Gernach

Kirchenaustritt: Ärger über Steuer hat den Ausschlag gegeben

Warum ich aus der Kirche ausgetreten bin (Teil 5): Frau F. hat die evangelische Kirche verlassen, weil sie mit beiden Konfessionen hadert. Trotzdem sucht sie Spiritualität.
Das Kassieren von Kirchensteuern und der teils sorglose Umgang mit Geld innerhalb der Kirchen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Frau F. die evangelische Kirche verlassen hat. Das Symbolbild zeigt einen Klingelbeutel.
Foto: Fotolia | Das Kassieren von Kirchensteuern und der teils sorglose Umgang mit Geld innerhalb der Kirchen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass Frau F. die evangelische Kirche verlassen hat.

"Eine außerordentliche Kirchensteuer war der Grund, weshalb ich ausgetreten bin", beantwortet Frau F. die Frage, warum sie aus der Kirche ausgetreten ist. Sie ist evangelisch. Den Grund ihres Austritts erläutert sie näher: "Die Firma meines Ehemannes wurde aufgelöst. Er bekam eine größere Summe als Abfindung, die als finanzielle Sicherheit für die Familie gedacht war, bis eine neue Anstellung erfolgt. Wir waren entsetzt, als wir feststellen mussten, dass davon ein ziemlicher Teil als Kirchensteuer abgeführt wurde." Es sei für ihre Familie keine einfache Situation gewesen, "in dieser schwierigen Zeit und für mich der konkrete Anlass, die evangelische Kirche zu verlassen". Da hätte die Kirche sozialer sein müssen, findet F.

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Es war trotzdem nicht einfach für sie, auszutreten. Sie musste ihren Mut zusammennehmen, ihren Austritt auf dem Standesamt der Gemeinde zu erklären. "Da war spürbar, was der Standesbeamte über meinen Schritt dachte – auch wenn er natürlich keinen Kommentar abgab." Und sie machte sich Sorgen, wie ihre Umgebung auf den Schritt reagieren würde.

Protz des Bischofs

Weitere Gründe, warum F. die Kirche verlassen hat, waren auch die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche und die maßlose Verschwendung von Kirchensteuergeldern des damaligen Bischofs von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst. Auch wenn diese Kritikpunkte mit der evangelischen Kirche nichts zu tun haben, sah F. sich in ihrem Entschluss, aus der Kirche auszutreten, durch diese Vorkommnisse, die der Botschaft Jesu nicht gerecht werden, bestärkt.

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F. war einst getauft und konfirmiert worden. Obwohl ihre Mutter ihr vom Kindergottesdienst abgeraten hat und der Konfirmationsunterricht fast nur aus Auswendiglernen von Bibelversen bestand, wuchs ihr Glaube in der Gemeinschaft der Konfirmanden.

Hochzeitstag ohne Pfarrer

Sie und ihr Mann sind nicht kirchlich getraut. Mit ein Grund, weshalb sie diesen Schritt nicht gegangen sind, war das Erlebnis, dass eine Freundin, die gerne katholisch geheiratet hätte, das nicht konnte, weil ihr Freund, in erster Ehe katholisch verheiratet, nach der – einvernehmlichen – Scheidung nicht mehr katholisch heiraten konnte. "Wir sind am Tag unserer standesamtlichen Trauung allein in die Kirche meiner Heimatgemeinde gegangen, haben da unsere Ehe unter den Schutz Gottes gestellt. Wir waren da eine ganze Zeit schweigend miteinander – das war für uns ein Erlebnis, was uns tief miteinander verbunden hat", schaut F., innerlich sehr bewegt, auf dieses intensive gemeinsame Erlebnis mit ihrem Mann zurück.

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Ihre zwei Kinder ließen sie taufen. Die Tauffeiern haben sie in schöner Erinnerung, sowohl die Zeremonie der Taufe in der Kirche als auch das Fest der Taufe im Familienkreis. Der Konfirmationsgottesdienst war begeisternd: Die Konfirmanden hatten den Gottesdienst zu ihrer Prüfung eine Woche vor der Konfirmation weitgehend selbstständig vorbereitet, die Texte ausgesucht und auch einzeln vorgetragen. Für den Nachmittag der Konfirmation hatten sie eine Band organisiert, die toll gespielt hat. Die ausgesuchten Lieder hätten ihr Mutterherz sehr bewegt. "Aber nicht nur ich, alle Leute waren begeistert, die Paten haben gleich den Geldbeutel gezückt und großzügig für diese Jugendband gespendet."

Das Alter hat sie gelehrt

F. sieht sich auch nach dem Austritt aus der Institution Kirche als spirituellen Menschen. Sie nimmt gerne Angebote von Klöstern wahr. "Da bin ich auch schon früh aufgestanden und habe am Chorgebet der Mönche teilgenommen. Das war für mich ein tiefes Glaubens- und Gemeinschaftserlebnis." Sie hat an sich beobachtet, dass sie mit zunehmenden Alter immer mehr sehen kann, was sie anderen Menschen schuldig geblieben ist. Das würde sie gerne wieder gut machen und tut dies auch nach Kräften.

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Sie erlebt immer mehr Gefühle der Dankbarkeit für all das, was ihr gelingt, oder auch für das, wovor sie bewahrt geblieben ist. Aber auch, wenn sie Negatives erlebt, ist sie sich gewiss, dass sie geführt wird – von Gott. "Ich kann auch das Negative annehmen, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass man erst im Nachhinein verstehen kann, was das Gute, das Geschenk des Negativen ist." Sie sehe es auch für ihr weiteres Leben als eine sinnvolle Aufgabe an, sich mit spirituellen Themen zu befassen und mit anderen Menschen über solche Themen ins Gespräch zu kommen. Leider sind zu Corona-Zeiten solche Gespräche nur begrenzt möglich. "Das fehlt mir sehr", stellt sie fest.

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