SCHWEINFURT

Songwriter-Nacht: Echte Musik von echten Musikern

„Musik ist schon geil“: Markus Rill, Jochen Volpert und Carola Thieme beim Kneipenkonzert.
Foto: Josef Lamber | „Musik ist schon geil“: Markus Rill, Jochen Volpert und Carola Thieme beim Kneipenkonzert.

Es gab einmal eine Zeit, da interessierten sich die Mächtigen der Plattenfirmen und der Radiostationen noch für die Musik, mit der sie ihr Geld verdienten. Da schickten sie Talentsucher inkognito in die Konzerte – noch – namenloser Musiker, von denen sich irgendwie herumgesprochen hatte, dass sie was drauf hätten. Da traute man sich noch, Karrieren solide aufzubauen.

Heute macht der Computer das Radioprogramm, und die Talentsuche haben weitgehend die Castingshows übernommen. Die Wenigen, die nicht gleich aussortiert werden, machen sternschnuppenartige Minikarrieren und verschwinden dann für immer von der Bildfläche. Denn schon werden die Nächsten auf den Markt geworfen, um sich ihre 15 Minuten Berühmtheit abzuholen.

Glücklicherweise ist dies nicht die ganze Wahrheit. Denn es gibt gar nicht so wenige Musiker, denen ihre Musik wichtiger ist als kurzlebige Castingshow-Titel. Markus Rill ist so einer. Der unterfränkische Songschreiber mit der rauchigen Stimme, der sich selbstbewusst zwischen Folk, Blues, Country, Rock'n'Roll und Rockabilly bewegt, hat mit vielen Großen auch und gerade in den USA gespielt. Auf eine reine Profikarriere aber hat er bewusst verzichtet – der Familie aber auch der Musik selbst zuliebe. „Sonst musst du 150 Konzerte im Jahr spielen, und zwar jeden Mist“, sagt Rill.

Es hat deshalb neben der Musik einen Brotberuf – übrigens bei dieser Zeitung – und spielt etwa 50 Konzerte im Jahr, meist in Deutschland und Skandinavien, etwa ein Dutzend davon mit seiner Band „The Troublemakers“. Seit vergangenem Jahr veranstaltet er die Songwriter-Nächte im Stattbahnhof – lockere Kneipenkonzerte, zu denen er internationale Kollegen einlädt, die entweder gerade auf Tour und deshalb in der Gegend sind oder mit denen er schon immer mal musizieren wollte.

Am Donnerstag waren das Carola Thieme und Jochen Volpert aus Würzburg – sie Sängerin mit dunkler Altstimme, er Gitarrist mit stilistischen Möglichkeiten vom erdigen Blues über fetzige Fusion bis hin zum eleganten Swing. Als Duo „Thieme.Volpert“ spielen die beiden lässigen Jazz mit Tiefe. Volpert war oft Sideman für den nachmaligen Voice-of-Germany-Sieger Andreas Kümmert. Ob er so bald wieder mit ihm spielen wird, weiß er nicht: „Mal schauen, ob er das noch darf, oder ob er eine Band auf's Auge gedrückt kriegt.“

Gerade weil auch sie nicht nur von der Musik leben, können Thieme.Volpert es sich leisten, Eigenkompositionen zu spielen. „Die Leute wollen erstmal Zeug hören, das sie schon kennen“, sagt Volpert. So erkläre sich auch der Boom der Cover- und Tribute-Bands. Wer also immer nur die Hits hört, dem entgehen wunderbare Songs wie „Sands of Time“ von Carola Thieme, den Volpert auf der Akustischen mit ultratrockenen Pickings begleitet. Oder Markus Rills rasanter „Desperate ride“. Auch wenn Thieme, Volpert und Rill an diesem Abend das ein oder anderen Cover spielen, immer finden sie einen ganz eigenen Zugang. Eric Claptons „Before you accuse me“, Randy Newmans „Louisiana 1927“ oder Bruce Springsteens „Hungry heart“ (passend am Vorabend des neuen Albums) sind unabhängige Nachschöpfungen – kreativ und doch voller Respekt für die Urversionen.

Markus Rills Songwriter-Nächte sind eine schöne Möglichkeit, echte, handgemachte Musik von echten Musikern aus nächster Nähe zu erleben. Hier lassen sich Vertreter unterschiedlicher Stile aufeinander ein und riskieren etwas. Rill: „Das Scheitern ist nicht ausgeschlossen.“ Am Donnerstag jedenfalls ist niemand gescheitert. Oder, um es mit Jochen Volpert zu sagen: „Musik ist schon geil.“

Die nächsten Termine: 6. März mit Frieder Graef aus Schwabach/Mittelfranken. Charterfahrener Gitarrist, der mit Bela B., Waikiki beach Bombers und Smokestack Lightnin' auf Tour war und jetzt als Solo-Songwriter antritt. 3. April mit Brett Perkins/USA. Perkins stammt aus Kalifornien und bietet entspannten Westcoast-Sound. Er lebt seit Jahren in Skandinavien. Beginn ist immer um 20 Uhr.

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