Schweinfurt

Schweinfurt: Wie Menschen der Region das Corona-Jahr erlebt haben

Maske, Lockdowns, Ausgangsbeschränkungen: 2020 war ein Ausnahmejahr. Was sie bewegt hat, wie sie 2020 erlebt haben und was sie sich wünschen, erzählen hier Leser.
'Wir haben unser Leben zu unserem Projekt gemacht', sagt Stefanie Liebold (rechts) – im Bild mit ihrer Tochter Emma.
Foto: Stefanie Liebold | "Wir haben unser Leben zu unserem Projekt gemacht", sagt Stefanie Liebold (rechts) – im Bild mit ihrer Tochter Emma.
'Wir haben unser Leben zu unserem Projekt gemacht', sagt Stefanie Liebold (rechts) – im Bild mit ihrer Tochter Emma.
Foto: Stefanie Liebold | "Wir haben unser Leben zu unserem Projekt gemacht", sagt Stefanie Liebold (rechts) – im Bild mit ihrer Tochter Emma.

Stefanie Liebold (Schweinfurt): Corona beschränkt uns auf uns selbst

"Eine Pandemie sucht man sich nicht aus. Keine Generation, nirgendwo auf der Welt. Doch wie wir damit umgehend, ob direkt unmittelbar betroffen oder nicht, das zeichnet uns als Menschen und als Teil der Gesellschaft aus. Wir haben seit März 2020 bewusst Haus und Garten auf Vordermann gebracht und haben dort Dinge erledigt, die man vielleicht sonst liegen gelassen hätte. Wir haben unser Leben zu unserem 'Projekt' gemacht. Auch lange Spaziergänge und Touren mit dem Rad durch unsere schönen Wälder haben uns gut getan und uns daran erinnert, wie gut wir es haben. Wir hatten nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben oder auf etwas verzichten zu müssen. Dann fährt man eben mal ein oder zwei Jahre nicht in den Urlaub. Das ist für uns kein Verzicht, sondern vernünftig. Wir leben schließlich nicht alleine auf der Welt und sollten uns selbst nicht so wichtig nehmen."

Andrea Weber (Schwanfeld) und ein besonderes Projekt

Aus dem Familienalbum: Hebamme Katharina Zeisner mit ihren Urenkeln Ernst, Eduard und Emilie.
Foto: Archiv Weber | Aus dem Familienalbum: Hebamme Katharina Zeisner mit ihren Urenkeln Ernst, Eduard und Emilie.

"Mein Projekt des Jahres 2020 war es, ein altes, in Süttterlin geschriebenes Hebammenbuch zu entziffern und in lateinische Schrift, nahe am Original, zu übertragen. Das Buch wurde von Katharina Zeisner, meiner Urururgroßmutter und Hebamme in Vasbühl, von 1862-1900 verfasst. Es sind beinahe 700 Geburten aufgelistet. Bewegt hat mich dabei zum Beispiel die Geburt ihrer eigenen Tochter an Heiligabend. 'Am 24ten Dezember ist unser Kind geboren, es ist ein Mädchen und heißt Angnes und die Geburt dauerte 24 Stunden' Erschütternd sind die dokumentierten Komplikationen, die zur damaligen Zeit nicht zu einer glücklichen Geburt führten. Die Säuglingssterblichkeit war sehr hoch. Man wird beim Lesen etwas demütig, und nimmt unseren heutigen hohen Lebensstandard und die gute medizinische Versorgung wahr . Wenn man sich die Bedingungen vor gerade mal 150 Jahren vorstellt, unter denen unsere Vorfahren gelebt haben, dann sollten wir heute in der Lage sein, eine Zeit der Einschränkungen durchzustehen. Das wünsche ich uns allen. Wer die Abschrift des Hebammenbuches per Mail zugesandt haben möchte, kann sich unter anda.weber@gmx.net melden."

Gaby Wenzel: Das Beste, was uns 2020 passiert ist

Familienzuwachs Lina.
Foto: Gaby Wenzel | Familienzuwachs Lina.

