Schweinfurt

Leopoldina-Chef: "Wir wollen in Zukunft alle Patienten testen"

Zurück in den Normalbetrieb: Warum Klinik-Patienten keine Angst vor einer Ansteckung mit Corona haben müssen, erklärt Jürgen Winter, Geschäftsführer des Leopoldina Krankenhauses in Schweinfurt.
Eine Frühschicht auf einer Station im Leopoldina Krankenhaus in Schweinfurt. Für die Zukunft hat die Geschäftsführung der Klinik beschlossen, alle Patienten auf Covid-19 testen zu lassen.
Foto: Anand Anders | Eine Frühschicht auf einer Station im Leopoldina Krankenhaus in Schweinfurt. Für die Zukunft hat die Geschäftsführung der Klinik beschlossen, alle Patienten auf Covid-19 testen zu lassen.

Die Kliniken in Unterfranken stellen allmählich wieder auf Normalbetrieb um. Was das konkret bedeutet und warum Patienten keine Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 haben müssen, erklärt Jürgen Winter, Geschäftsführer des Leopoldina Krankenhauses in Schweinfurt.

Frage: Was bedeutet die Rückkehr in den Normalbetrieb konkret für Personal und Patienten bezüglich des Corona-Ansteckungsrisikos. Sind nun alle stärker gefährdet?

Jürgen Winter: Die Rückkehr in einen Normalbetrieb wie vor Corona wird es bis auf Weiteres nur unter engen hygienischen Rahmenbedingungen geben. Wir sehen uns allerdings gut gerüstet, nun auch verstärkt wieder Patienten zu behandeln, die an anderen Erkrankungen leiden. Dazu gehören schrittweise auch planbare Eingriffe, die bisher auf Grund der Pandemie verschoben werden mussten. Wir haben diesbezüglich ein umfassendes Hygiene-Konzept erarbeitet, um die Infektionsgefahr im Krankenhaus praktisch auszuschließen und berücksichtigen die Vorgaben der Staatsregierung.  

Wie regelmäßig müssen alle stationären, also auch Nicht-Corona-Patienten, jetzt getestet werden?

Winter: Bereits seit den letzten Wochen durchlaufen alle Neuaufnahmen ein Screening auf das Vorliegen einer Infektion. Bei Verdacht erfolgt die Isolierung des Patienten. Wir haben darüber hinaus für die Zukunft entschieden, alle Patienten zu testen. 

Mit welchen Kosten rechnen Sie da?

Winter: Welche Kosten insgesamt auf uns als Krankenhaus zukommen, werden wir vollumfänglich erst nach dem Ende der Einschränkungen sagen können. Wir schätzen aktuell einen Mehraufwand von 300 000 Euro pro Monat für die reinen Testkosten.

Jürgen Winter, Geschäftsführer des Leopoldina Krankenhauses in Schweinfurt
Foto: Andre Gibson | Jürgen Winter, Geschäftsführer des Leopoldina Krankenhauses in Schweinfurt

Wie kann man sich die Aufnahme eines Patienten für eine OP vorstellen, der zur Vorbereitung zunächst auf eine Normalstation soll?

Winter: Bei Patienten die über die Zentrale Notaufnahme aufgenommen werden, erfolgt die Testung beziehungsweise der Abstrich direkt in der Zentralen Notaufnahme. Elektive Patienten, also jene, die zu geplanten OP-Terminen kommen, werden bereits einige Tage vor dem geplanten Eingriff abgestrichen. Für diese Patienten erfolgt eine Belehrung, nach dem Abstrich bis zum OP Termin in häuslicher Quarantäne zu verbringen

Was passiert nach einem Abstrich? Wo und unter welchen Sicherheitsvorkehrungen wartet der Patient auf das Ergebnis?

