Gerolzhofen

Leserforum: Schutz trotz Nutzung: Holzweg der Staatsforsten

Eine Revierleiterin des Forstbetriebs Ebrach begründete kürzlich den Weg der Staatsforsten und beklagte, dass in der Nationalparkdiskussion mit unterschiedlichem Wissen und unausgewogen argumentiert werde. Es geht aber vielmehr um eine unausgewogene Interessenverteilung.

Heute hat die Forstwirtschaft fast alle öffentlichen Wälder als Rohstofflager. Zu Recht stellt nun die Gesellschaft die Forderung, anstelle der Forste große Wälder zu setzen, die dem Naturschutz, der Erholung und der Garantie der Ökosystemleistungen dienen. Wer sich um den Schutz des Ökosystems Wald sorgt, kann neben der Sicht des Forstbetriebs auch das druckfrische Buch „Der Holzweg“ aus dem oekom-Verlag (Hrsg. Hans D. Knapp, Siegfried Klaus, Lutz Fähser) lesen. Dessen Beiträge nahmhafter Waldökologen stehen gegensätzlich zum forstlichen Selbstbild. Der Aufsatz „Fördert forstliche Bewirtschaftung die Biodiversität von Buchenwäldern?“ widmet sich der Idee, dass Forst artenreicher sei als Naturwald.

Man liest jedoch, dass Wissenschaftler der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG (auf deren Untersuchung sich der Forst gerne beruft) einräumen, richtig naturnahe Wälder gar nicht untersucht zu haben. Fazit also: „Buchenurwälder und sehr naturnahe, seit über 100 Jahren unbewirtschaftete Buchenwälder weisen eine mehrfach so hohe Biodiversität auf wie Buchenwirtschaftswälder. Es bedarf jedoch vieler Jahrzehnte Wirtschaftsruhe, bis die waldtypische Biodiversität zur vollen Entfaltung kommen kann“.

Holznutzung ist leider kein Mittel gegen den Klimawandel, verrät der Förster und Autor L. Maráz. Waldholz als erneuerbare Energie gibt es zu wenig, um in Deutschland fossile Energie zu ersetzen. Mit Forstwirtschaft und Holznutzung funktioniert auch die CO2-Bindung nicht besser. Nicht der bewirtschaftete Wald ist es, der unser Klima rettet, denn: „Auch über 200-jährige Wälder nehmen noch CO2 auf. Die CO2-Bindung im lebenden Wald ist in natürlichen Wäldern deutlich hoher als im Forst. Die Bäume wachsen noch hunderte Jahre weiter“, so der Geschäftsführer des NABU Hessen, M. Harthun. „Die CO2-Bindung in Holzprodukten wird oft idealisiert. Es wird nach kurzer Zeit wieder freigesetzt. Die mittlere Verweilzeit beträgt nur 10-20 Jahre. Laubholz wird zu 64 Prozent verbrannt, das CO2 also sofort freigesetzt.“

Heißt wohl, dass die Klimawirkung von Waldwirtschaft vernachlässigbar ist. Staatswälder, also die Wälder der Öffentlichkeit, sollen in erster Linie mit ihren Ökosystemleistungen Boden, Luft, Wasser, Klima und Artenvielfalt der Wohlfahrt der Gesellschaft dienen. Dazu gibt es sogar ein Urteil des BVG.

Zu lange schien all das im Überfluss vorhanden und bei der Forstwirtschaft „in guten Händen“. Doch die forstlichen ökonomischen Erwartungen orientieren sich mehr denn je an kurzfristigen Profitinteressen und Produktionszyklen. Die bedrohten ökologischen Reserven unseres Landes wecken immer mehr Widerstand in der Bevölkerung. Das Leitbild der konventionellen Forstwirtschaft richtet sich meist auf die Optimierung von Produktionstechnik und Kosteneinsparung. So riskiert diese die biologische und soziale Wertschöpfung.

Wenn es im forstlichen Berufsstand zu keiner Neuausrichtung von Förster- zu Bürgerwald kommt, wird die gesellschaftliche Debatte ohne den Forst neue Maßstäbe für die Wertschöpfung im öffentlichen Wald finden. Dann könnten die Forstwirtschaft und ihre Akteure ihre waldgestaltenden Möglichkeiten verlieren.

Nikolaus Rebhan
97775 Burgsinn

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