Schweinfurt

Schweinfurter Stadtteile: Industrie- und Gewerbepark Maintal

Die Bauarbeiten gehen weiter. Noch ist viel Platz im Industrie- und Gewerbepark.
Foto: Anand Anders | Die Bauarbeiten gehen weiter. Noch ist viel Platz im Industrie- und Gewerbepark.

FAG Kugelfischer hatte die Wälzlagerindustrie in den neuen Bundesländern gekauft, scheiterte und stand am Abgrund, zog Schweinfurt mit sich, machte Main/Rhön 1993/94 zu der bundesdeutschen Krisenregion. Allenthalben wurde nach dem Strukturwandel gerufen. Die Politik ermöglichte das Museum Georg Schäfer, das Landessozialgericht kam an den Main, doch damit stellte sich kein Strukturwandel, sondern ein Imagegewinn ein. Der Strukturwandel fand ab 1997 mit der Vermarktung des Industrie- und Gewerbeparks Maintal statt, wo sich „lauter schöne kleine Betriebe angesiedelt haben“. Zitiert ist Hans Schnabel, damals wie heute Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Schweinfurt.

Für Industrie und Gewerbe

Bei der Landkreisgebietsreform zu Beginn der 1970er Jahre ging Schweinfurt fast leer aus. Die Stadt bekam keinen Quadratmeter besiedeltes Land, sondern mit der Umgemarkung von 152 Hektar Grafenrheinfelder Flur – der heutige Industrie- und Gewerbepark Maintal – nicht mehr als ein Trostpflaster.

Das flache Terrain zwischen der A 70 und der Kreisstraße Gochsheim/Grafenrheinfeld, zwischen dem Schweinfurter Baggersee und Grafenrheinfeld eignete sich bestens für Industriebetriebe. BMW war damals im Gespräch. Doch lange tat sich nichts.

Eigentümer mussten verkaufen

Mit der Krise in der Großindustrie änderte sich dies schlagartig. Unter Führung von Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser wurde das Maintal eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, was heißt, dass die Stadt enteignungsgleich alle Grundstücke zu einem von ihr festgesetzten Preis (7,50 Mark pro Quadratmeter) kaufen konnte. Lediglich die Einigung mit den Kleingärtnern am Main dauerte und wurde letztendlich mit Ablösegeldern für die Gartenhäuser geregelt.

10 000 Arbeiter und Angestellte verloren durch die Krise Mitte der 1990er Jahre ihren Job. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in der Stadt sank von 52 000 auf 42 000; die Arbeitslosenquote kletterte auf 19,8 Prozent. Heute hat Schweinfurt mehr Arbeitsplätze als 1992: aktuell 55 000.

110 Betriebe

Auf Kurs brachte Edgar Lösch, damals Leiter des Bauverwaltungsamtes im Rathaus, den Industrie- und Gewerbepark. „Er hat einen Superjob gemacht hat“, sagt Schnabel, der 1995 das Amt für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften übernahm und der mit Hans Schaupp bis heute und erfolgreich das Maintal vermarktet hat und vermarktet.

Verkauft und großteils bebaut ist aktuell im Maintal eine Nutzfläche von 67,8 Hektar. Angesiedelt haben sich 110 Betriebe mit 3800 Arbeitsplätzen. Noch zu haben sind 19,5 Hektar – vor allem in der Nähe zur Kreisstraße nach Grafenrheinfeld. Und weil dort ein Wohngebiet angrenzt, kommen im südlichen Maintal keine lärmintensiven Betriebe zum Zug. Zugelassen ist dagegen ein weiteres großes Autohaus (Audi). Auch für eines der seit Jahren auf eine Bebauung wartenden Grundstücke im Norden an der Autobahn laufen Verhandlungen.