Winter: Im Normalfall bekommen wir innerhalb von zwölf Stunden Rückmeldung aus dem Labor. In dieser Zeit ist der Patient, der nicht planbar zu uns ins Haus kommt, auf einer Normalstation untergebracht. Wir folgen hierbei auch den Vorgaben der Staatsregierung in der aktuell gültigen Allgemeinverfügung, wenn möglich und erforderlich entsprechend zu isolieren. Dies hängt aber immer auch vom Krankheitsbild ab. Es gelten in allen Bereichen erweiterte Hygiene-Maßnahmen, so dass das Risiko einer Infektion im Krankenhaus minimiert werden kann.

Wie viele Patienten waren in den vergangenen Wochen insgesamt stationär in Ihrem Haus, mit wie vielen mehr rechnen Sie in den nächsten Wochen?

Winter: Während der letzten Wochen waren bis zu 300 Betten unserer Kapazität von 700 Planbetten  nicht belegt. Wie genau sich die Patientenzahlen entwickeln werden, können wir aktuell nicht prognostizieren. Wir gehen von einem moderaten Anstieg der Patientenzahlen aus. Wichtig sind uns dabei vor allem die Patienten, die bisher aus Scheu vor einer Ansteckung mit Covid-19 dem Krankenhaus fern geblieben sind, obwohl eine Behandlung indiziert gewesen wäre. Bei zahlreichen Erkrankungen ist ein zeitnaher Therapie-Beginn mit entscheidend für das Behandlungsergebnis.

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Wie viele Intensivbetten haben Sie, wie viele sind aktuell belegt, wie viele davon mit Corona, wie viele Intensivbetten werden Sie für Corona-Patienten freihalten?

Winter: Wir verfügen aktuell über 40 Intensivbetten. Stand heute, befinden sich keine Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. Wir werden entsprechend der staatlichen Vorgaben zu jeder Zeit 30 Prozent unserer Intensivkapazitäten für Covid-19 Patienten frei halten.

Bleiben die extra eingerichteten Isolierstationen, Zimmer und Betten und OPs weiter frei?

Winter: Diejenigen Bereiche, die extra für die Behandlung von Covid-19 Patienten errichtet wurden, bleiben in vorgegebenem Umfang erhalten. Die Isolierbereiche werden den staatlichen Vorgaben entsprechend erhalten.

Thema Sicherheit: Vor allem Besuche in Mehrbett-Zimmern könnten problematisch werden. Gibt es hier bei den Patienten Bedenken oder Ängste?

Winter: In unserem Haus sind Stand heute, pro Tag ein Besucher pro Patient und Tag erlaubt. Dabei gelten erweiterte Hygiene-Maßnahmen und die dringende Empfehlung, dass jeweils nur ein Patient pro Zimmer gleichzeitig zum Besuch zugelassen ist. Alle Besucher müssen sich vorher an der Rezeption des Krankenhauses registrieren und während ihres Aufenthalts im Krankenhaus ausweisen können. Viele Patienten sind erleichtert, dass sie - wenn auch in kleinem Umfang - wieder Besuch bekommen dürfen. Natürlich sollen in diesem Zusammenhang auch alle Patienten ihre Ängste oder Bedenken äußern, damit wir sie gemeinsam auflösen können. Alle Besucher müssen natürlich Mund-Nase-Schutz tragen und die Abstandsregeln einhalten.

Wird sich Ihr Klinikum - auch angesichts der von Ihnen erwarteten Kosten allein für Tests - bei wieder laufendem Normalbetrieb finanziell aus eigener Kraft erholen können?

Winter: Wir werden uns finanziell wieder erholen, gehen allerdings davon aus, dass die bisher in Aussicht gestellten Unterstützungen der Regierung nicht ausreichen werden. Wir gehen aktuell von 400 000 bis 500 000 Euro an Einnahmeverlusten pro Woche aus. Das werden wir aus eigener Kraft so schnell nicht verkraften können. Wir brauchen die Unterstützung der Regierung oder andere geeignete Maßnahmen, die die Effekte dieser Sondersituation abmildern.

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