Schweinfurt

Initiative bringt Forschen auf den Stundenplan

Mit einem Wissenschaftler der Initiative Junge Forscherinnen und Forscher untersuchten Schüler der Schiller-Grundschule in Schweinfurt Klettern und Sandkörner unter dem Mikroskop.
Foto: Natalie Dees, IJF | Mit einem Wissenschaftler der Initiative Junge Forscherinnen und Forscher untersuchten Schüler der Schiller-Grundschule in Schweinfurt Klettern und Sandkörner unter dem Mikroskop.

Seit 2010 engagiert sich die Initiative Junge Forscherinnen und Forscher (IJF) für die Bildung von Kindern und Jugendlichen im Bereich von Naturwissenschaft und Technik. Bayernweit versucht der Würzburger Verein, mit Schulbesuchen und in Fortbildungen für Pädagogen Interesse für Zukunftstechnologien wie Leichtbau, Nanotechnologie oder Bionik zu wecken. Ein Team aus jungen Wissenschaftlern und angehenden Doktoranden ist wöchentlich an Schulen in allen Regierungsbezirken zu Gast – auch in Unterfranken. Der Diplom-Biologe Shawn Kennedy besuchte zum Beispiel jetzt die Schiller-Grundschule in Schweinfurt. Wie er erklärte, warum Forscher mehr brauchen als weiße Kittel und wie das Geheimnis der Kletten gelüftet wurde, berichtete die Sprecherin der IJF Würzburg in einer Mitteilung:

„Was ist das Kleinste, das du dir vorstellen kannst?“ fragt Shawn Kennedy in die Runde der Schüler. Sofort schnellen viele Finger empor. „Bakterien“, meldet sich Elisabeth. „Plankton“, wirft Michael ein. Kennedy nickt zustimmend. Der Biologe ist in den Klassen 3a und 3b der Schiller-Grundschule Schweinfurt zu Gast. Die Idee stammt von Brigitte Ertl, Lehrerin und Rektorin Grundschule.

Ihre Schüler untersuchten im Herbst beispielsweise Waldboden mittels Mikroskopen und das machte neugierig. Die Kinder wollten mehr wissen und da die Schule über keine eigenen Vergrößerungsgeräte verfügt, lud Ertl den Diplom-Biologen Shawn Kennedy von der IJF ein.

„Wie geht man vor, wenn man forschen möchte?“ will Kennedy als erstes von den Kindern wissen. „Ganz klar“, antwortet Ricky, „man zieht sich einen weißen Kittel an, setzt eine Brille auf und klemmt sich einen Stift hinters Ohr.“ Kennedy lacht. Ja, die Ausrüstung sei auch wichtig, noch mehr aber die Vorbereitung. Dann erklärt ihnen der Wissenschaftler, was ein Biologe ist: Einer, der sich intensiv mit der Natur, mit allem was lebt, Tieren und Pflanzen beschäftigt. „Aber, mit was noch?“ Leonard vermutet Zellen. Kennedy lobt ihn und erklärt, das alles aus Zellen bestehe: Pflanzen, Tiere und Menschen. „Nur sind Zellen so klein, dass ihr sie nicht sehen könnt.“ Und genau das ist es, worum es in diesem besonderen Heimat- und Sachunterricht (HSU) geht: „Was man mit den Augen nicht sehen kann“.

Bevor die Kinder selbst tätig werden dürfen, erfahren sie von dem Wissenschaftler, wie man beim Forschen vorgeht: Vermuten, Experimentieren, Aufschreiben. Danach dürfen die Schüler in Gruppen an drei verschiedenen Stationen experimentieren. „Bei uns ist immer wieder Forscherzeit im Unterricht“, sagt Brigitte Ertl. Der Lehrplan erfordere, dass Kinder Fragen stellen, handeln und umsetzen. Die Pädagogin arbeitet auch als Referentin im Grundschul- und Kitabereich für die IJF. Ihre Schüler sind mit Arbeitsblättern zum Forschen vertraut.

Fragen gibt es trotzdem viele. Warum haften Kletten? Dem gehen Melisa, Oskar und Ricky nach. Mit einer Becherlupe betrachten sie Kletten. In der Natur fällt diese Pflanze vor allem dadurch auf, dass sich ihre Samen beim Spaziergang durch Wald und Flur gerne in die Kleider hängen. Ricky vermutet, Kletten haben Saugnäpfe, deshalb haften sie an Pullovern. „Da sind Haken dran“, verbessert ihn Melisa. Sie beugt sich über ein Binokular-Mikroskop, durch das man die Klette groß betrachten kann. „Die Haken der Kletten sind sehr biegsam. Deshalb lassen sie sich immer wieder abziehen und neu anheften“, verrät Kennedy. Anschließend untersuchen die Schüler weitere Stoffe wie Salz, Puderzucker und Sand. Dabei entdecken sie erstaunt, dass Sandkörner 20-fach vergrößert aussehen wie große Steine.

Am Ende erfahren die Drittklässler, dass es für Forscher ganz verschiedene Mikroskope gibt und darüber hinaus auch Vergrößerungen per Computer möglich sind. „Kann man damit auch Atome sehen?“, will Dimitry wissen. Kennedy schüttelt den Kopf. „Woher weiß man dann, dass es sie gibt?“, hakt der Junge nach. „Es gibt Vergrößerungsgeräte, welche auch kleinste Teilchen sichtbar machen“, sagt Kennedy. Als schließlich die Schulglocke ertönt und die Forscherstunde beendet, umringen die Kinder Kennedy weiter – und vergessen dabei ganz ihre Pause.

„Man zieht einen weißen Kittel an und klemmt einen Stift hinters Ohr.“
Drittklässler Ricky über sein Bild von Forschern
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