Schweinfurt

Künstler mit Talent und Potenzial

Der Kunstförderpreis 2020 der Stadt Schweinfurt wurde von Oberbürgermeister Sebastian Remelé (rechts) an die beiden Preisträger Robert Weissenbacher und Daniel Asadi Faezi (Zweiter und Dritter von links) übergeben. Darüber freuten sich auch die beiden Laudatoren des Abends, Andrea Brandl (Kunsthalle) und Jürgen Dahlke (Disharmonie).
Foto: Helmut Glauch | Der Kunstförderpreis 2020 der Stadt Schweinfurt wurde von Oberbürgermeister Sebastian Remelé (rechts) an die beiden Preisträger Robert Weissenbacher und Daniel Asadi Faezi (Zweiter und Dritter von links) übergeben.

Den mit 10 000 Euro dotierten Kunstförderpreis der Stadt Schweinfurt teilen sich Maler Robert Weissenbacher und Filmemacher Daniel Asadi Faezi, zwei Schweinfurter mit Talent und Potenzial.

In seiner Sitzung vom 9. Oktober hat der Stadtrat beschlossen, den Preis jeweils zur Hälfte an die beiden in Schweinfurt geborenen Kunstschaffenden Robert Weissenbacher (Malerei) und Daniel Asadi Faezi (Dokumentar- und Experimentalfilme) zu verleihen. Bei einem Festakt in der Kunsthalle wurden die Preise von Oberbürgermeister Sebastian Remelé an die beiden jungen Künstler übergeben, die nicht nur Schweinfurt als Heimatstadt, sondern auch eine Schullaufbahn am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium gemeinsam haben.

Junge Künstler, deren Leben und Werk mit Schweinfurt verbunden ist

Jungen Künstlern, die durch Geburt, Leben und Werk mit Schweinfurt verbunden sind danken und zeigen, dass ihre Arbeit hier gewürdigt wird, wolle man mit diesem Preis, so der OB in seiner Begrüßung. Die Laudatio für Robert Weissenbacher (36), sprach Andrea Brandl, die Leiterin der Kunsthalle. Erste künstlerische Inspirationen kamen vom Comics zeichnenden Vater und von Zeichnern wie Toni Ungerer. Auch Gustav Wölkl, Lehrer am Humboldt-Gymnasium und mit legendärem pädagogischen Talent ausgestattet, war mehr als nur ein künstlerischer Impuls für den jungen Robert Weissenbacher.

Warum nicht auch einmal einen elf Meter langen Fisch malen

2004 bewarb sich Weissenbacher an gleich zwei Akademien – und wurde prompt genommen. Zunächst in Nürnberg bei Hans Peter Reuter und dann in München bei Gerd Dengler verfeinerte er seine Technik. In München wurde das junge Talent auch mit der Konzeptkunst konfrontiert, deren Spontaneität, ja bisweilen Schlagfertigkeit ihn faszinierte. „Für ihn ein Befreiungsschlag vom klassischen Bildraum“, so Brandl, der zum Beispiel dazu führte, „dass der Student in einem Gang der Münchner Akademie spontan einen elf Meter langen Fisch malte.“

„Brüche, Komplexität, Reflexion, Sinnlichkeit, Gegenentwurf, Sehnsucht“, habe ihr Weissenbacher geantwortet, als er von ihr nach seinem Verständnis von Kunst gefragt worden sei. Diese Direktheit der Bildsprache setze er mit großem künstlerischen Können um. Brillanz und Farbenreichtum seiner Bilder lassen seine Nähe zum deutschen Impressionismus mehr als nur erahnen.

Filme, die das Leben in seiner ganzen Intensität zeigen

Nicht minder spannend ist die noch junge, aber bereits sehr vielfältige Biographie des zweiten Preisträgers. Daniel Asadi Faezi (27) hat sich als Jungregisseur vor allem von Dokumentarfilmen einen Namen gemacht. Zwölf Kurzfilme wurden bei mehr als 100 Filmfestivals weltweit gezeigt, seine Arbeiten waren schon bei Sendern wie ARTE oder beim Kinderkanal zu sehen. Die Laudatio für den kreativen Filmemacher übernahm Jürgen Dahlke, Geschäftsführer der Kulturwerkstatt Disharmonie.

Faezis erster Film entstand noch mit damals 17 Jahren in der Film-AG des Humboldt-Gymnasiums. Dann zog es den Vielreisenden in die Welt. „Faezi will die Menschen in ihrer Welt abbilden, versucht, die Wirklichkeit einzufangen, nichts dazu zu erfinden, aber auch nichts wegzulassen“, so Dahlke über Faezis Dokumentarfilme. Filme, die so sind wie das Leben, zum Beispiel das der jungen Skater-Szene von Teheran oder von Kindern in Indien, die mit ihren Familien vom und im Müll leben müssen. Er hat den Hirten Arefi begleitet, der seit 40 Jahren 200 Ziegen hütet. Mit der Kamera schaute er einem Mann über die Schulter, der Kampfhähne züchtet, während seine Frau sich lieber dem Tangotanzen widmet. Herausgekommen sind eindrucksvolle Porträts, die in Erinnerung bleiben.

Faezi lebte und arbeitete in Berlin, München, Kolkata, Lahore und Teheran, studiert Dokumentarfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und am National College of Arts in Pakistan. Sein erster abendfüllender Film, gleichzeitig sein Abschlussfilm an der Hochschule, steht kurz vor der Fertigstellung.

Gemeinsame Erinnerungen an das Ernst-Sachs-Bad

Neben dem Kunstförderpreis teilen beide Preisträger auch die Erinnerung an das ehemalige Ernst-Sachs-Bad, in dem heute die Kunsthalle untergebracht ist. Der Schwimmunterricht, den beide als Gymnasiasten dort genossen haben, war wohl nicht so ihr Ding. Umso schöner hierher zurückzukommen und es als Kunsthalle zu erleben, so Robert Weissenbacher. Die Kunsthalle, auch ein wichtiger Ort für Daniel Asadi Faezi, der sich für diesen Abend für Schweinfurt entschieden hat, wie er augenzwinkernd anmerkte, obwohl Filmemacher „eigentlich auf der Berlinale sein sollten.“

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