Herlheim

Photovoltaik-Baustelle Herlheim: Im Juni fließt der Sonnenstrom

Über 30 000 Photovoltaikmodule wurden montiert. Damit ist die Belectric-Anlage eine der größten in der Region. Im Januar war Baubeginn und bald geht sie in Betrieb.
Die Freiflächenphotovoltaikanlage bei Herlheim besteht aus exakt 31 704 Modulen. Zusammengeschaltet erbringen sie eine Leistung von 13 Megawatt.
Foto: Thomas Obermeier | Die Freiflächenphotovoltaikanlage bei Herlheim besteht aus exakt 31 704 Modulen. Zusammengeschaltet erbringen sie eine Leistung von 13 Megawatt.

Die Strahlen der Maisonne, die vom Himmel lacht, lassen die glatten Oberflächen der Photovoltaikmodule glänzen. Reihe um Reihe erstrecken sie sich vor dem Auge des Betrachtenden und verschmelzen zu einer Fläche, die fast bis zum Horizont reicht, wo der Herlheimer Kirchturm hervorspitzt.

Wenn sich die einzelnen, zwei auf einen Meter großen Modul-Platten hin und her schaukeln könnten, würden sie an Wellen auf der Oberfläche eines Sees erinnern. Doch die Platten ruhen fest verschraubt auf Metallgestellen. Deren Pfosten sind 1,40 Meter tief in den Erdboden gerammt. Alles sitzt bombenfest an seinem Platz.

An der höchsten Stelle ragen die Ständer mit den Modulen gut drei Meter über den Boden.
Foto: Thomas Obermeier | An der höchsten Stelle ragen die Ständer mit den Modulen gut drei Meter über den Boden.

Noch vor gut zwei Monaten standen auf dem knapp 16 Hektar großen umzäunten Areal zwischen Brünnstadt und Herlheim die Ständerreihen als nackte Skelette da. Jetzt ist die Photovoltaik-Freiflächenanlage voll bestückt, so gut wie betriebsbereit und wartet nur noch darauf, dass sie Strom ins Netz einspeisen kann.

Exakt 31 704 Modulplatten wurden in den vergangenen Wochen auf der Baustelle installiert und verkabelt, sagt Baustellenleiter Sven Friedrich. Nebeneinander gelegt ergäben allein die Module eine Oberfläche von rund 6,3 Hektar – eine Fläche fast so groß wie neun Fußballplätze. Die Ständer, auf denen die Module befestigt sind, reichen von einem halben Meter bis 3,05 Metern über den Boden.

In einem Monat soll die Anlage ans Netz gehen

Jetzt, Anfang Mai, herrscht auf der Anlage Ruhe. Nicht einmal ein Jahr ist vergangen, seitdem das Kolitzheimer Unternehmen Belectric Solar & Battery GmbH begonnen hat, die Freiflächen-Photovoltaikanlage zu entwickeln. Anfang Januar starteten die Bauarbeiten. Anfang Juni soll die Anlage ans Netz gehen. Wenn die Sonne ordentlich scheint, dann werden die Solarzellen dort in der Spitze zusammengerechnet bis zu 13 Megawatt Strom produzieren.

Beim Ortstermin auf der Baustelle erläutert Projektingenieur Benedikt Bausenwein (vorne von links) dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Belectric, Ingo Alphéus, die Vernetzung der Anlage mit dem Umspannwerk zwischen Brünnstadt und Zeilitzheim. Anwesend waren auch Baustellenleiter Sven Friedrich und Projektleiter Steven Gerold.
Foto: Thomas Obermeier | Beim Ortstermin auf der Baustelle erläutert Projektingenieur Benedikt Bausenwein (vorne von links) dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Belectric, Ingo Alphéus, die Vernetzung der Anlage mit dem Umspannwerk ...

Ingo Alphéus von Belectric nennt die Anlagengröße und die damit erzeugte Leistung als "groß für unsere Region".  In den vergangenen Jahren seien kaum größere Anlagen in Deutschland entstanden, erst jetzt nehme das richtig Fahrt auf. Als Vorsitzender der Geschäftsführung von Belectric überblickt Alphéus den Markt der Solarstromerzeugung nicht nur in Deutschland. Das Unternehmen hat bereits gut 400 Photovoltaikanlagen in Betrieb genommen, weltweit.

In Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel baut Belectric gerade ein mehr als zehnmal größeres Solarkraftwerk. Im Ausland sind die Dimensionen noch gewaltiger. In Indien etwa hat das Unternehmen eine 350-Megawatt-Anlage hingestellt, ebenso in Australien. In Israel konzipiert Belectric gerade eine 20-Megawatt-Photovoltaikanlage, die auf dem Wasser schwimmt (siehe Infobox). Da erscheint die Anlage bei Herlheim beinahe langweilig.

Sinkende Kosten beflügeln die Solartechnologie

Doch der Schein trügt etwas. Denn die hiesige Anlage steht auch für den Aufschwung, den Alphéus zufolge Photovoltaikstrom  derzeit in Deutschland nimmt. Hintergrund des Ganzen ist die Energiewende mit dem Ziel, möglichst große Strommengen regenerativ zu erzeugen. Dem Sonnenstrom kommt dabei eine wichtige Rolle zu, meint der Belectric-Vertreter.

Denn seit etwa zwei, drei Jahren lassen sich Solaranlagen auch ohne staatliche Förderung gewinnbringend bauen; die Kosten für die Solartechnologie seien seit dem Jahr 2010 um über 80 Prozent gesunken. Der schnell wachsende Solarmarkt macht auch das Recyceln der Solarmodule billiger. Knackpunkt beim Bau großer Photovoltaikanlagen in Deutschland sei es eher, hierfür noch geeignete Flächen zu finden.

Der Blick aus der Nähe des Umspannwerks zwischen Brünnstadt und Zeilitzheim auf die Freiflächenphotovoltaikanlage von Belectric bei Herlheim zeigt deren Dimension.
Foto: Michael Mößlein | Der Blick aus der Nähe des Umspannwerks zwischen Brünnstadt und Zeilitzheim auf die Freiflächenphotovoltaikanlage von Belectric bei Herlheim zeigt deren Dimension.

Anlagen wie die bei Herlheim sind also wirtschaftlich attraktiv. Dies erklärt auch, weshalb Belectric die Anlage zwar entwickelt hat und errichtet hat und als Dienstleister betreibt – der Strom allerdings einem anderen Auftraggeber gehört: den Stadtwerken Tübingen. Es ist die sechste Photovoltaikanlage, die Belectric für die Baden-Württemberger in Deutschland gebaut hat. Eine siebte soll dieses Jahr folgen. Ziel der Stadt Tübingen ist es, bis zum Jahr 2024 rund 75 Prozent des Strombedarfs mit Ökostrom aus eigenen Anlagen zu decken.

Herlheimer Sonnenstrom kommt Tübingen rechnerisch zugute

Doch wie muss man sich das vorstellen: Der bei Herlheim erzeugte Strom kommt in Tübingen aus der Steckdose? Mitnichten.

Alphéus erklärt das Prinzip, nach dem das Stromnetz funktioniert, vereinfacht gesagt wie folgt: Man stelle sich das Ganze wie einen großen Teich vor, mit vielen Zuflüssen (die Anlagen, die Strom erzeugen) und Abflüssen (den Stromverbrauchern). Wenn dem Teich Strom entnommen wird, muss gleichzeitig Strom hineinfließen – wo dies passiert, ist nicht so wichtig.

Das ist technisch zwar nicht ganz korrekt dargestellt und in den Details viel komplizierter, doch es zeigt das Prinzip. Der Sonnenstrom, der bei Herlheim erzeugt wird, kommt deshalb rein rechnerisch den Tübinger Stadtwerken zugute, doch genutzt wird er von Stromverbrauchenden in der Umgebung.

Projektingenieur Benedikt Bausenwein erklärt die Steuerungseinheit, mit der der Stromfluss von der Anlage ins Stromnetz geregelt wird.
Foto: Thomas Obermeier | Projektingenieur Benedikt Bausenwein erklärt die Steuerungseinheit, mit der der Stromfluss von der Anlage ins Stromnetz geregelt wird.