"Das Beste was uns in diesem verrückten Jahr passiert ist, heißt Lina. Während des ersten Lockdowns sind wir sehr viel alleine durch Wald und Flur spazieren gegangen, mit leeren Händen, ohne Leine. Seit Juli lebt nun Lina, eine zweijährige Hündin aus dem Tierschutz, mit uns, und alles macht wieder Sinn. Ihre unbändige Lebensfreude hält uns bis heute gesund und fit."

Bettina Müller (Schweinfurt) und ihre Eintrittskarte in ein besonderes Jahr

Diese Eintrittskarte brachte der Sohn von Bettina Müller von einer Silvesterfreizeit mit.
Foto: Bettina Müller | Diese Eintrittskarte brachte der Sohn von Bettina Müller von einer Silvesterfreizeit mit.

"2020 was für ein Jahr! So sah unsere 'Eintrittskarte' aus, und wer hätte gedacht, dass das Motto 'My home is my castle' solch eine Bedeutung gewinnt? Dabei hätten wir unser Schloss manchmal lieber mit einer einfachen Hütte in den Bergen oder am Strand getauscht.  Wer hätte gedacht, dass das Ergattern von Klopapier ähnliche Glücksgefühle auslösen kann, wie zu den ersten Besitzern des lang ersehnten, neuesten Handymodells zu gehören; dass man auch mit Maske sein wahres Gesicht zeigen kann und 'Augen lesen' in Mode kommt; dass die Frage 'Hast du die Schlüssel dabei?',  vor Verlassen der eigenen vier Wände, um das wichtige Detail 'Und deine Maske?' ergänzt werden muss oder, dass sich Sofas als sehr robust erweisen und trotz vieler darauf verbrachter Stunden immer noch nicht durchgesessen sind? Diese Aufzählung lässt sich bestimmt noch beliebig fortführen. Leider ist nicht jede Erinnerung an 2020 mit solch einem Augenzwinkern verbunden wie meine Beispiele, sondern für viele Menschen mit Sorgen und Nöten. Hoffentlich gab es aber trotzdem die ein oder andere positive Erinnerung oder Erfahrung, und sei sie noch so klein. Der Blick dafür sollte uns auch im Jahr 2021 nicht verloren gehen.

Uschi Brey: Es war wie ein Überfall auf die Menschheit

2020 hat Uschi Brey nachdenklich gemacht.
Foto: Uschi Brey | 2020 hat Uschi Brey nachdenklich gemacht.

"Es war wie ein Überfall an die Menschheit auf dem ganzen Globus. Wir mussten alle aufwachen. Gut oder schlecht? Wie man es nimmt. Gut: damit wir aufwachen, das Leben vielleicht etwas ruhiger anzugehen. Schlecht: viel Geduld, Leid oder sogar Tod ertragen zu müssen. Innehalten in jeglicher Richtung. Dadurch wird man sehr nachdenklich und macht so einiges anders."

Gisela Warmuth: Kopf hoch und durch, es muss weitergehen

Gisela Warmuth an der Nähmaschine.
Foto: Gisela Warmuth | Gisela Warmuth an der Nähmaschine.

"Dieses Jahr hat alle Menschen durcheinander gebracht. Aber es muss weitergehen. Kopf hoch und durch, das war schon immer mein Motto. Für mich war das Jahr 2020 die einmalige Gelegenheit, endlich mal mit meinem langersehntes Hobby, dem Nähen, wirklich zu beginnen. Endlich Zeit! Ich wünsche allen viel Gesundheit und ein gutes neues Jahr 2021."

Sabine Lechner (Brebersdorf) und ihr Alu-Kommando

'Strahlenschutzkommando', hat Sabine Lechner ihr Bild von einem Sommerausflug genannt.
Foto: Sabine Lechner | "Strahlenschutzkommando", hat Sabine Lechner ihr Bild von einem Sommerausflug genannt.

