Oberlauringen

Kinderführungen im Poetikum: Spielen wie Friedrich Rückert

Als Kind hat Friedrich Rückert genau das gesammelt, was alle Kinder gerne sammeln: Schneckenhäuser, Muscheln, ein Vogelnest oder Steine.
Foto: Rita Steger-Frühwacht | Als Kind hat Friedrich Rückert genau das gesammelt, was alle Kinder gerne sammeln: Schneckenhäuser, Muscheln, ein Vogelnest oder Steine.

Corona hat in unserem Land das Leben sehr verändert. Besonders betroffen waren davon Kultureinrichtungen. So waren Museen in den Sommermonaten einige Wochen geschlossen. Dies traf auch für das "Poetikum" in Oberlauringen zu, wo im ehemaligen Rathaus des Dorfes Exponate und Veranstaltungen zum Leben und Wirken von Friedrich Rückert (1788-1866) und seiner Zeit zu finden sind. Der in Schweinfurt geborene Dichter verbrachte von 1793 an seine Kindheit und Jugendzeit bis 1802 im Ort am Haßbergtrauf. Sein Vater hatte in diesen Jahren die Stelle eines Amtmannes des Truchsesses von Wetzhausen inne. In dem Gedichtzyklus ""Erinnerungen aus den Kinderjahren eines Dorfamtmannsohnes", geschrieben 1829, lässt der Dichter den Leser an seinem Leben in Oberlauringen teilhaben.

Wie diese Kinder- und Jugendjahre besonders Kindern in Führungen erlebbar vermitteln? Dazu bekamen die Mitglieder des Friedrich-Rückert-Arbeitskreises in einem Seminar mit Doris Hefner Ideen an die Hand. Im Seminar, das aus dem Regionalbudget der Gemeindeallianz "Schweinfurter Oberland" finanziert wurde, stand Friedrich Rückert als Kind im Mittelpunkt. Am Beispiel eines Tagesablaufs mit fünf Stationen werden so die Lebensbedingungen des jungen Friedrich und seiner Familie vorgestellt.

Im Poetikum, der ersten Station, können die jungen Gäste die Person des Dichters als Kind in Oberlauringen kennenlernen. In dem Gedicht Nummer 27 mit der Überschrift "Der Vater" ist in den "Erinnerungen" zu lesen: "Vollgestopft werden Schränke mit des Krähbergs Schneckenhäusern". auch der junge Friedrich hat gesammelt, was Kinder so sammeln. "Wir haben hier Steine, Schneckenhäuser und auch ein verlassenes Vogelnest für die Ausstellung gesammelt und die Kinder dürfen diese Stücke selbst in die Hand nehmen", erklärt Lilo Müller, die sich seit Gründung des Arbeitskreises für Oberlauringen als Rückert-Dorf engagiert. Auch in nachgearbeitete Kleidungsstücke für Kinder, wie sie um die Wende des 18. Zum 19. Jahrhundert üblicherweise getragen wurde, darf hineingeschlüpft werden.

Was Rückert wohl gefrühstückt hat?

An der Rückert-Pforte werden die Kinder mit dem Zuhause der Familie Rückert vertraut gemacht. Sie erfahren, dass für die Amtmannfamilie das Wasser aus einem Brunnen am Rathaus des Dorfes geschöpft wurde. Als Exponat steht eine Butte bereit, die zum Wassertransport diente. Was mag bei Rückerts auf den Tisch gekommen sein? Ein Essenskorb lädt die Kinder zum Raten ein, ob wohl auch eine Banane und Nutella für das Frühstück dabei waren?

Station 3 ist die Kirchenburg, wo früher die Räume für eine unserer Volksschule ähnlichen Einrichtung untergebracht waren. Federkiel und Tintenfass, Kurrentschrift und Strenge sind jetzt Themen. Die Schule fiel allerdings auch oft auf Befehl des Lehensherren aus. Dieser war der Truchsess von Wetzhausen. Oberlauringens Bürger waren seine Leibeigene. So holte er den Lehrer und die Schüler bei Treibjagden als Treiber oder ordnete den Lehrer dem Dorfamtmann, Rückerts Vater, als Helfer zu, wenn viele amtliche Schreiben abzufassen waren. Rund zwei Dutzend Kinder aus privilegierten Familien, wozu auch die Rückerts zählten, durften bei Pfarrer Stepf die Winterschule besuchen. Unterrichtet wurde Friedrich Rückert vom Pfarrer in Latein und Griechisch.

Murmeln, Seifenblasen und ein Eis für alle

Der nächste Halt bei der Führung ist der "Gänsrasen", eine Wiese beim Zusammenfluss von Leinach und Lauer. Hier können die Kinder Spiele wie zu Friedrich Rückerts Zeiten spielen: Zielwerfen mit Nüssen, Murmelspiel oder Seifenblasen mit Strohhelmen in die Luft pusten. Bei schlechtem Wetter war das Brettspiel "Napoleonische Belagerung" im Hause Rückert angesagt. Die letzte Station im "Kerbschull-Garten zeigt den Kindern nochmals das Interesse des Dichters für die Natur im Erwachsenenalter anhand von einigen seiner Dichtungen auf. Da darf vor dem Eis für alle nicht das Schwalbenlied fehlen. Dieses Gedicht schließt mit den Worten "Doch die Schwalbe singt, doch die Schwalbe singt im Dorf wie einst".

Das Konzept ist ausgerichtet auf Führungen im Poetikum von Kindern bis zum Alter von zehn Jahren. Schulklassen und Kindergartengruppen sind willkommen, betont Klaus Derleder, Sprecher des Friedrich-Rückert-Arbeitskreises Oberlauringen. Der Arbeitskreis bietet Führungen im Poetikum, dem Rückertrundweg und dem "Historischen Ortsrundgang" an, Anmeldungen unter Telefon (0 97 24) 91 040.

Lilo Müller vor den Ausstellungsobjekten zur täglichen Arbeit zur Zeit Friedrich Rückerts.
Foto: Rita Steger-Frühwacht | Lilo Müller vor den Ausstellungsobjekten zur täglichen Arbeit zur Zeit Friedrich Rückerts.
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