SCHWEINFURT/ZÜRICH

Schnüdel schwingt Schwert für die Schweiz

Horst Rossdeutsch: Der in Zürich lebende Schweinfurter nimmt im Juli als Mitglied des Schweizer Nationalkaders an der WM in der Koreanischen Schwertkampfkunst „Haidong Gumdo“ teil. Sie findet im südkoreanischen Seoul statt.
Foto: Rossdeutsch | Horst Rossdeutsch: Der in Zürich lebende Schweinfurter nimmt im Juli als Mitglied des Schweizer Nationalkaders an der WM in der Koreanischen Schwertkampfkunst „Haidong Gumdo“ teil.

Nach mehr als zweijähriger Vorbereitungszeit und erfolgreich absolvierten nationalen und internationalen Wettbewerben ist der Schweinfurter Horst Rossdeutsch kürzlich offiziell in den Schweizer Nationalkader für die Koreanische Schwertkampfkunst „Haidong Gumdo“ berufen worden. Unter eidgenössischer Flagge wird der 48-Jährige, der seit 2006 in der Schweiz lebt und arbeitet, im Juli an den Weltmeisterschaften in dieser Disziplin im südkoreanischen Seoul teilnehmen.

In seinem derzeitigen Wohnort Zürich leben etliche Schweinfurter. Sie treffen sich am vor Jahren gegründeten „Schnüdel-Stammtisch“ regelmäßig, Rossdeutsch gehört dazu. Über die Schweinfurt-Runde hat diese Zeitung schon berichtet. Daher auch rührt der Kontakt.

Wie kam er zu dieser Nischensportart, die gleichwohl knapp 100 000 Menschen ausüben? „Ich suchte nach einem passenden Ausgleichssport“, berichtet Rossdeutsch. 2008 traf er bei einer Demonstrationsveranstaltung den technischen Direktor für Europa in dieser Kampfkunst, Meister Chul-Kyung Lee. Dieser eröffnete im gleichen Jahr eine Schwertkampfschule in Zürich und „ich wurde sein erster Schüler“.

Seitdem trainiert der 48-Jährige mehrmals pro Woche. Er trägt mittlerweile den Schwarzen Gürtel, den Meistergrad. „Diese Schwertkunst aus erster Hand zu lernen, ist für mich eine ganz besondere Ehre und ein großer Ansporn.“ In der Funktion als erster Schüler übernehme „ich auch eine Vorbild-Rolle für nachfolgende Anfänger“.

Haidong Gumdo bedeutet „Schwertkampfkunst des Ostmeeres“ oder „Das Licht des Schwertes wie die aufgehenden Sonnenstrahlen im östlichen Meer“, zurückzuführen auf die Reflektionen der Strahlen auf einer Schwertklinge bei Sonnenaufgang. Da die koreanische Halbinsel damals in China auch „Land im Ostmeer“ genannt wurde, könne man Haidong Gumdo auch einfach als „der Koreanische Weg des Schwertes“ bezeichnen.

Unter anderem sei es dieser für lange Zeit „geheimen Kampfkunst“ zu verdanken, dass Korea sich als kleine Halbinsel zwischen China und Japan bis heute seine Souveränität bewahren konnte, berichtet Rossdeutsch. Die Geschichte des Haidong Gumdo geht bis ins achte Jahrhundert zurück, wurde in den 1980er Jahren wieder belebt und in die Welt getragen.

Seit Februar 2012 läuft nun die Vorbereitung auf die WM in Südkorea. Das Schweizer Nationalkader besteht aus 18 Sportlern, die in Einzeldisziplinen und mit einer Demo-Mannschaft gegen Kämpfer aus der ganzen Welt antreten. Die Wettkämpfe beinhalten Schnitt-Techniken mit scharfen Schwertern (Bambus und Reisstroh) für Schwarzgurt-Träger, aber auch direkte Zweikämpfe mit Holzschwertern für alle Gürtelstufen.

Die Schweiz kennt man in Korea: Bei der WM 2008 bekam das Land eine Goldmedaille in der Team-Demo verliehen. Deshalb wird die Schweiz die WM-Eröffnungszeremonie auch aktiv mitgestalten. „Das ist schon was Einmaliges, mit 48 Jahren nochmals sportlich richtig Gas zu geben“, sagt Rossdeutsch. Die Teamkollegen sind im Durchschnitt 24 Jahre alt. Er merke schon, „dass ich zum Regenerieren doppelt so lange brauche“, lacht er. Es sei aber unglaublich, „was man mit diesem Ziel vor Augen noch leisten kann“.

Für Rossdeutsch ist Haidong Gumdo längst nicht mehr Hobby, sondern „wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden“. Es beeinflusse merklich die physische und mentale Leistungsfähigkeit. Bei der WM wird auch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm geboten, das von Kalligrafie über Schwert-Seminare bis hin zum Koreanischen Bogenschießen reicht.

Am Ende noch ein bisschen Rossdeutsch-Vita. Wilhelm-Sattler-Realschule, danach Bankkaufmannslehre bei der Flessabank, später tätig bei der Sparkasse. Über die IBB kam er 2001 zu FAG als IT-Projektmanager. Nach Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe und sechsmonatigem täglichen Pendeln nach Herzogenaurach 2006 lockte „zur Neuorientierung die Schweiz“.

Rossdeutsch ist Leiter „Business Engineering“ in einer Züricher Bank. In Schweinfurt hat er „noch viele Freunde“. Seine Eltern und der jüngere der beiden Söhne, Pascal, leben nach wie vor hier. Pascal ist erfolgreicher Aqua-Baller bei der TG 48. Logisch deshalb „die regelmäßigen Besuche“. Übrigens: Der zweite Sohn Julian hat in der Schweiz eben erfolgreich seine kaufmännische Ausbildung beendet und startet in Zürich ins Berufsleben. Darüber, wie sich Rossdeutsch in Korea geschlagen hat, folgt ein weiterer Bericht.

Ernennung: Ein Deutscher wird Mitglied im Nationalkader der Schweiz. Neben Horst Rossdeutsch Meister Chul-Kyung Lee.
Foto: Rossdeutsch | Ernennung: Ein Deutscher wird Mitglied im Nationalkader der Schweiz. Neben Horst Rossdeutsch Meister Chul-Kyung Lee.
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