Schleerieth

Schleerieth: Ärger um Friedhofsarbeiten

Der Schleeriether Friedhof hat sich in eine Großbaustelle verwandelt. Die Anlage wird saniert und umgestaltet. Nicht allen Bürgern gefällt das.
Nachdem die neuen Streifenfundamente auf dem Schleeriether Friedhof nachgebessert wurden, werden die Grabsteine wieder aufgebaut.
Foto: Silvia Eidel | Nachdem die neuen Streifenfundamente auf dem Schleeriether Friedhof nachgebessert wurden, werden die Grabsteine wieder aufgebaut.

Der Schleeriether Friedhof, einst prämiert wegen seiner Sandsteinkultur, hat sich in eine Großbaustelle verwandelt: Im Rahmen des Friedhofskonzepts der Gemeinde Werneck wird er saniert. Aber die Stimmung ist getrübt in der Dorfbevölkerung. Denn nicht jeder ist mit den Änderungen einverstanden. Kritisiert wird auch die Informationspolitik der Gemeinde.

Die Gemeinde Werneck hat seit 2016 ein Friedhofskonzept für alle 13 Gemeindeteile erstellt. Schleerieth ist das erste Projekt und mit circa 300 000 Euro auch eines der größten. Anlass für die Sanierung waren Stolperecken durch lose Platten auf den Wegen sowie nicht mehr standsichere Grabsteine. Künftig werden die Wege mit einer wassergebundenen Decke versehen, für die Grabsteine neue Streifenfundamente erstellt. Neue Urnenbestattungen soll es geben und eine barrierefreie Verbindung des unteren mit dem oberen Teil.

Die umfangreichen Bauarbeiten bedeuten, dass die Grabsteine abgebaut werden und viel Erde bewegt wird, auch mit Lkw und Bagger. Was emotional für Angehörige eine Belastung ist, weiß auch Bürgermeister Sebastian Hauck. Vorwürfen aus der Bevölkerung, die Schleeriether seien nicht genug über die Veränderungen informiert worden, weist er aber zurück.

Eduard Hederich hat sich mit seiner Kritik an diese Redaktion gewandt. "Wir haben vorher keine Pläne gesehen", moniert der 70-jährige, langjährige Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins. Auch jetzt, wo die Arbeiten schon laufen, wisse man nicht genau, was wie umgesetzt werde, weil sich einiges geändert habe. Und viele Arbeiten seien einfach pietätlos.

Pläne sind im Rathaus einsehbar

Wie in allen Wernecker Gemeindeteilen gab es auch in Schleerieth im Frühjahr 2019 eine Friedhofsbegehung der damaligen Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl mit den Bürgern und mit Landschaftsarchitektin Marion Ledermann, die eine Grobplanung vorstellte. Dabei sei der Wunsch geäußert worden, die großen Gräber zu verkürzen und eine Rampe als barrierefreie Verbindung zu bauen, blickt die Planerin zurück.

Dem kam die Gemeinde nach: Alle Grabbesitzer wurden nach ihrem Einverständnis mit einer kleineren Pflanzfläche befragt, alle stimmten mittlerweile zu. Eine Rampe wurde neben der sechsstufigen Treppe vom unteren in den oberen Bereich geplant. Mit dem Gemeinderat und dem örtlichen Ratsmitglied Matthias Schmittfull sei das Vorgehen abgestimmt worden, auch in öffentlicher Sitzung, so Ledermann. "Außerdem kann jeder Interessierte ins Rathaus kommen und die Pläne einsehen", sagt Hauck.

Aus dem Amtsblatt hätten die Schleeriether am 19. Juni dieses Jahres dann erfahren, dass sie die Gräber abräumen müssen, weil zehn Tage später die Bauarbeiten beginnen. "Viele hatten erst ihre Sommerblumen gepflanzt und ärgerten sich über die vergebliche Arbeit", sagt Hederich.

Bürger verfolgen kritisch die Bauarbeiten

Von Anfang an standen die Bauarbeiten unter Beobachtung der Bürger: So wurde moniert, die neuen Streifenfundamente seien nicht gut ausgeführt. Was die Planerin nicht bestreitet: "Das ist inzwischen behoben." Aus Rücksichtnahme sei keine schwere Verdichtung der Erde neben den "sehr wohl professionellen" Schaltafeln erfolgt.

Auch die Auffüllung des Gräberfeldes um etwa 30 Zentimeter, eine Angleichung an die erhöhten Priestergräber, kritisiert Hederich. Dass darüber hinaus das Füllmaterial mit Steinen versehen und nicht geeignet war, gibt auch die Planerin zu. "Das ist wieder weggebracht worden."

Für den Neubau eines Weges innen entlang der Friedhofsmauer wurde das Kriegerdenkmal abgebaut, gegen den Willen des Bildhauers Berthold Schneider.
Foto: Silvia Eidel | Für den Neubau eines Weges innen entlang der Friedhofsmauer wurde das Kriegerdenkmal abgebaut, gegen den Willen des Bildhauers Berthold Schneider.

Bürgermeister Hauck organisierte wegen des Unmuts aus der Bevölkerung gemeinsam mit Schmittfull am 17. Juli eine Infoveranstaltung im Sportheim. Dabei wurde, wie Wernecks Bautechniker Karl-Heinz Röhrich betont, noch einmal aufgeklärt, auch die Pläne wurden gezeigt. Ein Vorschlag aus der Versammlung, statt der Rampe einen leicht ansteigenden Weg direkt an der Mauer entlang zu bauen, erhielt keinen Widerspruch, wurde aufgenommen und vom Gemeinderat genehmigt. "Damit ist auch die schwierige Ecke für den Sargwagen beseitigt", sagt Ledermann.

Dafür mussten aber die Pläne geändert werden. Denn für den Weg musste das Kriegerdenkmal entfernt werden, sechs Gedenksteine in Kreuzform und eine Inschriftenplatte. Das hatte 1963/64 der örtliche Steinmetz Berthold Schneider als sein Meisterstück angefertigt, berichtet dieser. Er sei in die Entscheidungen nicht eingebunden worden und wollte das Denkmal unverändert lassen. Und: "Eigentlich habe ich ja ein Urheberrecht daran", meint er.

Drei Bäume wurden schon gefällt

Drei Bäume wurden bereits gefällt. Für die Neuanlage des Weges und ein Versetzen des Kriegerdenkmals müssten wohl weitere – bei vielen ungeliebte – Birken entfernt werden. Was allerdings noch geklärt werden muss, auch mit der Unteren Naturschutzbehörde, sagt die Planerin. Natürlich würden neue Bäume nachgepflanzt.

"Ein Friedhof muss doch grün sein", protestiert Hederich. Denn für die Streifenfundamente wurde auch die Hecke zwischen den Grabreihen entfernt. Sie wird nachgesetzt, versichert Ledermann.

"Eventuell wäre es geschickt gewesen, vor Baubeginn eine Bürgerversammlung abzuhalten", meint Hauck. Aber wegen Corona und Amtswechsel im Rathaus wäre das kaum möglich gewesen. Er hofft, "dass die Wogen jetzt geglättet sind" und die Arbeiten zügig vorangehen. Bis Allerheiligen werden sie allerdings kaum fertig sein.

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