Sennfeld

Sennfelder im Kampf gegen eine Tropenkrankheit

Die Indiohilfe Peru hilft Dr. Simone Kann, Chagas, eine heimtückische Tropenkrankheit, in den Griff zu bekommen.  Dazu trägt auch eine 15 000-Euro-Spende für Schuhe bei.
Dr. Simone Kann (vierte von links) hilft in Zusammenarbeit mit der Indiohilfe Sennfeld in Kolumbien.
Foto: Simone Kann | Dr. Simone Kann (vierte von links) hilft in Zusammenarbeit mit der Indiohilfe Sennfeld in Kolumbien.

Armut und Krankheit: Ein Teufelskreis. Aber, man kann ihn sprengen. Mit Energie, mit Gemeinschaftsgeist, mit Impulsen von außen. Und mit Unterstützern wie der Indiohilfe Peru, entstanden in Sennfeld. Emil und Sigrid Heinemann haben die Organisation 1984 gegründet, nach einer Peru-Reise.  Was in Peru anfing, weitete sich auf andere Teile Südamerikas aus. Mexiko, Kolumbien, Kuba. 

Eine Armutserkrankung

Mit kleinen Schritten helfen, ist das Motto der Indiohilfe. Das zeigt sich beim neuesten Hilfsprojekt in Kolumbien, gemeinsam mit Dr. Simone Kann vom Missionsärztlichem Institut in Würzburg. Die Indiohilfe unterstützt die Ärztin im Kampf gegen Chagas. Die Krankheit ist eine tropische Armutserkrankung, erzählt die Ärztin zusammen mit den Heinemanns. Dr. Kann und die Sennfelder  arbeiten schon seit Jahren zusammen. 

Auch Dank der Sennfelder Unterstützung kann sie in Kolumbien auch mit einem mobilen Ultraschallgerät arbeiten. Die Funktion hat sie bei einer Untersuchung einem der ersten Patienten so erklärt: "Ich schau mal, ob Du von innen auch so schön aussiehst wie von außen." Das hat sich zu einem geflügelten Wort entwickelt. Dr. Kann ist auch noch immer gerührt, wenn sie an die Freude einer schwangeren Frau denkt, die ihr Baby im  Ultraschall gesehen hat. 

Kann sagt auch deutlich, warum medizinische Hilfe für die Indigenen in Kolumbien so wichtig ist. Viele Krankenhäuser würden sie abweisen. Auch, wenn jemand Tage unterwegs sein kann, bis er von seinem Dorf in eine Klinik kommt.  Die Diskriminierung der Indigenen zeige auch jetzt während Corona hässliche Züge: Ihnen werde die Schuld an der Pandemie zugewiesen. Spenden halfen auch, die Familien mit Lebensmittelpaketen zu unterstützen während Corona. 

Kampf auch gegen Korruption 

Chagas ist vor allem für die indigene Bevölkerung ein Problem, erzählt die Ärztin, die viel Zeit vor Ort in Kolumbien verbringt, Projekte betreut, unterstützt - und auch gegen Korruption kämpft.  Ihr Motto: "Ich zahle nichts." Ist sie in Deutschland, forscht sie in ihrem Chagas-Labor, auch das wurde unter anderem von der Indiohilfe unterstützt. Hilfe kommt auch von der Else Kröner Fresenius Stiftung. 

"Kann hat eine neue diagnostische Methode entwickelt, mit der man schnell und sicher Chagas feststellen kann.  Das Labor in Würzburg und analog dazu eins in Kolumbien sind erforderlich, um die Methode wissenschaftlich zu etablieren", heißt es auf der Homepage von Copal, eines Vereins, der das Missionsärztliche Institut in seinem Kampf gegen Chagas unterstützt.

Die offiziellen Zahlen der WHO liegen bei 6 bis 7 Millionen weltweit Infizierten. Kann schätzt, dass es weitaus mehr gibt, auch weil die Indigenen in dieser Statistik nicht vorkommen. Sie hält 14 bis 18 Millionen Chagas-Infizierte weltweit für realistisch. Übertragen wird die Krankheit von Raubwanzen, die in Lehmhütten mit Strohdächern ideale Bedingungen finden. Die Infektion erfolgt allerdings nicht durch den Stich, sondern durch das Einreiben des erregerhaltigen Kotes, den das Insekt während des Saugens absetzt. Zugang zu Behandlungen haben die Dorfbewohner kaum, Mangelernährung erhöht das Risiko.  Bei etwa einem Drittel der Infizierten stellen sich Folgeerkrankungen ein. Folge kann eine chronische Herzvergrößerung und ein massives Auftreiben von Speiseröhre und Dickdarm sein. "Junge Männer gehen mit ihrer Mutter zum Markt und fallen tot um", schildert Kann.  "Das ist nicht ungewöhnlich."

Dr. Simone Kann mit einem Parasiten, der in einem kolumbianischen Jungen  entdeckt wurde.
Foto: Susanne Wiedemann | Dr. Simone Kann mit einem Parasiten, der in einem kolumbianischen Jungen entdeckt wurde.

Dr. Kann und ihr Team untersuchen die Menschen, behandeln die mit Chagas infizierten medikamentös. Vor Ort wird die Therapie von einem Arzt begleitet. Ganz wichtig: Die Unterstützung des Oberhauptes der Gemeinde, des Mamo. "Das sind extrem gebildete Menschen", sagt Simone Kann. "Die schauen einem direkt ins Herz." 

Die Raubwanze bekämpfen, über Hygiene aufklären, ist eine Sache. Die Dörfer bekommen aber auch ganz einfache Wasserfilter. Auch dadurch verbessert sich die Situation erheblich, Parasiten, Keime  treten weniger oder kaum auf. Leute aus den Dörfern werden zu Helfern ausgebildet, gehen von Haus zu Haus, klären die Hausfrau auf. Zum Beispiel über die Wasserfilter. 

Emil und Sigrid Heinemann, die Gründer der Indiohilfe. Das Foto entstand 2019, als die Hilfsaktion 35-jähriges Bestehen feierte.
Foto: Susanne Wiedemann | Emil und Sigrid Heinemann, die Gründer der Indiohilfe. Das Foto entstand 2019, als die Hilfsaktion 35-jähriges Bestehen feierte.

Zusammen mit der Indiohilfe startet Dr. Kann jetzt ein ganz praktisches Projekt, um Infektionen zu verhindern. Mit 15 000 Euro Spendengeldern werden Schuhe gekauft, knöchelhoch. Die schützen nicht nur vor Insektenbissen, sondern auch vor Schlangen. Wer barfuß läuft, hat oft Wunden an den Füßen, auch das ist eine Quelle für Infektionen. Kann kauft die Schuhe direkt in Kolumbien, verteilt sie dann mit ihrem Team.

Dr. Simone Kann in ihrem spenden-finanzierten Chagas-Labor in Würzburg. 
Foto: COPAL e.V. | Dr. Simone Kann in ihrem spenden-finanzierten Chagas-Labor in Würzburg. 

Wann sie wieder dorthin fliegen kann, weiß sie noch nicht. Sie hofft, zum Jahresende reisen zu können. Im Moment wird untersucht, wie die Bekämpfung der Raubwanze läuft. Man versucht Chemie und Kräuter, schaut, was am besten funktioniert. Kleine Schritte, eben. 

Kontonummer Indio-Hilfe: DE21790 690 10000 641 0979. 

In einer früheren Version des Textes war von einem Projekt in Bolivien die Rede.  Es handelt sich aber um Kolumbien. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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