Ausgaen und Einnahmen

Eingenommen hat die Stadt durch den Grundstücksverkauf bislang 32 223 901 Euro. Sobald die Restflächen (55 Euro pro Quadratmeter) einen Käufer gefunden haben, werden die Erlöse auf 43 Millionen Euro angewachsen sein – bei Investitionen von 50 Millionen Euro (vor allem für den Grundstückskauf, die Straßen und weitere öffentliche (Grün-)Flächen sowie die Ver- und Entsorgung samt Kanälen, Pumpwerk und Düker zum Klärwerk).

Beurkundet wurde ein erster Grundstücksverkauf in der Romstraße 1 (SRAM – Zweiradkomponenten) im Dezember 1997. Heute werden im Maintal Möbel, Autos und Küchen verkauft, der Fleischering bedient seine Kundschaft, ein Hotel bietet Übernachtungen, es gibt eine Tankstelle und einen Burger-King, gebrauchte Computer werden aufpoliert und aufgerüstet, SRAM überrascht immer wieder mit Weltneuheiten für den Fahrradmarkt, im Business-Park mieten sich Firmen ein, Schmuckkacheln für Bad und Küche werden kreiert und gefertigt, ein Kakerlagen-Killer wurde patentreif, der Zoll hat im Maintal gleich zwei Niederlassungen, es gibt Speditionen und Zulieferer für die Großbetriebe, Autos werden gewaschen und Schrott entsorgt, Bauteile geprüft und mit Pumpen für Pool und Wellness gehandelt. Auch eine Leasing-Bank hat sich niedergelassen.

„Skelette“ aus Stahl wachsen auf dem Boden.
Foto: Anand Anders | „Skelette“ aus Stahl wachsen auf dem Boden.
In der Nachbarschaft zur aktuellen Kiesausbeute der Firma Glöckle hat die Stadt eine Deponie für Erdaushub angelegt.
Foto: Anand Anders | In der Nachbarschaft zur aktuellen Kiesausbeute der Firma Glöckle hat die Stadt eine Deponie für Erdaushub angelegt.
Die Stadt wird bis zum Ende der Bebauung im Maintal 50 Millionen Euro für Grunderwerb und Erschließung ausgegeben haben.
Foto: Anand Anders | Die Stadt wird bis zum Ende der Bebauung im Maintal 50 Millionen Euro für Grunderwerb und Erschließung ausgegeben haben.
Mit dem Fahrradkomponentenhersteller SRAM begann die Besiedelung. Aus dem Maintal kommen heute die innovativsten Schaltungen für den weltweiten Fahrradmarkt.
| Mit dem Fahrradkomponentenhersteller SRAM begann die Besiedelung. Aus dem Maintal kommen heute die innovativsten Schaltungen für den weltweiten Fahrradmarkt.
Das große Bürogebäude am ersten Kreisel und ein ganzer Business-Park bieten Platz für mehrere Mieter und auch für Firmengründer.
| Das große Bürogebäude am ersten Kreisel und ein ganzer Business-Park bieten Platz für mehrere Mieter und auch für Firmengründer.
Neben BMW (Foto) und Mercedes kommt mit Audi (an der Kreisstraße nach Grafenrheinfeld) alsbald ein weiteres Autohaus in den Industrie- und Gewerbepark.
| Neben BMW (Foto) und Mercedes kommt mit Audi (an der Kreisstraße nach Grafenrheinfeld) alsbald ein weiteres Autohaus in den Industrie- und Gewerbepark.
Bei der Planung für das Maintal war an eine Landesgartenschau mit dem Thema „Grün und Industrie“ gedacht, was einige Architekten zu außergewöhnlichen Ideen inspirierte.
| Bei der Planung für das Maintal war an eine Landesgartenschau mit dem Thema „Grün und Industrie“ gedacht, was einige Architekten zu außergewöhnlichen Ideen inspirierte.
Das weithin sichtbare „Wahrzeichen“ des Industrie- und Gewerbeparks: Der rote Stuhl von XXXL Neubert.
Foto: Anand Anders | Das weithin sichtbare „Wahrzeichen“ des Industrie- und Gewerbeparks: Der rote Stuhl von XXXL Neubert.
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