GEROLZHOFEN

Sie haben ihre Wurzeln gefunden

Bis tief in die Nacht wurde am Samstag in der Stadthalle gefeiert, als 500 Menschen aus ganz Deutschland mit gemeinsamen Wurzeln in Sanktmartin erstmals in die fränkische Heimat ihrer Urahnen kamen.
Foto: Hubert Zink | Bis tief in die Nacht wurde am Samstag in der Stadthalle gefeiert, als 500 Menschen aus ganz Deutschland mit gemeinsamen Wurzeln in Sanktmartin erstmals in die fränkische Heimat ihrer Urahnen kamen.

„Es war eine ganz tolle Veranstaltung!“ Stadträtin Hannelore Hippeli steht noch immer unter dem Eindruck des Großereignisses, das sich am vergangenen Wochenende in Gerolzhofen abgespielt hat. Über 500 Gäste waren zum Landsmanntreffen ehemaliger Bewohner von Sanktmartin aus dem ganzen Bundesgebiet in die Steigewaldstadt gereist. „Das war das schönste Fest, das ich die letzten zehn Jahre in der Stadthalle erlebt habe“, schwärmt auch Stadtrat Hubert Zink, der mit seiner Ehefrau Heike am Samstag bei der Betreuung der Gäste mithalf.

Unter der Organisationsleitung von Bernhard Fackelmann hatten etwa 200 Personen – allesamt ehemalige Einwohner oder deren Nachfahren aus Sanktmartin im heutigen Rumänien – einen dreitägigen Aufenthalt von Freitag bis Sonntag in der Region gebucht. Am Samstag kamen dann noch einmal über 300 Tagesgäste hinzu. Alle begaben sich auf die Spur ihrer Urahnen, die im Jahr 1724 in Zeiten großer Not aus Gerolzhofen und anderen fränkischen Dörfern in einem großen Treck nach Elek (heute Ungarn) und ins benachbarte Sanktmartin ausgewandert waren.

Video

Schon vor einem Jahr war Bernhard Fackelmann in Gerolzhofen vorstellig geworden. Im Rahmen seiner aufwändigen Ahnen-Forschung war er darauf gestoßen, dass der fränkische Aussiedlerzug damals nicht nur – was schon lange bekannt ist – das Dorf Elek wiederbesiedelt hatte, sondern dass auch viele Franken ins benachbarte Sanktmartin weitergezogen waren. Und was lag da näher, als das alle zwei Jahre stattfindende Landsmanntreffen der Sanktmartiner diesmal in Gerolzhofen stattfinden zu lassen, quasi in ihrer Urheimat. Vor einem Jahr hatte sich Fackelmann dann gleich die Voroptionen für alle verfügbaren Hotelbetten in der Region gesichert.

Für Freitagnachmittag war der Main-Dampfer „Undine“ gechartert worden. Von Volkach aus fuhr man mainaufwärts in Richtung Wipfeld. Die etwa 200 Teilnehmer zeigten sich bei herrlichstem Spätsommerwetter begeistert von der Schönheit der Landschaft. Am Abend ging es dann mit drei Bussen nach Oberschwarzach in die Alte Scheune von Familie Wagner, wo eine typisch fränkische Weinprobe stattfand.

Video

Höhepunkt des Festes war der Samstag. Zentraler Anlaufpunkt war die Stadthalle. Weil die Halle angesichts des erwarteten Besucheransturms an ihre Kapazitätsgrenzen kam, musste man improvisieren, erzählt Hannelore Hippeli, im Stadtrat die Partnerschaftsbeauftragte. Auch die Bühne und die Vorräume wurden bestuhlt, an der Ostseite zusätzliche Zelte aufgebaut. Auf dem Festgelände verteilt waren mehrere Verpflegungsstände aufgebaut. Die Versorgung durch den Stadthallen-Wirt habe trotz der Menschenmassen reibungslos funktioniert, lobt Hippeli. Für den ursprünglichen Plan der Organisatoren, auf dem alten Sportplatz des TV Gerolzhofen ein Festzelt aufzubauen, habe sich die Vorstandschaft des Turnvereins leider nicht erwärmen können.

Video

Große emotionale Momente gab es beim Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche, in dem Gotteshaus, in dem anno 1724 die Auswanderer vor ihrer Abreise noch einmal den Segen erhalten hatten. Viele ehemalige Sanktmartiner würden auch Jahrzehnte nach dem Aussiedeln und dem Umzug nach Deutschland noch immer unter Heimweh leiden, sagte Bernhard Fackelmann in seinem Grußwort zu Beginn der Messe. Doch nun mache sich bei vielen das Gefühl breit, endlich wieder eine Heimat gefunden zu haben – in der alten Heimat der Vorfahren. „Denn wir sind Franken!“

Nur positive Reaktionen

Diese Emotionen und so manche Träne hat auch Hannelore Hippeli bemerkt. „Die Leute sind überglücklich, endlich ihre Wurzeln gefunden zu haben.“ Und sie kann sich gut vorstellen, dass ein derartiges Treffen wieder einmal in Gerolzhofen stattfindet. Denkbar ist natürlich auch, dass in die Arbeit des schon bestehenden Elek-Partnerschaftskomitees unter der Leitung des Vorsitzenden Siegfried Brendel jetzt auch Vertreter der Sanktmartiner eingebunden werden.

Nur positive Reaktionen hat auch die Leiterin der Touristinformation, Beate Glotzmann, entgegennehmen dürfen. „Es waren rührende und bewegende Begegnungen“, sagt Glotzmann über die zahlreichen Sanktmartiner, die sich am Wochenende im Alten Rathaus mit Informationen eindeckten. „Die haben sich total gefreut, dass sie zu den Ursprüngen ihrer Ahnen zurückgekehrt sind.“

Glotzmann hat aber auch festgestellt, dass viele der Gäste nicht zum ersten Mal in Gerolzhofen waren. Denn gleich nach der Veröffentlichung der Fackelmann'schen Forschungsergebnisse hätten viele ehemaliger Sanktmartiner die Stadt ihrer Vorväter schon mal privat besucht, gleichsam inkognito. Aus Sicht der Fremdenverkehrsexpertin wäre es natürlich wünschenswert, wenn künftig die Treffen der Sanktmartiner immer in Gerolzhofen stattfinden würden, ähnlich dem Landsmanntreffen der Biliner.

Eine besonders nette Begegnung hatte das Ehepaar Elfriede und Uwe Teutsch. Am Samstag stand plötzlich eine kleine Gruppe in ihrem Buchladen am Weißen Turm. Die Gäste aus Leverkusen hätten sich höflich als „Familie Deutsch“ vorgestellt, erzählt Uwe Teutsch, „Deutsch mit weichem d.“ Genealogische Forschungen hätten ergeben, dass deren Urahn ein Auswanderer namens Teutsch aus Gerolzhofen gewesen sei. „Jetzt haben wir eine neue Verwandtschaft“, lacht der Verleger. Und: „Wir wollen uns demnächst wiedertreffen.“

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Schweinfurt und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Auswanderer
Beate Glotzmann
Hubert Zink
Stadträte und Gemeinderäte
Vorfahren
Zink
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!