Gerolzhofen

Mutmacher-Fest der Feuerwehren inmitten verheerender Zerstörung

Das Organisationsteam für das Mutmacherfest in Rech verschaffte sich einen ersten Überblick über die Lage im Ahrtal. Die gestandenen Feuerwehrleute waren den Tränen nahe.
Die totale Zerstörung: Von den Häusern in Rech, die direkt am Fluss standen, ist nichts mehr übriggeblieben.
Foto: Nadine Bechmann | Die totale Zerstörung: Von den Häusern in Rech, die direkt am Fluss standen, ist nichts mehr übriggeblieben.

Die Organisatoren des Aktionsbündnis "Wir helfen Rech" haben sich am vergangenen Samstag mit einer kleinen Abordnung ins Ahrtal aufgemacht, um sich einen Überblick über die Fahrstrecke und die Gegebenheiten vor Ort im Katastrophengebiet zu machen. Michael Schur, Florian Kimmel, Nadine Bechmann und Alexander Bönig zeigen sich betroffen über die immensen Schäden, würdigen aber auch die aufgeschlossene Freundlichkeit der dortigen Bevölkerung.

Wie berichtet, organisieren die Feuerwehren aus Schwebheim, Gerolzhofen und Unterspiesheim gemeinsam mit den Musikern der "Feuerwehrkapelle Altlandkreis Gerolzhofen" eine Spendenaktion für die Flutopfer an der Ahr. Bei einem Besuch am Samstag, 18. September, werden die Spendengelder in Rech an die dortige Feuerwehrführung übergeben. Das Ganze soll im Rahmen eines kleinen Mutmacher-Fests stattfinden, das ebenfalls von den Feuerwehrlern aus Unterfranken organisiert wird. Dazu bringt ein Fahrzeug-Konvoi alles mit, was man für ein zünftiges Fest braucht.

Fahrstrecke wurde erkundet

"Rech als Ziel einfach ins Navi eingeben und dann losfahren, das funktioniert im Moment leider nicht", berichtet Kreisbrandinspektor Alexander Bönig (Unterspiesheim) vom Organisationsteam. Zu viele Straßen im Ahrtal sind noch unbefahrbar. Mit dem Vorsitzenden des Verkehrs- und Kulturvereins Rech, Leon Krogull, habe man deshalb schon die Fahrstrecke abgestimmt. Es sei trotzdem wichtig gewesen, die genaue Fahrtstrecke erst mal mit einem Pkw zu erkunden, sagt Bönig, ehe dann am kommenden Wochenende die großen Feuerwehrfahrzeuge des Vorauskommandos kommen. Denn: "Eine Marschkolonne mit sieben Fahrzeugen, davon fast alle mit Anhänger, kann nicht so einfach wenden, wenn sie vor einer Straßensperrung steht", ergänzt der Schwebheimer Kommandant Michael Schur.

Schur hat als Kolonnenführer am nächsten Samstag die Verantwortung, dass bei der Anfahrt des Konvois an die Ahr alles glatt geht. Er wird zusammen mit Alexander Bönig und Florian Kimmel aus Grettstadt das Führungsfahrzeug besetzen.

13 Häuser sind verschwunden

In Rech wurden die Organisatoren am vergangenen Samstag von Leon Krogull und seiner Frau Michaela sowie Patrick Lichius von der Feuerwehr Rech empfangen. Bei Gang durch den kleinen Weinort wurden die immensen Schäden sichtbar. Während die Bewohner in den höher gelegenen Straßen von Rech von der Flut nicht betroffen waren, traf es die Straßenzüge am Ufer der Ahr sehr heftig. "Dort entlang standen mal 13 Häuser", zeigte Patrick Lichius. Selbst die Fundamente der Häuser wurden von der Flut mitgerissen. Heute befindet sich dort nur noch eine eingeebnete Fläche.

Hilfsgüter lagern in der Kirche

Die katholische Pfarrkirche von Rech dient derzeit als Supermarkt, wo sich Hilfsbedürftige gespendete Artikel abholen können. In der Sakristei hat die Feuerwehr Rech ihre Umkleide eingerichtet, die beiden Feuerwehrfahrzeuge werden hinter der Kirche geparkt. Vom eigentlichen Feuerwehrgerätehaus, das einmal in der Nähe der Nepomuk-Brücke stand, existiert nur noch der Schlauchturm. "Ich muss hier raus, sonst fang ich an zu heulen", so der sichtlich betroffene Florian Kimmel bei der Besichtigung des Gotteshauses und einem Gespräch mit einigen Bewohnern. 

In der Kirche von Rech lagern derzeit Hilfsgüter. Links im Bild Kreisbrandinspektor Alexander Bönig, der am Samstag vor Ort die Lage für das geplante Mutmacher-Fest sondierte.
Foto: Nadine Bechmann | In der Kirche von Rech lagern derzeit Hilfsgüter. Links im Bild Kreisbrandinspektor Alexander Bönig, der am Samstag vor Ort die Lage für das geplante Mutmacher-Fest sondierte.

