Schweinfurt

Neue Ausstellung im Bunkermuseum zur Arbeit des Roten Kreuzes

Verletzte Soldaten im Zweiten Weltkrieg zu versorgen, war nur eine Aufgabe des Roten Kreuz. Wie die Suche nach Vermissten ablief, zeigen eindrucksvolle Exponate.
Michaela Ferger (rechts) mit Adelheid Saul begleiteten die Führung durch das Bunkermuseum in historischen Uniformen.
Foto: Anand Anders | Michaela Ferger (rechts) mit Adelheid Saul begleiteten die Führung durch das Bunkermuseum in historischen Uniformen.

Bunker und Sanitäter haben eine Gemeinsamkeit. Beide sollen Menschen vor dem Tod bewahren. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) erarbeitete daher zusammen mit dem Deutschen Bunkermuseum in Schweinfurt eine Dauerausstellung. Bei der Eröffnung am Donnerstag stand das Genfer Abkommen im Mittelpunkt. Auch der Suchdienstes im und nach dem Zweiten Weltkrieg und die Arbeit des Roten Kreuz im Kalten Krieg werden anschaulich dargestellt.

Eindrucksvoll sind die Karteikarten und Listen über vermisste Soldaten. Kriegsheimkehrern wurden dicke Bücher vorgelegt, die Porträtfotos verschollener Kameraden zeigen. In der Hoffnung, dass sie etwas über das Schicksale der Männer wissen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden bei dem Suchdienst rund 1,7 Millionen Soldaten, Zivilisten und Kinder als vermisst gemeldet.

"Wir arbeiten gegen das Vergessen", sagt Hartmut Bräuer, der BRK-Vorsitzende des Kreisverbandes Schweinfurt. Die Ausstellung sei Teil dieser Erinnerungsarbeit und solle deutlich machen, welche Aufgabe der Wohlfahrtsverband hatte und hat: den Krieg menschlicher machen. Die Genfer Abkommen gelten als Kernstück des humanitären Völkerrechts. Menschen, die nicht oder nicht mehr an Kampfhandlungen teilnehmen, sind demzufolge zu schützen.

Dass es sich bei der Genfer Konvention nicht um ein eingestaubtes Dokument aus dem Jahr 1864 handelt, machte Dr. Donald Riznik  in seinem Vortrag deutlich. "Asymmetrische Kriegsführung und  Kampfroboter sind neue Herausforderungen für das Rote Kreuz", sagt der Jurist und wissenschaftliche Mitarbeiter der Bundeswehr-Universität aus München. Auch der Cyberwar, also die Kriegsführung im Internet, sei ein Aspekt, der an Bedeutung gewinnen werde. Laufend müsse das Abkommen daher ergänzt werden.

Eine Ausstellung über die Arbeit des Roten Kreuz im Zweiten Weltkrieg wäre nicht komplett, ohne das Verhältnis der Organisation zum Regime des Nationalsozialismus zu reflektieren. "Adolf Hitler hatte mit der Kriegsausrufung 1939 ausdrücklich erklärt, dass die Genfer Rotkreuz-Abkommen nicht zur Verwendung kommen soll", steht auf einer der Schautafeln. Und auch Riznik machte deutlich, dass der Wohlfahrtsverband der Gleichschaltung wenig entgegengesetzt habe.

Drei Räume zeigen die Arbeit des Roten Kreuz

In den erste beiden Räumen der Ausstellung erfahren Besucher unter anderem, dass in Schweinfurt in den ersten Kriegsjahren verschiedene Lazarette untergebracht waren. Die Sanitätswache befand sich am Hauptbahnhof und war rund um die Uhr mit sechs Mann besetzt. Der dritte Raum ist dem Katastrophenschutz während des Kalten Krieges gewidmet. Friedrich Tellert steuerte einige Exponate und Informationen für die Ausstellung bei. "An Uniformen und originale Teile aus der Zeit des Nationalsozialismus zu gelangen, war aufwendig", sagt der  Ehrenkreisbereitschaftsleiter. Seine Einsatzjacke aus der Zeit des Kalten Krieges ist unter den Ausstellungsstücken zu finden.

Der Ort für die Ausstellung könnte nicht passender sein. Der Hochbunker wurde 1941 gebaut und 1983 atomsicher gemacht. Hinter bis zu drei Meter dicken Mauern aus Stahlbeton erfahren Besucher heute, wie die Menschen während des Zweiten Weltkriegs überlebt haben. Neben der neuen Dauerausstellung beherbergt das Museum auch viele Exponate zum Luftkrieg über Schweinfurt, zum Beispiel Wrackteile von Flugzeugen und Reste einer Bombe.

Besuch im Bunkermuseum
Das Bunkermuseum öffnet seine schwere Stahltür nur nach Absprache mit dem Inhaber Nils Brennecke und an Aktionstagen. Führungen werden für Gruppen ab zehn Personen angeboten und dauern rund 1,5 Stunden. Da der Bunker nicht geheizt wird, ist warme Kleidung zu empfehlen.
Weitere Informationen unter: www.deutsches-bunkermuseum.de
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