Schweinfurt

Schottenrock und Che Guevara im Rathaus

Finale mit Flamenco: Zum Ausklang gab es „pure - music & dance“.
| Finale mit Flamenco: Zum Ausklang gab es „pure - music & dance“.

Auch wenn diesmal keine Akrobaten am altehrwürdigen Fachwerkgebälk der Rathausdiele hingen: Bei der ausverkauften Kulturpa(c)kt-Gala zum Jahresende wurde viel Abwechslung geboten. Es ging weniger um die ganz großen Showeffekte. Verbindendes Grundmotiv war eher die Suche nach dem „großen Gefühl“, vielleicht auch nach mehr Miteinander im neuen Jahr. Zusammenhalt ließe sich zum Beispiel im Schweinfurter Kulturbündnis finden.

Der Verein, mit seinem Geschäftsführer Gerald J. Günther, würde gerne die 300 Mitglieder-Grenze überschreiten und sucht Neuzugänge. Erna Rauscher rührte als bewährte Moderatorin die Werbetrommel.

Kulturpa(c)kt-Sprecher Ingo Schäfer hatte die Begrüßung vor vollem Saal übernommen. Die politische Stadt vertrat Bürgermeister Karl-Heinz Kauczok. Alle Künstler stammen aus der Region und traten wie gewohnt ohne Gage auf.

Gleich zu Beginn kündigte Erna Rauscher das erste Highlight an: Ron Rockholt ist Schotte aus Mac-, pardon, Mechenried, sein Instrument die Great Highland Bagpipe: Das Festival begann erstmals mit anrührenden Dudelsack-Melodien im Schottenrock, etwa der „Highland Cathedral“, eine Ode an die „City of Glasgow“, den „Letzten Mohikaner“ oder heimkehrende Schlachtenbummler.

„Hut ab“ nennt sich die Theatergruppe der OBA: „Kunst kennt keine Behinderung“ hieß es, als die jungen Schauspieler sich augenzwinkernd mit dem Thema „Schlank, schön und perfekt“ befassten. „Lecker, schmecker, ups“ nennt sich das Stück für Feinschmecker, unterstützt von der Pädagogin Angelika Scheidig.

Neun Pr8tmänner

Gleich zu neunt traten die „Pr8männer“ an, eine A-cappella-Boygroup aus Bergrheinfeld, die die Comedian Harmonists ebenso im Gepäck hatte wie Michl Müllers „Vollwärmeschutz der Liebe“ oder die Münchner Freiheit: „Ohne dich schlaf ich heut nacht nicht ein.“ Um Abgründe des Schullebens drehte sich ein Gedicht des aufsteigenden Poetry Slam-Stars Justus Lamm, unter anderem amtierender U20-Frankenmeister.

Im zweiten Teil befasste der Vierzehnjährige sich mit dem Schicksal einer bei Nacht und Nebel abgeschobenen ukrainischen Flüchtlingsfamilie, als Opfer kühler Zeiten: „Wo die Liebe aufhört, fangen Regeln an“. Zivilcourage ist gefragt, so Lamm: dafür gab es lautstarken Beifall.

Unterschiedlichste Klangfarben

In der Welt der Musik harmonieren die unterschiedlichsten Formen und Klangfarben: So auch bei den „Flötentönen“, einem Quartett aus Notburga Bach, Beatrix Feuchtenberger, Karin Härder und Angelika Pfefferkorn, die Händel ebenso spielten wie jugoslawische Folklore.

Wenn das Jonglierduo Firlefanz, alias Silke und Matthias Ebert, von Höhen und Tiefen einer Mann-Frau-Beziehung erzählt, fliegen die Reifen und Keulen. Da springt „sie“ ihm schon mal an den Hals, während „er“ gerne die Show an sich reißen würde: Die flotte Premiere endete mit einer Liebeserklärung, dazu gab es klassische Jonglage.

Noch keine 20 Jahre alt sind Annabel und Schwester Laura Mariel aus Abersfeld, aber schon ein Phänomen an Piano und Violine: ohne Noten, dafür umso gefühlvoller. „Hijo de la Luna“ ist ein musikalisches Bad im Mondlicht, eine venezuelanische Göttin räkelt sich in einem anderen Stück im Fluss. Das hörbare Talent begeisterte auch Vater Jose Zambrano, Lehrer an der Schweinfurter Musikschule.

Das „Leben für die Revolution“, von Ernesto Che Guevara, der vor 50 Jahren in Bolivien erschossen worden ist, brachte das Trio „Agua y Vino“ auf die Bühne, mit kritischen Untertönen.

Inspiriert von einer Kubareise, befasste sich Barbara „Puppa“ Hennerfeind, zusammen mit Anke Horling und Erik Weisenberger, mit der widersprüchlichen Doppelrolle des Guerilleros. Dessen Popikonen-Porträt hat Andy Warhol viel Geld eingebracht, Fotograf Alberto Korda gar nichts. „Gibt es nicht genug Kaffee für alle, gibt es Kaffee für keinen“: Zu hören gab es Zitate des Comandante und die Che-Hymne „Hasta Siempre“ (die noch Ende der 90er die französischen Charts gestürmt hat), bevor

Slow Motion-Dramödie

Tänzerin Hennerfeind einen energischen Flamenco auf die Bühne trug: eine beeindruckende Collage, über einen Che für alle und Che für keinen.

Mit der Welt armer Campesinos gar nichts am Hut hat der Geldadels-Clan, der sich bei der Gruppe „Bianco e Nero“ zur Sektrunde trifft: Der Besuch gieriger Verwandter bei der „Erbtante“ endet als Shakespearesche Slow Motion-Dramödie, nonverbal und in Zeitlupe gespielt von Elisabeth Hachmöller, Christiane Bernhardt, Sigi Königer, Klaus Wolf und Jörg Wiedersich, rund um Leiterin Babs Günther (in der namensgebenden Rolle).

Sphärenklänge

Sphärenklänge entlockten Petra Eisend und Tobias Götz ihren Ufo-ähnlichen Hangs und Caisas, als Percussionduo „Bodenstation“: Mit Handpans lässt sich ein ganzes Universum an Tönen und Melodien durchschweben.

Der Flamencofächer wurde dann zum großen Finale geschwungen, als „pure music & dance“ zu einem Klangfeuerwerk der Musikstile einlud: mit Anne Fasel als Latino-Tänzerin, Franziska Fasel als Sängerin, den Mitspielern Andi Popp und Peter Schwinn, sowie Yannick Steinborn am Bass.

Rock aus Schottland: Ron Rockholt mit der „Great Highland Bagpipe“.
| Rock aus Schottland: Ron Rockholt mit der „Great Highland Bagpipe“.
„Hasta Siempre Comandante': Barbara Hennerfeind spürte tanzend dem Leben des legendären Revolutionärs  Che Guevara nach.
Foto: Uwe Eichler | „Hasta Siempre Comandante": Barbara Hennerfeind spürte tanzend dem Leben des legendären Revolutionärs Che Guevara nach.
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