Gerolzhofen

Steigerwaldbahn: CSU will jetzt Brücken bauen

Erwartungsgemäß hat das Gutachten zum möglichen Fahrgast-Potenzial einer wiederbelebten Steigerwaldbahn die unterschiedlichsten Reaktionen ausgelöst.
Tristesse an der Bahnstrecke Schweinfurt-Kitzingen/Etwashausen: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft sieht kein Fahrgast-Potenzial, um in eine Reaktivierung der Strecke einzusteigen.
Foto: Matthias Wiener | Tristesse an der Bahnstrecke Schweinfurt-Kitzingen/Etwashausen: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft sieht kein Fahrgast-Potenzial, um in eine Reaktivierung der Strecke einzusteigen.

Das lange erwartete Gutachten zum Fahrgast-Potenzial der Steigerwaldbahn zwischen Schweinfurt und Etwashausen liegt nun vor. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft hat errechnet, dass zu wenig Fahrgast-Potenzial gegeben ist, als dass es zu einer Reaktivierung des Bahnbetriebs kommen kann. Wir haben erste Stimmen und Reaktionen gesammelt. 

Im Landratsamt Schweinfurt war man am Freitag noch nicht zu einer Bewertung des Ergebnisses bereit. Man müsse das Gutachten der Bayerischen Eisenbahngesellschaft erst genau analysieren, sagte Pressesprecher Andreas Lösch. Er kündigte für Anfang nächster Woche eine entsprechende Stellungnahme an.

Ähnlich lautet auch die Antwort aus dem Landratsamt Kitzingen. Landrätin Tamara Bischof will erst das Gutachten ausführlich lesen, ehe sie nächste Woche dann eine Stellungnahme abgibt. 

Ergebnis seriös würdigen

Der Gerolzhöfer Bürgermeister Thorsten Wozniak schreibt, die mögliche Reaktivierung der Steigerwaldbahn sei teilweise sehr heftig diskutiert worden. "Mehrfach betonte ich, dass nicht allein die Reaktivierung der Steigerwaldbahn im Mittelpunkt der Diskussionen stehen sollte, sondern die bestmögliche Mobilität der Menschen im ländlichen Raum. Dabei dürfen sicherlich auch Themen wie Umweltfreundlichkeit oder Wirtschaftlichkeit diskutiert werden." Sowohl Befürworter als auch Kritiker der Reaktivierung der Bahnlinie hätten sich eine Potenzialanalyse auf Basis der Beschlüsse des Schweinfurter Stadtrats und der Kreistage Kitzingen und Schweinfurt gewünscht. "Diese Potenzialanalyse liegt nun vor. Jetzt gilt es, das Ergebnis seriös zu würdigen", so Wozniak.

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"Das Ergebnis überrascht mich nicht. Ich war noch nie ein Befürworter der Reaktivierung", sagt Bürgermeister René Schlehr (CSU) aus Prichsenstadt. Dennoch habe er darauf bestanden, das unabhängige Gutachten abzuwarten, bevor man endgültig entscheidet: "Wenn man für etwas kämpft, muss es funktionieren und zielführend sein." Schlehr erwartet allerdings nicht, dass das Thema Steigerwaldbahn damit erledigt ist. "Die Bahn-Befürworter werden das Ergebnis nicht akzeptieren", sagt er voraus.

"Jetzt Brücken bauen"

Innenstaatssekretär Gerhard Eck, die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber und die Landtagsabgeordnete Barbara Becker (alle CSU) weisen in einer am Freitagnachmittag gemeinsam verbreiteten Pressemitteilung darauf hin, dass die im Gutachten offengelegten Zahlen zeigen, dass für die Reaktivierung einer stillgelegten Eisenbahnstrecke zwischen Schweinfurt und Großlangheim kein Verkehrsbedürfnis mehr besteht. Das zu geringe Fahrgastpotenzial auf der stillgelegten Bahnstrecke schaffe nun den Freiraum für die Gemeinden, im Rahmen ihrer kommunalen Planungshoheit ihre eigenen planerischen Vorstellungen für das Bahngelände umzusetzen und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern ein Mobilitätskonzept der Zukunft zu entwickeln. "Es gilt jetzt Brücken zu bauen und alle mitzunehmen", betonen die drei Abgeordneten.

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Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Volkmar Halbleib, zeigt sich "überrascht und enttäuscht" vom Ergebnis des Gutachtens. Gleichzeitig bezeichnet Halbleib das Verfahren des Ministeriums als sehr fragwürdig. Nachdem es vergangene Woche auf parlamentarische Anfrage keine Angaben zum bereits vorliegenden Gutachten machen wollte, veröffentlicht es die Zahlen nun nach medialem Druck, so der SPD-Abgeordnete. "Nach diesem Hick-Hack des Ministeriums ist zumindest die Frage, ob hier politisch Einfluss auf die Zahlen genommen wurde, nicht mehr einfach vom Tisch zu wischen. Das Verkehrsministerium hat damit der Transparenz des Verfahrens einen Bärendienst erwiesen."

"BEG-Studie analysieren"

Halbleib fordert jetzt von allen Beteiligten, die Ergebnisse der BEG-Studie zu analysieren und mit den zwei weiteren Gutachten abzugleichen, die bisher zur Steigerwaldbahn vorlagen. Gleichzeitig kritisiert er die regionale CSU. Deren Verhalten sei bisher sehr fraglich gewesen. "Anstatt offen die Potenziale zu prüfen, hat die CSU in der Region von Anfang an mit ihrer rigorosen Absage an die Steigerwaldbahn ein offenes Verfahren torpediert", so Halbleib. Nach dieser klaren Ablehnung durch ein Mitglied des Kabinetts, gemeint ist ganz offenbar Staatssekretär Gerhard Eck, sei ein faires, offenes Verfahren immer mehr in Frage gestellt worden.

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