gegeben in der Alten Schule oder in der Alten Schmiede. Allerdings habe sie der Gemeinderat nicht unterstützt. "Wir haben tolles Personal und die Pfarrer auf unserer Seite gehabt. Ich bin da wirklich ein wenig traurig", räumt sie offen ein.

Auch eine Einrichtung mit betreutem Wohnen in der Schweinfurter Straße, dass sie in ihrer Zeit als Zweite Bürgermeisterin verfolgt habe, sei nicht zu verwirklichen gewesen. Unter dem Strich habe aber die "schöne Zeit gegen den Ärger" überwogen. Wegen des Bürgermeisteramtes geht sie mit zweijähriger Verspätung in den Ruhestand. Ruhig wird es nicht werden. Sie unterstützt die Gochsheimer und Weyerer weiterhin mit vielen ehrenamtlichen Aktivitäten. Sobald es die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie zulassen, warten vier Enkelkinder auf sei. Endlich ausgiebig Urlaub machen stehe ebenfalls auf dem Programm.

Für Ehemann Karlheinz, der in den letzten Jahren oft auf seine Frau verzichten musste, wird es jetzt anders. Er bekennt offen: "Ich muss jetzt lern', wie des is', wenn se den ganzen Tag dähemm is!"

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