SCHWEINFURT

Schweinfurt auf dem Weg zur Energiewende?

Kurz nach Fukushima hat eine Gruppe „verantwortungsbewusster Stadträte“ neben dem sofortigen Atomausstieg auch eine Energiewende mit allen nur denkbaren Instrumentarien verlangt (wir berichteten). Der Stadtrat einigte sich Ende März auf den Resolutions-Passus „schnellstmöglicher Ausstieg“ und vertagte den energiepolitischen Antrag. Er stand nun am Dienstag mit weiteren seit 2008 zurückgestellten Energie-Anträgen von Grünen, Linken, SWL und der SPD auf der Tagesordnung einer Sitzung der Ausschüsse Finanzen, Umwelt und Bau. Diskutiert wurden die Anträge aber ebenso wenig wie es Beschlüsse gab.

Gleichwohl waren sie Grundlage für Referate Verantwortlicher des Gemeinschaftswerkes (GKS), der Stadtwerke, Stadt und Wohnbau (SWG) und Stadt selbst über bisherige Umweltaktivitäten und den denkbaren Einsatz alternativer Energien. Erstaunlicherweise wurden dabei der Öffentlichkeit bisher unbekannte Konzepte, Studien und konkrete Anfragen von Investoren präsentiert, die möglicherweise unter Verschluss blieben, weil man sie vor Jahren noch für nicht realisierbar hielt oder sie nicht wollte. Da ist die Anfrage eines Schweizer Unternehmens von 2008 zu nennen, das im Maintal auf 50 000 Quadratmetern ein 800 Millionen Euro teures Gas- und Dampf-Kraftwerk zur Stromerzeugung bauen wollte. Kapazität: 800 Megawatt. Zum Vergleich KKW Grafenrheinfeld 1300 Megawatt. Ein weiterer Investor plante bei Oberndorf ein Solarkraftwerk, scheiterte aber laut Stadtrat Herbert Wiener (SPD) an der damaligen OB.

Es existieren – bei den Stadtwerken – die Wirtschaftlichkeitsberechnung für einen Windpark auf Schonungens Höhen mit einer Rendite von sechs Prozent und eine Studie für ein 16-Megawatt-Pumpspeicherwerk auf der Bismarckhöhe. Den Vorwurf von Stadträten, dass die Stadtwerke wegen eines jahrelangen Tiefschlafs (Ulrike Schneider/SWL) keine Kompetenz bei der Stromerzeugung habe, räumte sein Chef Thomas Stepputat sogar ein. Die Stadtwerke seien aber künftig für alle erneuerbare Energien offen, jeder Einstieg sei denkbar. Skepsis äußerte Stepputat nur bei Biogas, den Ausbau der Fernwärme nannte er trotz Kenntnis der hohen Kosten für den Leitungsbau „sehr interessant“. Schwarz sehen gelte zudem nicht, zumal der Verbrauch der Haushaltskunden schon heute fast komplett durch umweltfreundliche Energien gedeckt werde.

Auch Geschäftsführer Ragnar Warnicke sicherte zu, dass sein GKS die Steigerung der regionalen Energieerzeugung unterstützen wolle. Mehr Effizienz sei möglich durch erhöhten Abfalldurchsatz und die Verbrennung von Biomasse, Klärschlamm und bei Verfügbarkeit Holz. Warnicke sagte, dass das GKS angesichts dreizehn Gesellschafter (Stadt und Stadtwerke sind zwei) eine Beteiligung an Energieprojekten wie Windkraft erschwere. Sein Vorschlag: Runder-Energie-Tisch.

Michael Radler schilderte in der Umweltbilanz für die SWG die millionenschweren Sanierungen am Bestand, die seit 2002 den jährlichen Verbrauch an Öl und Gas um 25 Prozent reduziert haben. Die SWG biete ihre Dachflächen für Fotovoltaikanlagen Externer an, plane die Anschaffung von Stromtankstellen und Elektrofahrzeugen. Im Verbund städtischer Stellen sind das fünf E-Cars, wurde Hans Schnabel konkret. Von 79 städtischen Gebäuden würden heute schon 45 mit Fernwärme, was zu einer enormen CO2-Reduzierung (10 000 Tonen) geführt hat, ergänzte der Chef des Liegenschaftsamtes.

Die Antragstellergruppe begrüßte nach fünf Stunden das erste ernsthafte Befassen mit der Thematik ausdrücklich. Inwieweit eine rasche Energiewende gelingt, hängt freilich davon ab, ob die CSU in Schweinfurt der Staatsregierung folgt, die unter anderem die regenerative Stromerzeugung unter der Führung der kommunalen Stadtwerke als das Nonplusultra beim Umstieg betrachtet. Weil es aber beim weiteren Vorgehen schon wieder Uneinigkeit gab, ist Skepsis angebracht. Während Stefan Funk (CSU) es ausreichend ansah, die Anträge modifiziert bei den Haushaltsberatungen im November zu besprechen, verlangten Grüne, Linke, SPD und SWL eine weitere Diskussion, zumal nach der „reinen Infoveranstaltung“ ein energiepolitisches Konzept nicht erkennbar sei. OB Sebastian Remelé will nächste Woche mit den Chefs aller Fraktionen das weitere Procedere festlegen.

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