Schweinfurt

Kommunalwahl: Rückblick auf die Wahl 2014

Vor sechs Jahren hielt die Kommunalwahl einige Überraschungen bereit. Auch am 15. März muss man damit rechnen. Was bemerkenswert und kurios ist. Zum Beispiel ein Comeback.
Auf der Zielgeraden befindet sich der Kommunalwahlkampf 2020. Unter anderem großflächige Plakate, wie hier in der Dittelbrunner Straße in Schweinfurt, sollen am 15. März Stimmen für die Kandidaten bringen.
Foto: Martina Müller | Auf der Zielgeraden befindet sich der Kommunalwahlkampf 2020. Unter anderem großflächige Plakate, wie hier in der Dittelbrunner Straße in Schweinfurt, sollen am 15. März Stimmen für die Kandidaten bringen.

Die Kommunalwahl gilt in Bayern als die direkteste Art von Wahl: Sie ist deswegen so direkt, weil die Wähler einige Bewerber persönlich kennen. Und keine Abstimmung gibt den Wählern so viele Möglichkeiten, ihre persönlichen Favoriten auszusuchen. Denn man muss sich nicht für eine Partei entscheiden, sondern kann quer über die Stadtrats-, Gemeinderats- und Kreistagslisten gezielt seine bevorzugten Bewerber aussuchen. Überraschungen kommen daher schnell zustande, wie die Kommunalwahl 2014 gezeigt hat.

Lutz schaffte 2014 Überraschung

Die größte Überraschung schaffte vor sechs Jahren Bürgermeisterin Sabine Lutz in Grafenrheinfeld: 2008, als sie ebenfalls unerwartet den damaligen Amtsinhaber Walter Weinig (CSU) mit wenigen Stimmen Vorsprung bezwungen hatte, war sie noch von Freier Bürgerliste (FBL), SPD und Freien Wählern unterstützt worden. 2014 wollte sie keine der im Gemeinderat vertretenen Gruppen zur Kandidatin machen. Lutz gründete ihre eigene Liste und sammelte Unterstützungsunterschriften, damit sie als Bürgermeisterin überhaupt wieder antreten durfte. Bei der Stichwahl setzte sie sich erneut durch. Im Laufe der Jahre nahmen bei ihr gesundheitliche Probleme zu, weswegen sie 2019 ihr Amt aufgab und im September Christian Keller (CSU) zu ihrem Nachfolger gewählt worden ist.

In Röthlein vermied 2014 Amtsinhaber Albrecht Hofmann (FBL) die Stichwahl. Er setzte sich gegen zwei Konkurrenten im ersten Durchgang äußerst knapp durch. Zwei Stimmen jenseits der absoluten Mehrheit reichten zur Wiederwahl. Hofmann kandidiert 2020 nicht mehr.

Erst zweimal Stichwahlen in Schweinfurt

Obwohl es in der Nachkriegsgeschichte der Stadt Schweinfurt schon 14 Wahlgänge gegeben hat, musste der zukünftige Oberbürgermeister erst zweimal in einer Stichwahl ermittelt werden: 1992 besiegte Gudrun Grieser (CSU) Werner Bonengel (SPD) und 2010 Sebastian Remelé (CSU) Kathi Petersen (SPD). 2014 setzte sich Remelé im ersten Anlauf souverän durch.

Neben Grafenrheinfeld ist es 2014 in vier weiteren Landkreisgemeinden zu Stichwahlen gekommen. In Schwebheim, wo mit fünf Kandidaten der größte Andrang in der Nachfolge von Bürgermeister Hans Fischer (SPD) herrschte, eroberte Volker Karb erstmals in der Geschichte den Chefsessel im Rathaus für die CSU. In Geldersheim siegte Oliver Brust, in Niederwerrn Bettina Bärmann (beide Freie Wähler) und in Gochsheim Helga Fleischer (SPD). 2020 ist es rechnerisch in der Stadt Schweinfurt sowie in fünf weiteren Kommunen möglich, dass am 29. März die Wähler nochmal an die Urnen gerufen werden: in Gochsheim, Niederwerrn, Röthlein, Üchtelhausen und Werneck.

Thomas Pfister nach 24 Jahren wieder dabei

Unter den Kandidaten, die keine Amtsinhaber sind, sind auch „Wiederholungstäter“ auszumachen: Die dritte Nominierung macht Peter Gehring (CSU) in Röthlein zum "Rekordhalter"; zweimal konnte er Albrecht Hofmann (FBL) nicht übertrumpfen. Für Thomas Hemmerich (CSU/FBL/JL, Geldersheim), Ingo Göllner (Ortsgemeinschaft Üchtelhausen), Thomas Wohlfahrt (SPD, Niederwerrn), Stefan Lutz (FW, Gochsheim) und Alfons Hespelein (WG Wiebelsberg, Oberschwarzach) hat es 2014 nicht zum Erfolg gereicht; sie versuchen es erneut. Ein äußerst ungewöhnliches Comeback feiert indessen Thomas Pfister (WG Hesselbach): Nach 24 Jahren steigt er wieder in den Ring und bewirbt sich zum zweiten Mal für das Bürgermeisteramt von Üchtelhausen. 1996 hatte er es in die Stichwahl gegen Klaus Katzenberger (WG Zell) geschafft; dort hat es nur für 35,6 Prozent der Stimmen gereicht.

Keine „echte“ Wahl, wenn es um das Bürgermeisteramt geht, haben die Wähler in Donnersdorf, Frankenwinheim, Gerolzhofen, Lülsfeld, Schwanfeld, Wasserlosen und Wipfeld. Es steht nur jeweils ein Kandidat zur Verfügung. Deswegen darf man auf den Wahlzettel auch einen anderen Namen nach eigenem Geschmack schreiben.

Sieben Listen für den Kreistag

Die Mandate im Kreistag wurden 2014 auf alle sechs Parteien bzw. Gruppierungen verteilt, die Listen aufgestellt hatten. Erstmals in der Nachkriegsgeschichte hat dort die CSU nicht die Mehrheit. Sie schaffte zwar 50,2 Prozent der Stimmen und holte mit 30 Mandaten die Hälfte der Kreistagssitze, doch auch der Landrat hat dort Stimmrecht; den stellt seit 2012 die SPD mit Florian Töpper. Diesmal gibt es eine siebte Bewerbergruppe für den Kreistag: Erstmals kandidiert die AfD auf kommunaler Ebene im Landkreis Schweinfurt. Nur 2008 und 1956 gab es ebenso viele Wahlvorschläge wie 2020. Vor 74 Jahren waren unter anderem Bayernpartei, Union der Vertriebenen und die Kommunistische Partei am Start.

Weitaus größer ist der Andrang für den Schweinfurter Stadtrat: Neun Parteien und Listen buhlen um die 44 Sitze im Rathaus. So viele waren es nur 2008. Sechsmal schaffte es die SPD zwischen 1946 und 1990, die absolute Mehrheit im Stadtrat zu erringen. Seit 1996 ist das keiner Partei mehr gelungen.

Drei gingen leer aus

Es ist sehr selten, dass bei einer Gemeinderatswahl, bei der es keine Fünf-Prozent-Hürde gibt, eine Liste so wenig Stimmen erhält, dass es nicht für mindestens einen Sitz im Gremium reicht. Aber auch das ist 2014 passiert: Die Junge Liste verfehlte in Dittelbrunn ein Mandat ebenso wie die Grünen in Geldersheim und die SPD in Wasserlosen. Alle drei treten nicht mehr an.

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