OBERSCHWAPPACH

In globalisierter Welt der Heimat verbunden

Volkstanz begeistert – von klein an: Die Mädchen der Kolitzheimer Tanzgruppe.
Foto: Alois Wohlfahrt | Volkstanz begeistert – von klein an: Die Mädchen der Kolitzheimer Tanzgruppe.

Trotz ihrer gerade einmal sieben Jahre ist Florine kein bisschen Aufregung anzumerken. Ihr nicht und auch ihren jungen Kolleginnen und Kollegen nicht. Das Dirndl wird zurechtgezupft, der Blütenkranz im Haar gerichtet. Noch ein paar gute Ratschläge von ihrer Betreuerin Christine Bender, und schon zeigen die Mädchen und Jungs der Tanzgruppe Kolitzheim ihr Können auf der Bühne.

Und dies vor großem Publikum. Mit dem tanzbegeisterten Nachwuchs startete die ARGE Fränkische Volksmusik in das Unterfränkische Volksmusikfest.

Einem, dem beim tänzerischen Nachwuchs das Herz aufgegangen sein dürfte, ist der Bergrheinfelder Josef Eusemann. Seit Jahrzehnten ist ihm Volkstanz ein Anliegen. „Vor 30 Jahren, da gab es eine schwierige Zeit“, sagt der begeisterte Tänzer, „aber jetzt sieht man, dass man die Jugend auch wieder begeistern kann“.

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Für das Tanzen, aber auch fürs Musizieren. Das machten denn auch die vielen Jugendlichen und Junggebliebenen in den über 30 Musik- und Tanzgruppen deutlich, die den Weinort Oberschwappach nach dem Gottesdienst zum Auftakt am Vormittag in einen Ort voller Musik verwandelten.

Und mehr als einmal, zeigten sich Musiker vom Konzept begeistert, für das denn auch der Vorstandsvorsitzende der Blaskapelle Oberschwappach, Tobias Kamm, und seine vielen Helferinnen und Helfer schon beim offiziellen Start ins Programm viel Lob bekamen. Sieben verschiedene Veranstaltungsorte boten die Oberschwappacher.

Zentraler Ort für alle Gruppen aus Unterfranken war heuer Oberschwappachs Schlosspark. „Oh, ist das schön hier“, kommentierten nicht wenige das idyllische Ambiente. Und das bei schönstem Wetter.

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Was zugleich aber auch die Kehrseite darstellte. Bei knapp 30 Grad Celsius blieben einige Tische vor Hauptbühne ohne Nutzer. Mit Tischen und Bänken wanderten andere schattensuchend unter die nahen großen Bäume.

Vielleicht war auch die Hitze ein Grund dafür, dass doch weniger Besucher nach Oberschwappach kamen, als man ursprünglich gedacht hatte, hieß es von Oberschwappachern.

Wenngleich der Eindruck leerer Bänke auch täuschte, denn immerhin verteilten sich die Besucher auf weitere Spielorte, so unter anderem den idyllischen kleinen Schlosshof und den Spiegelsaal. Einen kühlen Platz bot zudem die Kirche – bei einer Führung am Nachmittag.

Fränkische Musik, Tanz und Mundart zu pflegen, das hatte sich die „Arge“ vor rund drei Jahrzehnten zum Ziel gesetzt, berichtete der stellvertretende Vorsitzende Gerhard Hart.

Wie dieses Ziel in ganz unterschiedlichen Facetten ausgeprägt ist, konnten die Besucher im Halb-Stunden-Takt erleben. Gediegenes, Freches, Nachdenkliches – und erwartungsgemäß beinahe Berührendes – etwa wenn der ganz Schlosspark voller Menschen zusammen mit den Gädheimern zu Beginn das Frankenlied anstimmt.

Vielleicht brachte es am ehesten Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus in seinem Grußwort auf den Punkt: Fränkische Volksmusik zu machen, sei mehr als das Erlernen eines Instruments, es sei der Ausdrück dafür, dass man sich mit seiner Heimat verbunden fühlt. Er beobachte erfreut, dass sich die Menschen trotz oder gerade wegen der Globalisierung mit ihrer Heimat beschäftigen und sich dafür einsetzen.

„Volksmusik ist wichtig für unser Zusammenleben“ – genauso wie Brauchtum und Denkmalpflege, erklärte zuvor der Schirmherr, Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel. Die Mitwirkenden an diesem Volksmusikfest – am Tag der Franken – lobte Dotzel als Stützpfeiler der Kultur in den Kommunen.

„Zeitlos und mitreißend“

Dotzel weiter: Eine große deutsche Tageszeitung habe vor kurzem getitelt, Deutschland werde still, es werde nicht mehr musiziert und gesungen. „Bei uns im ländlichen Raum stimmt dies nicht“, so Dotzel.

„Hochwertig, zeitlos und mitreißend“ – diese Attribute stehen für die fränkische Kultur, erklärte Bürgermeister Stefan Paulus. Das Treffen in Oberschwappach sei ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass sich Menschen mit ihrer Heimat Franken identifizieren. In den Medien allerdings finde fränkische Volksmusik zu wenig Beachtung.

So sei auch der Bayerische Rundfunk in erster Linie eine bayerische Einrichtung, gab es einen Seitenhieb des Knetzgauer Bürgermeisters, der fränkische Stücke vermisst.


Im festlichen Zug voran: Die Kapelle Frankenland Gädheim.
| Im festlichen Zug voran: Die Kapelle Frankenland Gädheim.
Knapp 30 Grad und voll in Aktion: die Volkstanzgruppe Gerolzhofen.
| Knapp 30 Grad und voll in Aktion: die Volkstanzgruppe Gerolzhofen.
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