Schweinfurt

Stumme Zeitbombe: Das Bauchaorten-Aneurysma

Zwei Arten eines Aortenaneurysmas: Ein ballonförmiges und ein einseitiges Aneurysma.
Foto: Getty Images | Zwei Arten eines Aortenaneurysmas: Ein ballonförmiges und ein einseitiges Aneurysma.

Unser Herz pumpt täglich bis zu 10 000 Liter Blut durch die Arterien, um alle Teile unseres Körpers mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Werden die Wände der Arterien im Laufe des Lebens geschwächt, hauptsächlich durch Verkalkung, können sie sich ballonförmig ausweiten. Eine solche Aussackung, ein Aneurysma, kann schlimmstenfalls platzen (Ruptur). Durch massive innere Blutungen entsteht dann schnell eine lebensbedrohliche Situation.

Über das Thema "Aneurysma – eine Gefahr?" sprach im Leopoldina Online-Seminar Dr. Katrin Körner, Leiterin der Gefäßchirurgie, einer Spezialabteilung der Leo-Chirurgie. Die Referentin erläuterte zunächst das arterielle System: Vom Herzen gelangt das Blut über die Körper-Hauptschlagader (Aorta) durch den Brustkorb in den Bauchraum, teilt sich dort in die Beckengefäße. In den Venen wird das Blut zum Herzen zurück transportiert.

Kostenlose Ultraschall-Untersuchung

Dr. Körner behandelte in ihrem Vortrag das Aortenaneurysma des Bauchraums, weil es dort am häufigsten auftritt (Daneben gibt es auch Aneurysmata des Brustraums und des Gehirns). Als Bauchraum-Aortenaneurysma bezeichnet man eine Erweiterung der Bauchaorta auf einen Durchmesser über drei Zentimeter. In den meisten Fällen handelt es sich um Erweiterungen, die unterhalb der Nierenarterien auftreten. Betroffen sind vor allem Menschen über 65 Jahre, Männer häufiger als Frauen. 2 von 100 Männern zwischen 65 und 75 Jahren entwickeln ein Aneurysma. Deshalb übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen seit 2018 für Männer ab 65 Jahre die Kosten einer Ultraschall-Untersuchung der Bauchaorta.

Als Ursachen und Risikofaktoren nennt Körner: Zunehmendes Alter, Schwäche der Gefäßwand, bei über 50-Jährigen Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette. Seltene Ursachen sind Entzündungen, nach stumpfer Gewalt, vor oder nach Engstellen, selten Bindegewebserkrankungen sowie erbliche Vorbelastung.

Merke ich, wenn ich ein Aneurysma habe?

Diese Frage müsse man mit einem deutlichen "meistens nicht" beantworten, betont Körner. Meist wird ein Aneurysma durch einen Zufallsbefund entdeckt. Gleichwohl können bereits sehr große Aneurysmata auf anliegende Strukturen drücken und Beschwerden verursachen: Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, manchmal mit Ausstrahlung in die Beine. Selten Verdauungsbeschwerden, bei schlanken Menschen tastbare pulsierende Strukturen unter der Bauchdecke.

Was kann passieren? Das Aneurysma kann platzen, es entsteht eine lebensbedrohliche Situation. Heftige Schmerzen im Bauchraum, der plötzliche Blutverlust führt zu Schwindel, Bewusstlosigkeit, Kreislaufzusammenbruch. Je größer das Aneurysma ist, desto größer ist die Gefahr eines Risses. Bei einem Durchmesser von vier bis fünf Zentimeter besteht bei drei von 100 Menschen die Wahrscheinlichkeit eines Risses, bei einer Größe von mehr als sieben Zentimeter sind 60 Risse bei 100 Menschen zu erwarten.

"Doch soweit muss es nicht kommen", betont Körner. Schon mit einer Ultraschalluntersuchung könne man ein Aneurysma feststellen. Die Ärztin empfiehlt diese Untersuchung ab dem 65. Lebensjahr, bei erblicher Vorbelastung früher. Wurde ein Aneurysma festgestellt, folgen je nach Größe regelmäßige Ultraschallkontrollen, Kontrollen und Behandlung der Risikofaktoren, bei großen Aneurysmata weiterführende Untersuchungen wie Computertomografie, Gefäßstatus, Herzuntersuchung, Labor.

Operation – Ja oder Nein?

Bei Überlegungen zu einer Operation sollten mehrere Faktoren beachtet werden: Das biologische Lebensalter, Begleiterkrankungen, Risikoprofil, Vorstellung beim Kardiologen. Warum eine Operation ärztlicherseits empfohlen wird, ob der Patient es wünscht, welche Risiken bestehen – all das werde in einem ausführlichen Gespräch individuell mit dem Patienten abgewogen und geklärt, sagt Körner. Als Therapieoptionen kommen die offene Operation (Ersatz des auf gedehnten Gefäßes durch eine Prothese) oder die endovaskuläre Aneurysma-Ausschaltung mittels Stent in Frage.

Nach der Operation muss der Patient lebenslang als Blutverdünner einmal täglich 100 mg ASS nehmen, Kontrollen überwachen die Heilung und Genesung. Was kann der Patient selbst tun? Gesunde Ernährung, Abbau von Übergewicht, Blutdruckspitzen und schweres Heben vermeiden. Der Patient sollte lernen, unter Belastung richtig zu atmen, Asthma und Bronchitis behandeln lassen, Verstopfung (Pressen) vermeiden, sportliche Betätigung nicht übertreiben und Vorsicht beim Krafttraining walten lassen.

"Was ist mir wichtig, was sollen Sie mitnehmen?" schließt Dr. Körner: "Eine Ultraschall-Kontrolle ab dem 65. Lebensjahr reicht aus, um Leben zu retten. Um ein Aneurysma rechtzeitig zu erkennen und es zu beobachten. Um es dann, bei einer bedrohlichen Größe, auszuschalten".

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