Niederwerrn

Nach dem Bienen-Spa darf der Snack nicht fehlen

Neben dem Bienensnack-Automaten gibt es auch noch Infomaterial "to go": Die Bienenfans Lorena und Mira, Katrin und Ines Wörner sowie die Nachbarinnen Natalie und Mathilda Kupfer freuen sich über das neue Aushänge-Projekt in der Wielandstraße 18.
Foto: Uwe Eichler | Neben dem Bienensnack-Automaten gibt es auch noch Infomaterial "to go": Die Bienenfans Lorena und Mira, Katrin und Ines Wörner sowie die Nachbarinnen Natalie und Mathilda Kupfer freuen sich über das neue ...

So ein Wirrwarr kann ganz schön anstrengend sein, im überfüllten Wabenverbund. Die Schützlinge von Katrin Wörner blühen neben ihren Stöcken regelrecht auf, am Ortsrand von Niederwerrn. Dort hat die Hobby-Imkerin eine Bienentränke eingerichtet.

Aus einem Wassertank wird das kühle Nass in ein Steinbeet geleitet, wo es die fleißigen Arbeiterinnen nach Herzenslust schlürfen dürfen. Nicht für sich allein: "Sie brauchen es jetzt für ihre Brut", sagt Wörner. Mit den Tröpfchen wird an heißen Tagen das Innere des Baus gekühlt.

Soziale Tiere: Diese Bienen befassen sich an der Tränke offenbar mit Körperpflege.
Foto: Uwe Eichler | Soziale Tiere: Diese Bienen befassen sich an der Tränke offenbar mit Körperpflege.

Die schwarz-gelben Pollensammlerinnen scheinen aber auch ein bisschen zu relaxen, an der gut besonnten Tränke. Ein jüngeres Tier putzt offenbar eine betagte Arbeitsbiene, die bereits haarlos und schwarz ist. "Grooming" nennt sich das Sozialverhalten.

"Der Kaugummi-Automat ist fast schon ausgestorben, was ich sehr schade finde."
Katrin Wörner mischt ihren Bienensnack-Kapseln Raps bei

Die Besitzerin von zehn Völkern ist sich in dem Fall nicht ganz sicher, ob das Gruscheln als Körperpflege gemeint ist. Die Bienen reinigen im Bau so ihren Pelz von Pollenresten, womöglich aber auch von fiesen Varroa-Milben, im Anfangsstadium der Parasiten.

Die Welt der verschiedenen Bienenarten ist faszinierend. Die emsigen "Carnicas" und "Buckfasts" haben ihr Königreich im Winter warm gehalten, per Flügelzittern. Nun, mit der Apfelblüte, wird ausgeschwärmt. Wörner, die hauptberuflich in der Jugendbetreuung der Stadt arbeitet, frönt seit sechs Jahren der "Zeidlerei", wie das Honigsammeln früher genannt worden ist.

Hier ruht sich eine kleine Biene Maja an der Tränke aus.
Foto: Uwe Eichler | Hier ruht sich eine kleine Biene Maja an der Tränke aus.

Zum Bienen-Spa darf das Blüten-Buffet nicht fehlen. Bei sich zuhause, in der Wielandstraße 18, hat sich Katrin Wörner zum Geburtstag einen "Bienensnack-Automaten" gegönnt. Die deutschlandweite Snack-O-Mat-Bewegung ist noch jung und erst 2019 in Dortmund aufgeblüht. Aus einem ausrangierten Kaugummi-Automaten dürfen sich Passanten eine Kapsel mit Blühwiesen-Mischung ziehen.

Den Inhalt gibt es ebenso online wie von der BayWa, Katrin Wörner hat ihn noch ein bisschen mit Raps aufgepeppt. Ein Immen-Imbiss "to go" kostet 50 Cent. Nicht nur die rar gewordene Wildbiene profitiert davon: "Der Kaugummi-Automat ist fast schon ausgestorben, was ich sehr schade finde", sagt die gebürtige Mannheimerin, Jahrgang 1981. Der Honigbiene gehe es, abgesehen von der grassierenden Varroa-Milbe, ganz gut, die Imkerei boomt.

"Mein Bienensnack-Automat ist meines Wissens nach der erste Blumensaatautomat in Unterfranken."
Katrin Wörner betreibt in Niederwerrn den Snack-O-Mat für Bienen

"Mein Bienensnack-Automat ist meines Wissens nach der erste Blumensaatautomat in Unterfranken." Die nächsten stehen in Bamberg, Frankfurt oder Mannheim. Das Ganze dient natürlich der ökologischen Früherziehung: Der bunte Automat lockt nicht zuletzt Kinder an. Für die leeren Plastekapseln steht eine Rückgabebox bereit. Gerade erst hat die Freizeit-Zeidlerin eine Botschaft darin gefunden, mit einem "Dankeschön" für die tolle Idee.

Jetzt im Frühjahr ist wieder Ausschwärmen angesagt, bei den Bienenvölkern von Hobby-Imkerin Katrin Wörner.
Foto: Uwe Eichler | Jetzt im Frühjahr ist wieder Ausschwärmen angesagt, bei den Bienenvölkern von Hobby-Imkerin Katrin Wörner.

Die Natur hat eben viele Facetten, wie die Bienenaugen, die kein Rot, dafür aber UV-Licht sehen, damit die Trägerinnen besser auf Blüten landen können. An diesem Tag sind die Nutzinsekten ein bisschen narrisch, wegen dem Wetter. Eine verfängt sich im Haar des Reporters und sticht in Panik zu.

Beim Zweibeiner ist es nur ein Pieks, für das Tier endet die "Impfung" leider tödlich: "Ihre Stacheln sind für Chitinpanzer gedacht, wo sie einen Stich überleben", sagt Wörner.

Trotz gelegentlicher Harakiri-Anwandlungen sind Bienen alles andere als schlicht gewickelt. Beim Start an der Wasserstelle drehen sie Kreise, um sich mit dem Sonnenstand den Fundort genau einzuprägen. Im stockfinsteren Bau orientieren sich die sozialen Baumeister an Erdmagnetfeld und Schwerkraft.

Ihre Waben sind exakt sechseckig: Die Biene ist  nicht nur auf der Wiese, sondern auch in Geometrie eine Überfliegerin. Sich an kleinen Funden am Wegesrand zu erfreuen, kann man von den meist gutmütigen Bestäubern ebenfalls lernen. Inspiriert wurde der "Snack-O-Mat" schließlich mal vom Witzeautomaten des Nürnberger Kabarettisten Oliver Tissot, mit Gags zum Mitnehmen.

Jetzt im Frühjahr ist wieder Ausschwärmen angesagt, bei den Bienenvölkern von Hobby-Imkerin Katrin Wörner.
Foto: Uwe Eichler | Jetzt im Frühjahr ist wieder Ausschwärmen angesagt, bei den Bienenvölkern von Hobby-Imkerin Katrin Wörner.
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