Positiv überrascht waren die Unterfranken über die Herzlichkeit der dortigen Einwohner. Beim Rundgang durchs Dorf ist man sofort mit Leuten ins Gespräch gekommen, die nur den Weg kreuzten. Anschließend wurde der Platz an der Ahr erkundet, wo am Wochenende das Fest stattfinden soll - unter Corona-Bedingungen. Obwohl Rech die höchste Impfquote in Rheinland-Pfalz hat, sind größere Feiern weiterhin nur unter Auflagen möglich. Für das Fest wurde eigens ein Hygienekonzept erstellt, das eine Anmeldung per Luca-App und Zugangskontrolle beinhaltet. Der Vorsitzende des Schwebheimer Feuerwehrvereins, Martin Maiß, hatte sich hierzu intensiv mit dem Landesrecht in Rheinland- Pfalz beschäftigt.

Unter Corona-Bedingungen

"Wir wollen weder uns, noch die Bewohner von Rech gefährden", macht Michael Schur deutlich. Sowohl das Vorauskommando, das am Samstag den Aufbau des Festes vornehmen wird, als auch die Musiker und Musikerinnen der Feuerwehrkapelle werden deswegen vor Abfahrt in der Teststrecke Schwebheim auf Covid 19 getestet.

Auch Häuser in höher gelegenen Bereichen von Rech sind schwer beschädigt.
Foto: Nadine Bechmann | Auch Häuser in höher gelegenen Bereichen von Rech sind schwer beschädigt.

Die Unterfranken bringen für das Mutmacher-Fest das komplette Equipment mit: unter anderem zwei Kühlwägen, Kühlschränke, einen Brötchenbackofen, eine Hüpfburg, eine Popcorn- und Zuckerwatte-Maschine sowie die Platzbeleuchtung. Dies alles benötigt Strom. Das noch nicht völlig intakte Stromnetz in Rech könnte deshalb an seine Grenzen kommen. Horst Reichert, Gerolzhöfer Feuerwehrmann und Mitarbeiter bei der Firma Ludwar Elektrobau, möchte nun versuchen, ein 80 KV-Stromaggregat von seinem Arbeitgeber mit an die Ahr zu nehmen. "So wären wir wenigstens auf der sicheren Seite", meint Bönig.

Täglich 50 Essen für die Helfer

Während der Besichtigung des Festplatzes stießen dann Markus und Marina Bitzen zu den Feuerwehrleuten aus Unterfranken. Die beiden Gastronomen betreiben das "Jagdhaus Wildgenuss" in Rech - und haben ihre Zweigstelle unten am Fluss komplett verloren. Trotzdem kochen sie schon seit Wochen für betroffene Bewohner und Helfer in Rech. Täglich sind das rund 50 Portionen. "Wenn ihr möchtet, koche ich am Samstag beim Aufbau ein Mittagessen für euch mit", bot Markus Bitzen an. Die Organisatoren sind sich einig, dass man nicht unhöflich sein möchte, lehnen aber dankend ab.

Inzwischen hat auch ein aus Nürnberg stammender und jetzt im Rheinland tätiger Unternehmer von der unterfränkischen Hilfsaktion erfahren. Auch er wird sich nun am Mutmacher-Fest beteiligen, und zwar mit einer besonderen Aktion: Er sponsert zum Abschluss des Fests ein großes Feuerwerk, das von der örtlichen Weinprinzessin gestartet wird.

Noch Geldspenden möglich

"Ich habe selten so viel Herzlichkeit und Dankbarkeit erlebt, wie hier in Rech", meint Nadine Bechmann vom Orga-Team. Nach den Eindrücken des Tages war sich das Erkundungsteam sicher, dass man mit Rech den richtigen Ort für das Fest und die Spendenübergabe gewählt hat. "Die Spenden werden angesichts der großen Schäden vermutlich nur einen kleinen Teil zur Hilfe beitragen. Aber wir haben unseren Beitrag geleistet", so Kreisbrandinspektor Bönig abschließend.

Das Aktionsbündnis nimmt noch bis Freitag, 17. September, Geldspenden entgegen. Das Spendenkonto lautet: Feuerwehr Schwebheim, VR-Bank Schweinfurt, DE16 7906 9010 0002 5705 48; BIC: GENODEF1ATE; Verwendungszweck: "Wir helfen Rech". Bis zu einem Spendenbetrag von 200 Euro gilt der Einzahlungsbeleg beziehungsweise der Kontoauszug als Spendennachweis für die Steuererklärung. Für größere Beträge stellt die Feuerwehr Schwebheim eine Spendenquittung aus.

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