Schweinfurt

Herbert Wiener wirft den USA Kriegstreiberei vor

Der Bund für Geistesfreiheit ehrte bei der Jahresbeginnfeier langjährige Mitglieder und zeigte sich besorgt.
Zum Jahresbeginn hat der Bund für Geistesfreiheit langjährige Mitglieder geehrt. Für 60 Jahre wurde Oskar Weinsdörfer (Mitte) ausgezeichnet. Links: der Vorsitzende Herbert Wiener, rechts Rezitator Wolfgang Günter.
Foto: Karl-Heinz Körblein | Zum Jahresbeginn hat der Bund für Geistesfreiheit langjährige Mitglieder geehrt. Für 60 Jahre wurde Oskar Weinsdörfer (Mitte) ausgezeichnet. Links: der Vorsitzende Herbert Wiener, rechts Rezitator Wolfgang Günter.

Angesichts er aktuellen Ereignisse am Persischen Golf hat der Vorsitzende des Bundes für Geistesfreiheit, Herbert Wiener, einen sehr skeptischen Blick auf die nächsten Monate geworfen. Bei der Jahresbeginn- und Jubilarfeier in der Rathausdiele äußerte er die Befürchtung, dass die "Ermordung des iranischen Generals Soleimani" zu weiteren Flüchtlingen und Not führen werde.

US-Präsident Trump warf er Kriegstreiberei zur Sicherung der dortigen Öl- und Gasvorkommen und der davon profitierenden Märkte vor. Das Gleichgewicht der Kräfte, das dazu geführt habe, dass seine Generation das Glück gehabt habe, frei von Krieg aufzuwachsen, habe sich hin zum Kapital verlagert, "das wird unsere Jugend noch stark belasten." Darum seien Organisationen, wie der Bund für Geistesfreiheit, die nicht von Religionsfanatikern gesteuert werden, besonders wichtig.

Zur Jahresbeginnfeier des BfG, die von Lorenz Schmidt musikalisch begleitet wurde, gehören traditionell eine Rezitation und Lesung. In diesem Jahr widmete sich Wolfgang Günther Friedrich Rückert ("Es geht ins neue Jahr") und Erich Kästners "Die vier archimedischen Punkte", in denen dieser an die Verantwortung jedes Einzelnen appelliert. Mit den Punkten verbindet der Dichter die Forderung, dass jeder Mensch auf sein Gewissen hört, sich , zweitens, jeder Mensch Vorbilder sucht, einen Menschen, der im richtigen Moment, "das gesagt oder getan hat, wovor wir zögern". Drittens solle jeder sich an seine Kindheit erinnern, ohne langes Überlegen wissen, was echt und falsch, gut und böse ist, und viertens solle sich der Mensch Humor erwerben, der die wahre Größenordnung der Dinge lehre.

Für langjährige Mitgliedschaft geehrt wurden Inge Bünner (65 Jahre), Oskar Weinsdörfer (60) und Hildegard Buscher (50).

Nicht-Regierungs-Organisationen

Mit der "Bedeutung von Nicht-Regierungs-Organisationen in einer globalisierten Welt" beschäftigte sich der Sprecher der örtlichen Gruppe von amnesty international, Ulrich Philipp. Sie besteht seit 1972, hat 110 Mitglieder, von den acht bis zehn das aktive Rückgrat seien, die Kampagnen gegen Todesstrafe und Folter tragen und sich in Briefen für politisch Verfolgte  einsetzen und Kontakt zu ihnen halten.

Philipp ging in seinem Vortrag bis ins Jahr 1968 und die Diskussionen um die Notstandsgesetze zurück. Er erinnerte an die Aktivitäten der Friedensbewegung, an den Kampf gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf, die Ostermärsche für eine besser Welt ohne Krieg und Atom, an Human Rights Watch, Pro Asyl und die Cap Anamur.

Zu dieser Zeit seien die Lager noch klar verteilt gewesen "verliefen die Dinge noch in vorhersehbaren Bahnen". Die große Wende 1989/90 habe die absolute Dominanz des Kapitals und den Verfall von Werten und Sitten gebracht, sagte Philipp. Im Irakkrieg habe es Folter durch die USA gegeben, unter Trump würden wichtige Verträge aufgekündigt.  

Aufgabe der Nicht-Regierungs-Organisationen sei es, dem entgegenzuhalten, Druck in der Öffentlichkeit auf die Verantwortlichen aufzubauen. Was zunächst noch in Vereinsstrukturen geschah, habe sich stark verändert. Vieles geschehe heute über das Internet, Philipp nannte "Fridays for Futur", Recherche-Netzwerke von Journalisten", Whistleblower.

Dazu gebe es jedoch Gegenbewegungen. Organisationen würde in Russland oder der Türkei als Agenten verleumdet, in Deutschland würde einzelnen die Gemeinnützigkeit entzogen, Journalisten seien in Malta oder der Slowakei ermordet worden.

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