Schweinfurt

Küchen für den schmalen Geldbeutel

Drei aus dem Küchenabbau-Team des Roten Kreuzes, (von links) Mohammad Abo Alhiman, Omar Basoun und Mahmoud Basoun.
Foto: Anand Anders | Drei aus dem Küchenabbau-Team des Roten Kreuzes, (von links) Mohammad Abo Alhiman, Omar Basoun und Mahmoud Basoun.

Die ehemalige US-Wohnsiedlung „Askren Manor“ im Westen der Stadt wird neuer Schweinfurter Stadtteil mit einem bunten Mix aus Ein-, Mehrfamilienhäusern und sozialem Wohnungsbau. Rund 1600 Menschen sollen dort in naher Zukunft leben. 28 der 34 Wohnblocks werden deshalb abgebrochen, auch wegen einiger Altlasten darin.

Möbel aus 620 Küchen und ebensovielen Badezimmern müssen erstmal ausgebaut sein

Die noch sehr gut erhaltenen rund 620 Küchen und Inventar aus ebensovielen Badezimmern werden aber „gerettet“ und bevorzugt an sozial schwächer gestellte Familien zum Schnäppchenpreis verkauft. Den Ausbau erledigt ein vom Roten Kreuz angestelltes internationales Team von zehn Arbeitsuchenden, darunter einige handwerklich geschickte Flüchtlinge.

Dem Schweinfurter Konversionsbeauftragten Hans Schnabel war schon beim ersten Besuch der US-Häuser vor einem Jahr klar, dass die Küchen nicht auf dem Müll landen dürfen: „Das wäre unverantwortlich gewesen.“ Schnabel nahm Kontakt zum BRK-Kreisverband auf. Geschäftsführer Thomas Lindörfer spielte mit, als klar war, dass sich mit dem Projekt ein „zentrales Anliegen“ des Wohlfahrtsverbandes erfüllt: „bedürftigen Menschen zu helfen“.

Dem zehnköpfigen Abbau-Team gehören auch anerkannte Flüchtlinge an

Das Job-Center der Stadt half bei der Teamauswahl. Schon länger arbeitslose Deutsche, Syrer, Afghanen, Rumänen gehören ihm an. Die zehn Mann sind bis September auf 1,50-Euro-Basis angestellt. Angeleitet werden sie vom fest angestellten Mohammad Afshar. Von den Sprachkenntnissen des vor zehn Jahren aus Afghanistan geflüchteten Lehrers profitierte das BRK schon in der Kleiderkammer in der Erstaufnahme der Ledward-Kaserne.

Die Stadt beginnt mit dem Entkernen der ersten Wohnblocks im April: Fenster, alte Elektrik, alle Einbauten kommen raus. In diesen sieben Häusern hat das Projektteam logischerweise mit dem Ausbau begonnen. Die Küchen, großteils bekannte Markennamen, sind unterschiedlicher Größen. Elektrogeräte haben die Amerikaner mitgenommen, zurückgelassen haben sie Hänge- und Unterschränke, Spülen und Dunstabzugshauben. Aus den Bädern werden Spiegelschränke und Handtuch-Heizkörper ausgebaut.

Eine komplette Küche gibt es zum Schnäppchenpreis von 100 Euro

Wer bekommt die Küchen und Badezimmerteile? Antwort: Bevorzugt Bedürftige, Hartz-IV-Empfänger, Rentner und Alleinerziehende mit schmalem Geldbeutel. Auszufüllen ist ein „Bewerbungsformular“, das sich auf der Webseite des BRK (www.brk-schweinfurt.de) findet. Jeder muss die Teile selbst abholen. Eine komplette Küche kostet sehr günstige 100 Euro.

Die ersten 30 Küchen sind bereits an den Mann gebracht. Für 180 Küchen gibt es bereits Anfragen. Wenn am Ende Küchen übrig bleiben, wird auch an nicht bedürftige Privatleuten verkauft, dann aber für 125 Euro.

BRK-Vorsitzender, Gerolzhofens Ex-Bürgermeister Hartmut Bräuer hofft, beim Projekt „mit einer schwarzen Null rauszukommen“. Man habe wegen der guten Kontakte mit der Stadt, aber auch wegen der „sozialen Verpflichtung“ zugesagt, obwohl das „keine originäre Aufgabe von uns ist“.

Eine Musterküche zum Anschauen und Ausmessen steht im BRK-Laden

Im neuen BRK-Laden in der Gabelsberger Straße ist eine Musterküche aufgebaut. In zwei anderen Läden wird bevorzugt günstige Kleidung, im nun neuen dritten Laden werden Haushaltsgeräte und Geschirr angeboten. Über 10 000 preiswerte Einzelteile sind in den zwei Monaten seit der Eröffnung über den Ladentisch gegangen. Im Laden in der Innenstadt waren es 2016 über 60 000 Kleiderteile. „Das zeigt, der Bedarf ist groß“, sagt Lindörfer.

Und die Teammitglieder? Die sind zufrieden. Weil sie eine Arbeit haben und am Ende ein Zeugnis bekommen, das ihnen die Jobsuche erleichtert, hoffen beispielsweise Mohammad Abo Alhiman und Mahmoud Basoun. Sie konnten vor zwei Jahren mit ihren Familien nach Deutschland flüchten. Und: Weil Lindörfer ausgegeben hat, dass bei der Arbeit Deutsch gesprochen wird, verbessert das ihre noch lauen Sprachkenntnisse. Im Notfall gibt es ja noch ihren „Chef“ und Dolmetscher Mohammad Afshar.

Die Stadt und das Rote Kreuz Schweinfurt arbeiten beim Projekt eng zusammen. Den Küchenabbau besprechen (von links) Vorsitzender Hartmut Bräuer, Geschäftsführer Thomas Lindörfer (beide BRK) und der städtische Konversionsbeauftragte Hans Schnabel.
Foto: Anand Anders | Die Stadt und das Rote Kreuz Schweinfurt arbeiten beim Projekt eng zusammen. Den Küchenabbau besprechen (von links) Vorsitzender Hartmut Bräuer, Geschäftsführer Thomas Lindörfer (beide BRK) und der städtische ...
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