Schweinfurt

Melodienzauber aus Wien zum Saison-Auftakt in Schweinfurt

Die Wiener Operettenbühne Heinz Hellberg präsentierte im Theater der Stadt Schweinfurt Franz Schuberts „Das Dreimäderlhaus". Ein Klassiker mit überraschender Geschichte.
Aus Wien nach Schweinfurt 'importiert': Die Operettenbühne Heinz Hellberg gastierte mit 'Das Dreimäderlhaus' im Theater der Stadt Schweinfurt.
Foto: Claudius Schutte | Aus Wien nach Schweinfurt "importiert": Die Operettenbühne Heinz Hellberg gastierte mit "Das Dreimäderlhaus" im Theater der Stadt Schweinfurt.

Am Anfang soll diesmal ein Glückwunsch stehen: An Heinz Hellberg, Prinzipal der Operettenbühne Wien, der am Montag seinen 75. Geburtstag in Wien feierte. Seit 23 Jahren sorgt er mit seinem Tourneetheater in Schweinfurt für beschwingte, anspruchsvoll gemachte Operettenseligkeit. Dies betonte Theaterleiter Christian Kreppel bei seiner Begrüßung des Publikums im ausverkauften Theater. Mit einem großen Applaus für den Jubilar begann so das Singspiel "Das Dreimäderlhaus", mit dem die neue Operettensaison eröffnet wurde.

Für alle Gesangsnummern des Singspiels verwendete der ziemlich erfolglose Komponist Heinrich Berté 1911 die Musik von Franz Schubert – und schon war ein Welterfolg geboren, der in 22 Sprachen übersetzt und in 60 Ländern aufgeführt wurde. So erkennt der Schubert-Liebhaber im Stück etwa dessen Deutsche Tänze, seinen Militärmarsch Nr. 1, "Ungeduld" aus der "Schönen Müllerin".

Die Operette spielt 1826 in Wien. Franz Schubert (Alexander M. Helmer) empfängt seine Freunde zu einem fröhlichen Umtrunk: den Dichter Franz Schober (Stefan Reichmann) und den Opernsänger Johann Michael Vogel (Jan Reimitz). Nebenan im "Dreimäderlhaus" wohnen der Hofglasermeister Tschöll (Viktor Schilowsky) und seine Frau Marie (Sylvia Denk) mit ihren zwei heimlich verlobten Töchtern Hederl (Marie Beck) und Haiderl (Anita Tauber) und dem sängerisch begabten Hannerl (Verena te Best). Die schwärmt für ihren Gesangslehrer Schubert, doch der ist – obwohl er sie liebt – hoffnungslos schüchtern und in Liebesdingen naiv und völlig unerfahren.

Schuberts Melodien mit neuen Texten

Nach der Ouvertüre (Dirigent Laszlo Gyüker) präsentiert sich das Ensemble in einem originellen Biedermeier-Standbild, das langsam zum Leben erwacht. Dann werden die üblichen Operetten-Zutaten ausgepackt: Liebeshändel, Verwechslungen und Täuschungen. Höhepunkte aber sind Schuberts Melodien mit neuen Texten, die auch diesmal, von sehr guten Sängerinnen und Sängern vorgetragen, ihren Schmelz entfalten.

Schubert schwärmt vom Frühling "unter einem Fliederbaum", mit seiner Schülerin Hannerl preist er das "Wiener Lied", und ausgerechnet Nebenbuhler Schober trägt auf Drängen Schuberts dessen werbendes Liebeslied für Hannerl vor :"Ich schnitt es gern in alle Rinden ein".  Außerdem hatte Schober schon mit "Leise flehen meine Lieder" Hannerls Liebe zu Schubert ins Wanken gebracht. Stimmungsvolles "Theater im Theater" gibt es, als Debütantin Hannerl "Sah ein Knab ein Röslein stehn" singt, davor erzählt der Chor ebenso schlicht vom "Am Brunnen vor dem Tore". Großer Applaus.

Es kommt, wie es kommen muss: Schober gewinnt Hannerls Herz endgültig und Maestro Schubert tröstet sich mit seiner Musik und dem Lied "Nicht klagen, halt stille, es ist Schicksals Wille". Damit aber die Operette nicht ganz in Schwermut versinkt, taucht ab und zu die frivole, Skandal umwitterte Opernsängerin Grisi (Ella Tyran) auf. Die flirtet sogar mit dem alten Tschöll "Du hast so was Gewisses". Der ist schnell entflammt und will ihr gleich sein "18-jähriges feuriges Herz" zu Füßen legen – wieder eine Paraderolle für Viktor Schilowsky. Herzlicher Applaus für die beliebten und inzwischen wohlbekannten Künstler aus Wien.

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