OBERSCHWARZACH

Jüdische Brillanten fürs Publikum

Divenhaft: Sängerin Topsy Küppers und der Pianist Belá Fischer im ausverkauften Salon des Kästnerhofes bei der fünften und letzten Veranstaltung der Kästnerwoche.
Foto: Guido Chuleck | Divenhaft: Sängerin Topsy Küppers und der Pianist Belá Fischer im ausverkauften Salon des Kästnerhofes bei der fünften und letzten Veranstaltung der Kästnerwoche.

Es ist eine kleine Frau, die den Salon des Kästnerhofes in Oberschwarzach betritt, und sie lässt auch einem Mann den Vortritt. Der aber weiß genau, dass er nichts anderes zu tun hat als diese kleine Frau ganz groß werden zu lassen, indem er sie am Piano begleitet. Belá Fischer von der Volksoper Wien nimmt auch gleich an seinem Instrument Platz, und Sekunden darauf wächst aus der Aura, die Topsy Küppers, die deutsche Schauspielerin, Sängerin, Soubrette, Theaterleiterin und Buchautorin schon beim Betreten des Salons ausstrahlte, eine gar nicht mehr so kleine, sondern plötzlich eine ganz große Frau. Offen, warmherzig, freundlich, mit blitzenden Augen und einer Ausstrahlung, der sich für die nächsten zwei Stunden niemand mehr entziehen kann. Das will übrigens auch niemand.

Juden lesen von rechts nach links

Es sind jüdische Brillanten, die Topsy Küppers in der fünften und letzten Veranstaltung der diesjährigen Kästnerwoche großzügig an ihr Publikum im ausverkauften Salon verteilt. Diese Brillanten sind Lieder und Lazelochs, kurze Geschichten, spontan, treffend und wahr. Zum Beispiel: „Ein Jude kommt in Amerika an, um dort ein neues Leben zu beginnen. Er wird von einem anderen Juden empfangen: ,Hey, du bist jetzt in Amerika! Bist du happy?‘ ,Happy ja, aber nicht glücklich‘. Oder: „Bruno Kreisky, der 1990 verstorbene österreichische Bundeskanzler, trifft den ebenfalls verstorbenen israelischen Verteidigungsminister Moshe Dayan. Kreisky sagt: Ich bin in erster Linie Österreicher, dann Bundeskanzler, dann Jude. Dayan antwortet: Macht nichts, wir Juden lesen sowieso von rechts nach links.“ Eben spontan, treffend und wahr.

In ihren Liedern singt sie viel über Menschen, wie etwa den „bitter-süßen Erfahrungen eines gemeinsamen Emigranten-Hintergrund“. Schnell wippen die ersten Füße im Takt mit, und die Kinder und Jugendlichen des Kästnerhofes verziehen nicht etwa spöttisch die Mundwinkel angesichts der Lieder. Vielmehr sind auch sie eingefangen von der Ausstrahlung von Topsy Küppers. „Wenden wir uns ernsten Dingen zu, dem Militär“ kündigt die Sängerin nach einigen Liedern an. Dann singt sie von einer Familie, deren einziger Sohn ein General wird, „ein Skandal“. Der General macht ordentlich Krawall, damit alle sehen, wie wichtig er ist. Seine drei unverheirateten Schwestern müssen noch unter die Haube, aber alle schämen sich, weil sie in der Familie einen General haben, getreu dem Motto „aus dem wird nie etwas, der bleibt ewig General“.

Küppers singt natürlich auch über die Liebe und die Erinnerungen daran. Für das Vergangene gäbe es keine Käufer, es bleibe vergangen. Und: Was man besessen hatte, könne man nicht mehr verleihen, und man könne nichts verlangen, es höchstens privat rumerzählen. In einem vom Piano begleiteten, gelesenen Gedicht spricht sie über die „seltsamen Wege, die die Liebe geht“. Am Anfang stehe das Verlieben, und man verschenke sich an den Anderen, „aber komischerweise wird man dabei selbst nicht als ein Geschenk angesehen“.

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