Schweinfurt

Kassengebäude: Warum die Mehrheit gegen einen Abriss ist

Das Kassengebäude der Stadt Schweinfurt, rechts im Bild. Ein Teil der Verwaltung ist hier untergebracht. Was aus dem Gebäude, das ursprünglich abgerissen und neu errichtet werden sollte, wird, ist noch unklar.
Foto: Katja Beringer | Das Kassengebäude der Stadt Schweinfurt, rechts im Bild. Ein Teil der Verwaltung ist hier untergebracht. Was aus dem Gebäude, das ursprünglich abgerissen und neu errichtet werden sollte, wird, ist noch unklar.

Die Zukunft des Kassengebäudes, in dem ein Teil der Verwaltung untergebracht ist, schien klar. Vor Corona. Doch mit der Krise kamen die Sparpläne der Stadt, die Verwaltung stellte alles auf den Prüfstand – auch in Sachen Kassengebäude, das eigentlich abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden sollte. Jetzt steht wieder alles auf Null: sechs Varianten für die Zukunft des maroden Verwaltungstraktes stehen zur Auswahl: vom reinen Erhalt des Gebäudes über eine umfangreiche Sanierung mit neuem Raumzuschnitt im Inneren, einen Abbruch, bei dem nur das Kellergeschoss erhalten bleibt, bis hin zur ursprünglichen Variante – Abriss und Neubau. 500 000 Euro bis 10 Millionen Euro sind die Kostenspanne. Entschieden ist noch nichts.

Und genau das ist der Punkt, an dem die Argumentation der Mehrheit ansetzte, als es in den Haushaltsberatungen um den Antrag der SPD zum Kassengebäude ging: Man wolle keine Fakten schaffen, sich nichts verbauen. Oder besser gesagt nichts abreißen, was man dann doch lieber irgendwie sanieren will. Für SPD-Stadtrat Peter Hofmann dagegen ist die beste Lösung klar: das Kassengebäude komplett abreißen und eine freie Fläche planen – mit Sitzgelegenheiten, Bäumen und einem Brunnen mit Wasserfläche. Solche grünen Punkte, Entsiegelungen in der Stadt, seien wichtig mit Blick auf den Klimawandel, der die Innenstädte im Sommer immer heißer werden lasse. Entstehen könne so ein kleiner Park, der auch noch Chancen auf Fördergelder habe. Der Umzug der Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die dort untergebracht sind, auf das Ledward-Gelände ist schon für 2021 eingeplant. Jetzt in das Gebäude noch zu investieren, sei sinnlos. 

OB Sebastian Remelé sah dies anders. Grundlage für den Abriss sei ein Neubau gewesen. Die Pläne dafür müssten jetzt erst einmal in der Schublade liegen bleiben. Auch wenn das Gebäude von außen besser aussehe, als seine Substanz tatsächlich sei – mit einem Abriss schaffe man Tatsachen, die nicht mehr zu revidieren wären. Baureferent Ralf Brettin argumentierte in die gleiche Richtung. Für ihn wäre es ein städtebaulicher Fehler. Außerdem brauche man die Fläche, begrünen könne man an anderer Stelle. Was man ja auch tue, erinnerte Stefan Funk (CSU) und verwies auf die Pläne für den Schelmsrasen und den Spitalseeplatz, die im Zusammenhang mit der Landesgartenschau neu gestaltet werden sollen. Jetzt mit einem Abriss Fakten zu schaffen, "die uns später vielleicht nicht mehr gefallen würden", sah auch Frank Firsching (Die Linke) als Fehler. Das Projekt Kassengebäude zeige, dass der Haushalt der Stadt für 2021 einer sei, der viele Optionen offen lasse.

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Für OB Remelé die logische Konsequenz aus der Lage. Man müsse an manche Projekte Fragezeichen setzen, was Umfang oder die zeitliche Umsetzung betreffe; manches auch generell in Frage stellen. "Wir erleben eine Weltwirtschaftskrise, andererseits wissen wir, dass Krisen endlich sind und häufig, in Schweinfurt immer, zu einer Stärkung des Standorts führen können." Von der Großindustrie kämen  positive Signale, was die Auftragslage für 2021 betreffe. Das müsse sich allerdings nicht eins zu eins auf die Gewerbesteuereinnahmen auswirken, so Remelé. Was sich nach dem Abriss des Kassengebäudes ergebe, sei allenfalls ein "begrüntes Plätzlein". Mit Verweis auf die Landesgartenschau meinte Remelé, Peter Hofmann solle doch "das große Ganze sehen".

Der SPD-Stadtrat sah die große Ablehnung, die seinem Antrag entgegenschlug – und zog ihn zurück. Auch wenn er in der Sache überzeugt sei, dass es richtig wäre, so Hofmann.

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