Die Photovoltaikanlage speist den Strom über das Umspannwerk, das an der Straße zwischen Brünnstadt und Zeilitzheim steht, ins Stromnetz ein. Dorthin wurde ein 2,6 Kilometer langes Stromkabel verlegt. Damit ist das Umspannwerk laut Belectric auch voll ausgelastet, mehr geht nicht. Deshalb war es auch nicht möglich, die Photovoltaikanlage bei Herlheim mit der ursprünglich geplanten 18-Megawatt-Leistung zu errichten.

Containermangel verzögerte Lieferung der Solarmodule

Der Bau der Anlage lief trotz Corona-Pandemie nicht nur rasch, sondern auch reibungslos, berichtet Steven Gerold, der Projektleiter von Belectric. Einzig die Lieferung der Module aus China hatte sich um zwei Wochen verzögert, weil freie Schiffscontainer auf dem Weltmarkt gerade Mangelware sind.

Die Freiflächenphotovoltaikanlage, die vor einigen Jahren an der B 286 bei Alitzheim entstanden ist, zeigt, wie eine solche Anlage begrünt aussieht. Zwischen den Reihen mit den Modulen wächst das Gras üppig.
Foto: Michael Mößlein | Die Freiflächenphotovoltaikanlage, die vor einigen Jahren an der B 286 bei Alitzheim entstanden ist, zeigt, wie eine solche Anlage begrünt aussieht. Zwischen den Reihen mit den Modulen wächst das Gras üppig.

Was der Anlage noch fehlt, ist das grüne Kleid. Denn die Fläche wird nicht nur mit Hecken und Bäumen umpflanzt, die einen Sichtschutz bieten sollen. Zwischen und unterhalb der Reihen mit den Modulen soll eine Wiese sprießen. Als "Bienenweide" bezeichnet es Alphéus. Die Photovoltaikanlage soll Pflanzen und Lebewesen eine ökologische Nische bieten.

So würden auf den Flächen, die die Stadtwerke Tübingen übrigens für 30 Jahre gepachtet haben, auch keine Flächen versiegelt. Und falls die Anlage nach Ende der kalkulierten Betriebszeit verschwinden sollte, dann müssten dort nur die Module demontiert und die Metallpfosten der Stände aus dem Boden gezogen werden – und alle Spuren wären beseitigt.

Schwimmende Photovoltaikanlage

Im vergangenen Jahr hat Belectric eine schwimmende Photovoltaikanlage in Israel mit einer Leistung von 480 Kilowatt-Peak fertiggestellt. Eine vergleichbare Anlage baut das Unternehmen nun im Norden des Landes.
Foto: Nofar Energies | Im vergangenen Jahr hat Belectric eine schwimmende Photovoltaikanlage in Israel mit einer Leistung von 480 Kilowatt-Peak fertiggestellt. Eine vergleichbare Anlage baut das Unternehmen nun im Norden des Landes.
Belectric wird in Israel eine schwimmende Photovoltaikanlage errichten. Die Anlage mit einer Leistung von 19,3 Megawatt ist nach Angaben des Kolitzheimer Unternehmens eine der größten in Israel. Die israelische Tochtergesellschaft von Belectric plant und errichtet diese im Norden des Landes auf einem Wasserreservoire für Fischzucht in der Nähe des Kibbutz Lohamei HaGeta'ot. Auftraggeber ist das Energieunternehmen EDF Renewables Israel. Baubeginn soll im Frühsommer sein und die Anlage bereits Ende dieses Jahres in Betrieb gehen.
"Schwimmende Photovoltaikanlagen eröffnen völlig neue Möglichkeiten für die Solarenergie – insbesondere in Ländern mit hoher Bevölkerungsdichte, wo geeignete Flächen knapp sind", erklärt Belectric-Geschäftsführer Ingo Alphéus. Gerade in heißen Ländern bieten schwimmende Solaranlagen auch den Vorteil, dass das Wasser die Module kühlt, was deren Effizienz im Vergleich zu einem Standort an Land erhöht.
Quelle: Belectric Solar & Battery GmbH
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