Stadtlauringen

Rabbiner Leo Trepp erzählt aus seinem Leben

Gunda Trepp 2013 bei ihrem Vortrag in der evangelischen Kirche Heilig Kreuz in Oberlauringen.
Foto: Hannes Helferich | Gunda Trepp 2013 bei ihrem Vortrag in der evangelischen Kirche Heilig Kreuz in Oberlauringen.

Die Sommerferien hat Leo Trepp bis kurz vor seinem Abitur stets in Oberlauringen verbracht. Die Großeltern aus der jüdischen Großfamilie Hirschberger lebten im heutigen Ortsteil der Marktgemeinde Stadtlauringen. Seine Mutter Selma Zipora Hirschberger ist hier am 7. Dezember 1879 geboren. Oberlauringen besuchte Leo Trepp noch mehrere Male, letztmals 2009, ein Jahr vor seinem Tod.

Seiner Frau Gunda hat Leo Trepp 2008 seine Lebenserinnerungen erzählt. Aus den Tonaufnahmen entstand das nun veröffentlichte Hörbuch „Rabbiner Leo Trepp erzählt aus seinem Leben“. Es ist in der Reihe „Zeugen einer Zeit“ erschienen, die von der Paul-Lazarus-Stiftung herausgegeben und von der Bundesregierung unterstützt wird.

Gunda Trepp hat Oberlauringen zurückliegendes Jahr besucht und in der evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche aus der bislang unveröffentlichten Biografie gelesen. Logisch, dass sie sich dabei auf die Erzählungen aus und über Oberlauringen konzentrierte. Gunda Trepp kündigte beim Empfang der Gemeinde nach der Lesung in der Kirchenburg das Hörbuch an.

„Ich hatte noch sieben CDs, auf denen mein verstorbener Mann sein Leben erzählt. Das war die Grundlage“, schildert sie gegenüber dieser Zeitung. Dem Hörbuch ist ein bebildertes Booklet beigelegt, das Gunda Trepp geschrieben hat. Die gelernte Journalistin erklärt darin den historischen Hintergrund, schildert das Leben und Wirken ihres Mannes eindrucksvoll. Gunda Trepp hat auch die Texte fürs Hörbuch geschrieben, die die Erzählungen ihres Mannes einleiten und den Rahmen geben. Sie hat sie alle selbst gesprochen.

Warum soll man sich die Erinnerungen eines Überlebenden der Nazi-Zeit anhören? „Weil alle Erfahrungen unterschiedlich sind und man erfährt, wie ein Rabbiner unter den Nationalsozialisten gearbeitet hat und dadurch das System aus einer anderen Perspektive sieht“, sagt sie. Man hört, dass Trepp manchmal mit den Nationalsozialisten zusammenarbeiten musste, und man erfährt, wie die Nazis die Gemeinde und deren Mitglieder finanziell ausbluteten und dadurch Menschen zerstörten, ohne sie körperlich anzutasten.

Interessant seien die Erzählungen, weil Trepp seine Beziehung zu Deutschland nach dem Krieg neu gestaltet habe und weil er die Menschen in seiner „gestohlenen Heimat“, wie er sie nannte, nicht hassen, sondern ihnen helfen wollte, etwas Neues aufzubauen. „Er kehrte zurück und lehrte, er hielt Vorträge, diskutierte mit Studenten und Schülern und schrieb Bücher“, sagt Gunda Trepp.

Sein Buch „Die Juden“ war ein Bestseller in Deutschland. Er sei der festen Überzeugung gewesen, dass nur Wissen die Bürger vor neuem Antisemitismus schützen würde. „Hass oder Bitterkeit waren Trepp fremd“, sagt seine Frau. „Wenn man bedenkt, dass ein nicht unerheblicher Teil der nichtjüdischen Deutschen denkt, dass Juden zu viel über die Schoah sprechen oder gar Vorteile aus ihr ziehen wollen, kann die mögliche positive Wirkung eines solchen Hörbuchs gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, meint Gunda Trepp. Seine Erlebnisse in Oberlauringen hat Leo Trepp seine „glücklichste Zeit“ genannt. Seine Mutter Selma heiratete Maier Trepp aus Mainz. Dort auch erblickt Leo Trepp am 4. März 1913 das Licht der Welt. Bruder Gustav kam 1917 zur Welt. Neben der familiären Bindung war die Landluft ein Grund für die regelmäßigen Besuche, weil der kleine Leo abgemagert war und kränkelte.

Über seine Oberlauringer Zeit hat Leo Trepp viele Anekdoten, aber Hintergründiges notiert. Er hat sehr genau beobachtet, dass die Christen und Juden im Dorf „wenig Kontakt hatten“, im Hintergrund habe „immer das Vorurteil gelauert“. Aber auch zum Schmunzeln sind viele der Geschichten. Etwa die von Salomon Friedenthal, der wegen seines offensichtlich penetranten Körpergeruchs zwangsgereinigt wurde.

Nach dem Abitur 1931 studierte Trepp Philosophie und Geisteswissenschaften an den Universitäten Frankfurt, Berlin und Würzburg. Zur gleichen Zeit studierte er unter anderem am Rabbinischen Seminar in Berlin, wo er 1936 als einer der letzten Rabbiner in der NS-Zeit ordiniert wurde. 1936 nahm Trepp die Stelle als Landesrabbiner von Oldenburg in Norddeutschland an. Während der Pogromnacht 1938 wurde Trepp verhaftet und ins KZ Sachsenhausen deportiert, kam dann aber mit Hilfe des Chef-Rabbiners von Großbritannien wieder frei.

Mit dem Bruder gelang die Flucht nach Großbritannien, danach emigrierte er in die USA. Dort nahm er nach Zwischenstationen 1948 das Angebot der neu gegründeten jüdischen Gemeinde in Berkely (Kalifornien) an und wurde ihr erster Vollzeit-Rabbiner. Schon seit den 1950ern-Jahren reiste Trepp regelmäßig mit Studierenden nach Deutschland und hielt eine Vielzahl von öffentlichen Vorträgen.

Sein Ziel war es, Wissen über das Judentum und die Philosophie des jüdischen Volkes besonders jungen Menschen zu vermitteln und so neuem Antisemitismus entgegenzuwirken. 2010 zeichnete die Universität Würzburg Trepp mit der Würde eines Ehrenmitglieds aus. Leo Trepp starb am 2. September 2010 in San Francisco.

Leo Trepps Mutter Selma wurde am 25. März 1942 nach Piaski deportiert und später ermordet. Vater Maier Trepp starb am 1. August 1941 an Herzversagen. Bruder Gustav lebt in Jerusalem. Die Tochter von Leo und Miriam Trepp, der ersten Frau Trepps, lebt in den USA.

Rückblick: Seine Lebenserinnerungen erzählte Leo Trepp seiner Ehefrau Gunda. Sie veröffentlichte diese jetzt in einem Hörbuch.
Foto: Mike Minehan | Rückblick: Seine Lebenserinnerungen erzählte Leo Trepp seiner Ehefrau Gunda. Sie veröffentlichte diese jetzt in einem Hörbuch.
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