Stapellauf im "Drei-Kaiser-Jahr" 1888

schweinfurt (ert) Ständiger Gast im Schweinfurter Hafen ist das Gütermotorschiff (GMS) "Karlsburg" - mit 115 Jahren das älteste Schiff, das den Main befährt. Vom Stapel gelaufen im "Drei-Kaiser-Jahr" 1888.

Von Geburt ist die "Karlsburg" Holländerin. Das Schiff wurde als Zwei-Masten-Lastensegler gebaut und verkehrte zunächst mit der Kraft des Windes oder von Pferden gezogen im Nachbarland, erzählt Toni Ohmer, Eigner des Schiffes. Jetzt heißt der Heimathafen Zellingen. Mit 51 Meter Länge, 7,58 Meter Breite und 2,27 Metern maximalem Tiefgang ist die "Karlsburg" angesichts von Schubverbänden bis 190 Metern Länge auf dem Main eher ein Winzling. Dennoch garantiert sie ihrem Besitzer ein Auskommen.

Ohmer hat eine Nische entdeckt. Er pendelt mit Sand oder Kies hauptsächlich zwischen Marktbreit und Stettfeld hin und her. "Manche Firmen können gar keine größeren Mengen auf einmal gebrauchen. Die Silos fassen 650 Tonnen. Wenn mehr angeliefert wird, muss es im Freien gelagert und zweimal mit dem Bagger umgesetzt werden. Das ist unrentabel. Da komme ich mit meinen 535 Tonnen Ladekapazität gerade richtig", sagt er. Zudem arbeite die 460-PS-Diesel-Maschine mit durchschnittlich 25 Litern pro Stunde sehr wirtschaftlich.

Ohmers Familie besitzt die "Karlsburg" seit 1914. Sein Großvater Anton kaufte das Schiff und setzte es, immer noch ohne Motorkraft, als Schleppkahn in ganz Deutschland ein, "von Berlin bis Basel", wie der jetzige Besitzer weiß. Bis zu acht Kähne seien von einem Schleppschiff gezogen worden.

Der Zweite Weltkrieg war bitter für die Eigner-Familie. Das Schiff lag die ganze Zeit im Heimathafen Karlstadt fest. Nach dem Kriegsende ging es wieder aufwärts, zunächst mit Aufträgen für die Besatzungskräfte.

1961 ließ Ohmers Vater den Schleppkahn zu einem Motorschiff umbauen. Damals gab es auch ein neues, fast mannshohes, Steuerrad, das immer noch im Ruderhaus seinen Dienst tut - natürlich ohne "Servolenkung", schmunzelt der Skipper. Vor allem, wenn das Schiff beladen sei, koste es manchen Tropfen Schweiß, es zu manövrieren oder im Gegenverkehr von anderen Schiffen auf Kurs zu halten. Die modernen Schiffe werden mit einem Joy-Stick gelenkt. "Das sieht man aber auch an den Bäuchen der Skipper", scherzt Ohmer.

Natürlich war die "Karlsburg" bei der Gründung des Schweinfurter Hafens dabei. An den ersten Winter im neuen Hafen hat die Familie keine gute Erinnerung: "Damals lag das Schiff den ganzen Winter wegen Eis im Hafen fest", so Ohmer. Da durfte es beim 40-jährigen Hafenjubiläum nicht fehlen. Zur Demonstration für die Gäste wurde die Ladung erst während des Festbetriebes gelöscht, noch am Morgen davor das Schiff auf Hochglanz getrimmt.

Die "Karlsburg" ist mehr als nur Heimat für Familie Ohmer, sie ist auch Entbindungsstation. Sein Vater wurde an Bord geboren, als das Schiff in Gelsenkirchen lag: "Tante Inge kam in Straßburg auf die Welt, Onkel Heinrich in Mannheim oder Ludwigshafen - alle auf dem Schiff".

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