Oberspiesheim

Pater Anselm Grüns und Leo Stöckingers Brot-Buch

Für sein jüngstes Projekt hat sich Pater Anselm Grün mit dem Leiter der eigenen Klosterbäckerei zusammengetan. Gemeinsam mit Leo Stöckinger spürt er dem Geheimnis eines der ältesten Grundnahrungsmittel auf der Erde nach.
Die Autoren des Buches „Brot – himmlisch irdisch“ im Gespräch: Pater Anselm Grün (links) und der Leiter der Klosterbäckerei in Münsterschwarzach, Leo Stöckinger.
Foto: Andrea langenbucher/Vier-Türme-Verlag | Die Autoren des Buches „Brot – himmlisch irdisch“ im Gespräch: Pater Anselm Grün (links) und der Leiter der Klosterbäckerei in Münsterschwarzach, Leo Stöckinger.

Für das jüngste Buchprojekt „Brot – himmlisch irdisch“ von Pater Anselm Grün haben sich zwei zusammengetan, die sich nicht erst lange suchen mussten.

Als Cellerar, das heißt wirtschaftlicher Leiter, der Benediktinerabtei Münsterschwarzach war Pater Anselm Grün von 1977 bis 2013 für rund 300 Mitarbeiter in über 20 Klosterbetrieben verantwortlich. Einer von ihnen ist der Chef der Klosterbäckerei, Leo Stöckinger. Gemeinsam spüren sie in dem im Vier-Türme-Verlag erschienenen Buch dem Geheimnis des Brotes nach.

Anselm Grüns tägliches Brot ist unsere geistige Nahrung und die Kraft und Energie, die viele Menschen, unabhängig von ihrer Konfession, aus der Spiritualität seiner über 300 Bücher saugen. Der 72-jährige Mönch ist der bekannteste spirituelle Autor in Deutschland und ein absoluter Bestseller-Lieferant.

Der passende Wein zum jeweiligen Brot

Leo Stöckingers tägliches Brot ist wiederum unser tägliches Brot. Seit 1986 leitet der Oberspiesheimer die Klosterbäckerei. Dass er das handwerklich gemachte Brot liebt und lebt, zeigt sich ganz besonders bei seinen bis zu drei Stunden dauernden Brotverkostungen mit dem jeweils passenden Wein dazu (www.brotzeitdersinne.de). Ebenso lädt er bei anderen Kursen immer wieder dazu ein, die Geschmacksvielfalt von Brot kennenzulernen.

Auch das Schreiben liegt dem Bäckermeister im Blut. Zusammen mit seiner Frau Claudia berichtet er seit 1997, also seit 20 Jahren, für diese Redaktion über die Geschehnisse in und um Ober- und Unterspiesheim.

Anselm Grün und Leo Stöckinger geht es in dem im Vier-Türme-Verlag erschienenen Buch „Brot – himmlisch irdisch“ ganz wesentlich um die Wertigkeit des Brotes. Das ist seit rund 10 000 Jahren ein uraltes Kulturgut und zusammen mit Wasser das Grundnahrungsmittel des Menschen in fast allen Kulturkreisen.

Im Lauf der Zeit ist es zum Symbol für das geworden, was uns wahrhaft nährt und stärkt - auch in spiritueller Hinsicht. Brot ist zudem ein Bild für die Gemeinschaft der Menschen: Wir essen miteinander Brot, wir brechen es mit- und füreinander. Anselm Grün, der in gewohnter Weise den spirituellen Part übernommen hat, macht sich in dem Buch gemeinsam mit Leo Stöckinger, dem Praktiker aus der Klosterbäckerei, auf die Suche nach dem Geheimnis des Brotes. Dabei spielen die Herstellung und der Blick auf den nachhaltigen Einsatz von Ressourcen ebenso eine Rolle wie die Symbolik des Brotes in der christlichen Tradition und in der Bibel.

Pater Anselm Grün: „Indem wir über die Bedeutung des Brotes nachdenken, gerade auch im Blick auf die Bibel, können wir unser tägliches Brot bewusster essen und nachspüren, welches Geheimnis darin liegt.“

Jesus habe uns gelehrt, im Vaterunser zu beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Der Benediktiner: „Wir brauchen Brot, um unserem Alltag bewältigen zu können. Wenn wir Brot andächtig essen, haben wir Teil an Gott, der es uns schenkt.“

Bei dem Buch handelt es sich trotz einer Reihe von beigefügten Rezepten um kein Rezeptbuch, sondern ein Buch, das zum Schmökern und durch stimmungsvolle Fotos zum Schauen und Genießen einladen, aber auch zum Nachdenken anregen will. Anselm Grün: „Wir können nicht über das Brot nachdenken, ohne uns bewusst zu machen, wie wir heute für alle Brot bereitstellen können, wie alle satt werden können.“

Des Weiteren gelte es darüber nachzudenken, wie Brot heute erzeugt werde, ob es noch unserer tiefsten Sehnsucht nach dem, was uns wahrhaft nährt, entspricht, oder ob es in der Moderne wie vieles andere auch als Konsumgut den ökonomischen Zwängen unterworfen ist und dadurch seine Symbolkraft verliert.

