Schweinfurt

Tiefe Keller am Fischerrain

Am Montagmorgen waren die Keller (linker Bildrand) freigelegt, am Nachmittag dann wieder zugeschüttet.
Foto: Gerd Landgraf | Am Montagmorgen waren die Keller (linker Bildrand) freigelegt, am Nachmittag dann wieder zugeschüttet.

Auf Kellergewölbe, die während der mehrwöchigen archäologischen Untersuchungen durch eine Fachfirma auf dem Areal für das künftige „Stadthaus“ zwischen Fischersteig, Brennöfen und Fischerrain nicht entdeckt wurden, sind die Bauarbeiter beim Ausheben der Baugrube am Montag gestoßen.

Diese Gewölbe sind allesamt mit Kriegs- und Bauschutt lose verfüllt und von außen nicht zugänglich. Auf diesem Untergrund können die geplanten Gebäude nicht gegründet werden. Da der Bauherr bereits über eine bodendenkmalrechtliche Erlaubnis verfügt, werden die Keller jetzt ausgeräumt und mit verdichtungsfähigem Material verfüllt. Das teilte am Dienstagnachmittag das Rathaus auf eine Anfrage dieser Redaktion mit.

Nachbarn informierten

Nachbarn der Baustelle hatten die Redaktion am Montagmorgen über die Entdeckung der Bauarbeiter informiert. Unter den bekannten Kellern waren beim Aushub weitere Gewölbe aufgetaucht. Mittlerweile hat es eine Abstimmung zwischen der Stadtverwaltung und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege gegeben. Die Pressestelle des Rathauses versichert, dass „die Vorgehensweise des Bauherrn nicht gegen die Erlaubnis“ verstoße.

Bodendenkmalrechtliche oder archäologische Untersuchungen der Keller seien nicht angezeigt, heißt es weiter in der Stellungnahme der Stadt, die außerdem davon ausgeht, dass weitere Untersuchungen aus Sicherheitsgründen abzulehnen seien. Sichergestellt ist, dass der Bauherr nach Aushebung der Keller diese nach Lage und Position vermessen lässt.

Geschichte des Stadtteils

Im Frühjahr war der etwa 1400 Quadratmeter große Baugrund, der bis zum Jahr 1456 vor der Stadtmauer lag, von den Archäologen unter die Lupe genommen worden. Mit Beginn der Neuzeit hatte der Stadtteil mit der Fischerporte ein eigenes Tor, das im Jahr 1852 für den Bau der Eisenbahn geopfert wurde.

Die Ausgrabungen förderten zahlreiche Hinweise auf das Leben in einer mittelalterlichen Handwerkersiedlung zu Tage. Freigelegt wurden auch die Kellergewölbe einer Brauerei. Keramik, Ziegel und Knochen kamen zum Vorschein sowie Funde der Hallstatt- (800 bis 450 vor Christus) oder der Laténezeit (bis zur Zeitenwende).

Das Bauprojekt

Der Spatenstich für das „Stadthaus“ wurde im Mai gefeiert. An den Brennöfen entsteht eine Wohnanlage für 8,5 Millionen Euro, die im Frühjahr 2018 bezugsfertig sein soll. Die Pläne zeigen einen großen Baukörper, der sich in das Quartier mit der kleingliedrigen Bebauung und den schmalen Straßen einpasst. Die drei dreigeschossigen Baukörper mit knapp 30 Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen erhalten Penthause-Bereiche als viertes Geschoss. Die Wohnungen werden über Laubengänge erreicht, begehbar von einem zentralen Treppenhaus mit Aufzug. Es entstehen 2900 Quadratmeter Wohnraum – mit Logen und Außensitzplätzen.

Mit dem Stadthaus verschwindet eine der letzten Kriegsbrachen aus dem Stadtbild.

„Rauchen verboten“ lässt auf eine Verwendung der tiefen Gewölbe als Luftschutzraum schließen.
Foto: Gerd Landgraf | „Rauchen verboten“ lässt auf eine Verwendung der tiefen Gewölbe als Luftschutzraum schließen.
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