"Für meine Familie und mich, zwei Erwachsene und zwei kleine Kinder, war das vergangene Jahr alles andere als Routine. Familienfeste wurden abgesagt oder auf irgendwann verschoben. Der Kindergarten war 14 Wochen geschlossen, eine Herausforderung für die ganze Familie, und man erkennt eine gute Betreuung der Kinder erst jetzt richtig Wert zu schätzen. 2020 habe ich gelernt, dass weniger mehr ist. Die Ausflüge, die ich mit meiner Familie erleben durfte, bleiben in Erinnerung und ich blicke heute auf einen schönen Sommer zurück. Das ausgewählte Foto trägt den Titel 'Strahlenschutzkommando'. An einem schönen Tag im August haben wir uns mit Freunden zu einem gemeinsamen Ausflug zum Freilandmuseum nach Fladungen verabredet. Leider war das Wetter in der Rhön kalt und regnerisch. Unvorbereitet auf diese Wetterlage, haben wir uns trotzdem dazu entschieden, in das Museum zu gehen. Nachdem der Regen immer stärker wurde, kamen meine Freundin und ich kurzer Hand auf die Idee, die Picknickdecken umzufunktionieren. Unsere Männer waren belustigt über unsere neue Modekreation. Es fielen Kommentare wie: 'Ihr tragt auch Alu-Hüte in euer Freizeit!' Wenn ich das Foto heute betrachte, muss ich schmunzeln. Der Tag war wunderschön und wir haben uns mit dem unbeständigen Wetter arrangiert. Unsere vierjährige Tochter erzählt heute noch von dem Ausflug. So unvorbereitet, wie wir bei diesem Museumstag auf das Wetter waren, so in der Art ist es den Menschen in der ganzen Welt im Frühling mit dem Coronavirus ergangen. Man wusste nicht, was auf einen zukommt und wie man sich schützen kann. Viele wurden kreativ und haben die vorgegebene Situation ganz gut gemeistert. Ich finde, es hat sich in diesem Jahr gezeigt: Nicht alles ist negativ zu bewerten. Es kann sehr gut werden, wenn man die veränderten Verhältnisse annimmt und sich mal auf sein Bauchgefühl verlässt. Mit Zuversicht und Kreativität blicke ich in das kommende Jahr. Ich freue mich auf alles, was ich mit meiner Familie erleben und erfahren darf. Wir alle werden das irgendwie meistern!"

Familienzeit bei Familie Federlein (Schwanfeld)

Auch gemeinsame Ausflüge mit dem Rad standen bei Familie Federlein aus Schwanfeld 2020 auf dem Programm.
Foto: Federlein | Auch gemeinsame Ausflüge mit dem Rad standen bei Familie Federlein aus Schwanfeld 2020 auf dem Programm.

"Nach der anfänglichen Schockstarre im März und den ersten beiden Wochen im Homeschooling entspannte sich die Lage allmählich. Da ich mit einem Vollblut Handwerker verheiratet bin und bereits Ende 2019 die Renovierung einiger Zimmer in unserem Hause anstanden, hatten wir sehr viel Baumaterial gelagert. Wir nutzen den Stillstand und das Zuhausebleiben zu viert und haben alle zusammen gestrichen, Boden verlegt, Heizkörper gesetzt, Fliesen geschnitten, Möbel zusammengebaut. Schön war für uns Eltern, dass unsere beiden Mädels immer greifbar waren und sie einige Handgriffe lernen konnten. Sie haben gelernt, ihre eigene Arbeit und die der Eltern wert zu schätzen. Auch das Kuchen und Tortenbacken kam nicht zu kurz. In den Sommerferien freuten wir uns, dass wir doch noch Urlaub machen konnten. Mit der Oma an der Nordsee oder als Highlight die Olperer Hütte in Österreich. Aber auch Fahrradtouren und Wanderungen in der Region kamen nicht zu kurz. Auch wurde unser Garten rege genutzt, nicht nur zum Grillen sondern auch zum Sport treiben von unseren Kindern. Wir haben viel gute Familienzeit nutzen können."

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