Sah ein Mensch einst in vielen Arbeitsschritten, wie das vom Bauer gesäte Korn heranreifte, geerntet, gedroschen, vom Müller gemahlen und schließlich vom Bäcker zu Teig verarbeitet und gebacken wurde, so findet er heute in der Regel nur noch ein technisch hergestelltes Endprodukt in der Auslage im Laden oder im Backshop vor.

Leo Stöckinger hat einst in Wiesentheid als Bäcker gelernt und als Geselle in Volkach gearbeitet, bevor er die Meisterprüfung ablegte und 1986 nach Münsterschwarzach wechselte. Der Verfechter ehrlicher Backkunst und -qualität bezeichnet sich selbst als „Bäcker mit Leib und Seele gegen den Trend“.

Ein wichtiges Anliegen im Buch ist ihm auch die Lebensmittelverschwendung. Ebenso stark bewegt ihn der Rückgang der traditionellen Bäckereien und, dass mehr und mehr der Preis über Handwerkstechniken und Rohstoffe bestimmt.

Der 55-Jährige betont: „Das Bäckerhandwerk und die Backwaren, beide sind ein Stück Lebensart, diese gilt es zu bewahren – und vielleicht auch erst einmal zu entdecken.“ Jeder Konsument könne dabei durch eine bewusste Kaufentscheidung dazu beitragen, die hochwertige Lebensmittelvielfalt zu erhalten.

So möchte das Buch ganz bewusst die Aufmerksamkeit und Wertschätzung fördern, die Brot als wertvolles Lebensmittel verdient und die einst in der Ehrfurcht und Achtsamkeit unserer Vorfahren vor dem Brot zum Ausdruck kam.

Auch die Rezepte für Brot und Brotkreationen sind deshalb stark auf Wertigkeit abgestimmt, wenn es nicht zuletzt um die Verwendung von schon etwas älterem Brot wie etwa beim Tomaten-Brotsalat oder bei den Karthäuserklößen geht.

Dazu gibt es viele Informationen zur Geschichte des Brotes, dessen Herstellung, die Brotzeit als Zeit fürs Brot, dem Umgang mit dem Brot inklusive verschiedener praktischer Tipps, dem Brot in der Bibel, um Rituale rund ums Brot, wie das eingeritzte oder aufs Brot gezeichnete Kreuzzeichen beim Brotanschneiden, und immer wieder um dessen Wertschätzung und Wertigkeit.

Anselm Grüns Lieblingsbrot

Pater Anselm Grün und Leo Stöckinger stellen ihr Buch bei einer gemeinsamen Autorenlesung im Rahmen der Reihe „BuchBesuch“ am Mittwoch, 18. Oktober, 19.30 Uhr, in der Buch- und Kunsthandlung der Abtei Münsterschwarzach vor.

Pater Anselm Grün isst übrigens am liebsten ganz normales Schwarzbrot. Leo Stöckingers Favorit ist das Kloster-Krustenbrot, ein Roggen-Weizenbrot, außen herzhaft knusprig, innen weich und aromatisch.

Brot – himmlisch irdisch; Anselm Grün, Leo Stöckinger; Bilder: Andrea Langenbacher, Stefan Weigand; 136 Seiten; 25 Euro; Vier-Türme-Verlag; ISBN-Nummer: 978-3-7365-0071-6.

Leo Stöckinger, der Leiter der Klosterbäckerei in Münsterschwarzach, ganz in seinem Element in der Backstube. Seit 1986 leitet der Oberspiesheimer den Klosterbetrieb.
Foto: Christian Schranner | Leo Stöckinger, der Leiter der Klosterbäckerei in Münsterschwarzach, ganz in seinem Element in der Backstube. Seit 1986 leitet der Oberspiesheimer den Klosterbetrieb.
So sieht das Cover zum Buch „Brot – himmlisch irdisch“ aus der Feder von Pater Anselm Grün und dem Leiter der Klosterbäckerei Leo Stöckinger aus Oberspiesheim aus.
Foto: Vier-Türme-Verlag | So sieht das Cover zum Buch „Brot – himmlisch irdisch“ aus der Feder von Pater Anselm Grün und dem Leiter der Klosterbäckerei Leo Stöckinger aus Oberspiesheim aus.
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